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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Heidelberga - Heideloff (Karl Alexander von)
nach Mannheim. 1803 kam H. infolge des Rcichs-
deputations-Hauptschlusses an Baden. - Vgl.
F. G. Wundt, Geschichte und Beschreibung der Stadt
H. (Mannh. 1805); Bader, Bad. Landesgeschichte
(3. Aufl., Freib. i. Br. 1864); Wirth, Archiv (1863);
Salzer (über die Zerstörungen von 1689 und 1693;
1881 u. 1882); Oncken, Stadt, Schloß und Hoch-
schule H. (3. Aufl., Heidelb. 1885); Neues Archiv
für die Geschichte der Stadt H. und der rhein. Pfalz
(hg. von Mays und Christ, Bd. 1, ebd. 1892).
Heidelberga, Name des 325. Planetoiden.
Heidelberger Faß, s. Heidelberger Schloß.
Heidelberger Katechismus (lat. ^6^6813
Miatina), der noch heute in der reform. Kirche weit-
verbreitete Leitfaden zum religiösen Iugendunter-
richt, aus Veranlassung Kurfürst Friedrichs III. von
der Pfalz durch die Heidelberger Theologen Zacha-
rias Ursinus (s. d.) und Kaspar Olevianus (s. 0.) ver-
faßt und zuerst 1563 erschienen. Der Katechismus
behandelt mit inhaltreicher Kürze und Klarheit in
drei Hauptstücken 129 Fragen: von des Menschen
Elend, Erlösung und Dankbarkeit in Gebet und
Gehorsam. Die Prädestinationslehre ist ohne die
Calvinische Schärfe, die Abendmahlslehre indem
bei den Reformierten allgemein verbreiteten Sinne,
ohne die eigentümlich calvinifchen Wendungen dar-
gestellt. Der Katechismus ist nächst der zweiten hel-
vet. Konfession die verbreitetste Vekenntnisschrift der
reform. Kirche und auf der Dordrechter Synode
(s. d.) 1619 ausdrücklich als symbolisches Buch an-
erkannt. Eine kritifche Ausgabe lieferte Wolters:
Der H. K. in seiner ursprünglichen Gestalt nebst
der Geschichte seines Textes im I. 1563 (Bonn
1864). - Vgl. die Abhandlungen von Ullmann,
Plitt und Wolters in den "Theol. Studien und Kri-
tiken" (1863, 1863,1867); Kluckhohn, Friedrich der
Fromme, Kurfürst von der Pfalz (Nördl. 1879);
Dalton, Der H. K. als Bekenntnis- und Er-
bauungsbuch der evang. Gemeinde erklärt (2. Aufl.,
Wiesb. 1883); Schaff, '1'k6 ci-eoäg ol cki-isttmäom,
Bd. 1 (4. Aufl., Neuyork 1884); M. A. Gooszen, De
Il6iä6id6rA8cn6 I(3,t0cui8inu8 (Leid. 1890).
Heidelberger Liederhandschrift, f. Mancs-
sifche Handschrift.
Heidelberger Schloß, auf einem Vorhügcl
des Königsstuhls, dem Iettenbühl, 205 m ü. d. M.,
89 m über der Stadt, bildet eine Gruppe von Ge-
bäuden und Ruinen, deren Vorgänger nach der ge-
wöhnlichen Annahme aus der Zeit des Pfalzgrafen
Rudolf I. (1294-1319) herrührten, die selbst aber
unter den Kurfürsten Ruprecht III., dem röm. König
(um 1400), begonnen, von Ludwig V. (1503-44)
hauptfächlich weitergeführt, von Friedrich II. (1544
-56), Otto Heinrich (um 1557), Friedrich IV. (um
1600) und Friedrich V. (um 1615), dem Winterkönig,
ausgebaut wurden. Die künstlerische Behandlung
und Ausschmückung konzentriert sich auf die Facaden
nach dem Schloßhof. Die prächtigsten Bauten' sind
der Otto-Heinrichs-Bau, 1556-59 erbaut, mit drei
Stockwerken und reichem Skulpturenschmuck, beson-
ders an dem schönen Portal, ein Meisterstück der
deutschen Renaissance (jedoch ohne Bedachung, und
das Innere Ruine), und der Friedrichsbau (f. Ta-
fel: Deutsche KunstIII, Fig. 3), 1601-7 erbaut,
mit 16 Standbildern in den Nischen (Karl d. Gr.,
Otto von Wittelsbach, bayr. und die pfälz. Für-
sten bis auf Friedrich IV.). In letztcrm befindet sich
die städtische Kunst- und Altertümersammlung.
In der Südostecke des Schloßhofs steht eine Vrun-
nenhallc mit Syenitsäulen aus dem ehemaligen
Palast Karls d. Gr. zu Ingelheim; gegenüber der
Ruprechtsbau, von Kurfürst Ludwig V. 1437 - 39
errichtet. In der Südecke des Schloßhoss der große
Wartturm mit Ausgang nach dem Schloßgarten:
die Südostecke des Schlosses bildet der gesprengte, die
Nordwestecke der dicke Turm, beide mit 6-7 in dicken
Mauern und 1689 von den Franzosen zur Halste
abgesprengt. Ein gewölbter Gang führt durch den
Friedrichsbau auf den 1610 erbauten Altan, mit
prächtiger Aussicht auf das Neckarthal und die
Rheinebene. Westlich davon in einem eigens dazu
aufgeführten Gewölbebau das "Große Faß" (8,5 in
lang, 7 m breit), welches 236 Fuder (212422 1)
faßt und als Nachfolger früherer ähnlicher Fässer
(1591) von Kurfürst Karl Theodor 1751 erbaut ist.
Das Schloß wurde 2. März 1689 (durch Me1ac)
und 22. Mai 1693 von den Franzosen, 24. Juni
1764 durch Blitzschlag zerstört. Seit 1883 hat die
bad. Negierung die Restauration bez. Erhaltung ein-
zelner Teile des Schlosses in größerm Umfang und
nach einem auf genauer Aufnahme ruhenden Plan
in die Hand genommen. 1892 bewilligte der Land-
tag 250000 M. zu dem Zweck. Der Schloßgarten
ist 1804 in seiner jetzigen Gestalt angelegt und bietet
schöne Spaziergänge und Aussichtspunkte. Auf der
Großen Terrasse, östlich vom Schlosse, mit schönem
Blick auf Schloß und Stadt, ist 1891 aus frei-
willigen Beiträgen (45000 M.) ein Vronzestand-
bild Scheffels (von Ad. Heer) errichtet worden. -
Die wichtigsten Arbeiten über das Schloß sind:
Metzger, Beschreibung (1828, mit Wiederabdruck
des llorws 1'<^tinu8 von Salomon de Caus von
1619); Pfnorr und Rame^c, NonoFi-apine än (M-
toau ä6 N6il!LiIi6i'8 (Par. 1859); Leger, Führer
(5. Aufl. 1860); Stark in Sybels "Histor. Zeitschrift"
(1867, der zuerst die 16 symbolischen Statuen am
Otto-Heinrichs-Bau richtig deutete); Rosenberg,
Quellen zur Geschichte des H. S. (mit Wiederabdruck
von Starks Arbeit, Heidclb. 1882); Lübke, Geschichte
der Renaissance in Deutschland (2. Aufl., Stuttg.
1882); Koch und Seitz, Das H. S. (Darmst. 1886
-91); Mitteilungen zur Geschichte des H. S., hg.
vom Heidelberger Schloßvcrein (Heidelb. 1885 fg.);
A. von Oechelhäuser, Das H. S. (ebd. 1891).
Heidelberger Tonnen, früher vielfach benutzte
Behälter zur Abfuhr von Fäkalien. Es waren
innen verkohlte und geteerte Fässer (Petroleum-
fässer). Gegenwärtig benutzt man stehende Cylin-
der aus verzinntem Eisenblech oder aus Zinkblech
mit durchschnittlichem Inhalt von 100 bis 150 I.
(Vgl. Tonnensystem, Städtereinigung.)
Privatbahn im Betriebe der Generaldirektion der
Badischen Staatseisenbahnen. Die H. E. (17. Juli
1873 eröffnet) geht von Heidelberg über Schwetzin-
gen bis zur Rheinmitte (Altlußheim) bei Speyer,
wo sie an die Pfälzische Ludwigsbahn anschließt. Das
verwendete Anlagekapitalbetrug 1890:2 227594M.;
Dividende für 1890: 1,5 Proz., 1889: 1,33 Proz.,
Heidelerche, f. Lerche. "888: 1 Proz.
Heideloff 5 Karl Alexander von, Architekt,
Sohn von Victor Peter H., geb. 2. Febr. 1788 zu
Stuttgart, machte feine Studien auf der dortigen
Kunstakademie unter Leitung seines Vaters, Scheff-
hauers und Danneckers und wurde 1818 als
Lehrer und städtischer Baumeister in Nürnberg
angestellt, wurde^1822 Professor an der dortigen
Polytechnischen schule, in welcher Stellung er