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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Heidentum - Heije
Gruppe in diesen vorgeschichtlichen Befestigungen
bilden die kleinen slaw. Burgwälle, die sich beson-
d^ ^'usig nn nördl. Deutschland rechts von der
Elbe finden (s. Burgwall). Der Zweck aller dieser
Anlagen ist wohl ziemlich derselbe, mn als Vertei-
digungspnnkt und Zufluchtsort bei Kriegsgefahren
zu dienen, vereinzelte sind vielleicht auch als Burgen
von Fürsten oder Kultusstätten aufzufassen.
Heidentum(lat. Gentilismus), Bezeichnung
sür alle polytheistischen Religionen (s. Heiden).
Heidepflanzen, die Pflanzen auf den großen
Heideflächen, wie sie sich besonders in Nordwest-
deutschland finden. Die Flora dieser Gegenden ist
eine sehr beschränkte, da die eigentliche Heide, Oai-
wuu vul^3.ri8 HM'Fb., fast alle andern Gewächse
unterdrückt. Am häufigsten sind noch die Moose ver-
treten. Von den höhern Pflanzen finden sich einige
Binsenarten, ebenso einige Gramineen, die für die
Heidestächen charakteristisch sind. An feuchten moori-
gen Stellen wachsen ein paar Sumpfpflanzen, wie
I)io86ia, Nmpstruiu n. f. w. An den trocknen san-
digen Partien finden sich mehrere Kompositen, ferner
einige niedere Sträucher, wie der Besenginster (8ai-o-
t1iHnmu8 vulFÄi-ig ^m.). Im großen und ganzen
bietet die Heidestora sehr wenig Abwechselung.
Heider, Volksstamm, s. Heidenen.
Heider, Gnst. Adolf, Freiherr von, Kunsthisto-
riker, geb. 15. Okt. 1819 zu Wien, wurde im Ministe-
rium für Kultus und Unterricht angestellt, 1863
zum Settionsrat ernannt, 1866 zum Präsidenten der
Akademie der Künste gewählt; er bekleidete dieses
Ehrenamt bis 1873. In diesem Jahre wurde er
Sektionschef im Unterrichtsministerium und mit der
Leitung der Abteilung für Universitäten und Mit-
telschulen betraut. Bei seinem 1880 erfolgten Über-
tritt in den Ruhestand wurde er in den o'sterr. Frei-
herrenstand erhoben. Er veröffentlichte: "Über Tier-
symbolik und das Symbol des Löwen in der christl.
Kunst" (Wien 1849), "Physiologus. Nach einer
Handschrift des 11. Jahrh." (ebd. 1851), "Dieroman.
Kirche in Schöngrabern" (edd. 1855), "Der Altar-
aufsatz im Stifte Klosterneuburg" (ebd. 1860) "Bei-
träge zur christl. Typologie aus Bilderhandschriften
des Mittelalters" (in dem von H. längere Zeit redi-
gierten "Jahrbuch der Centralkommission zur Er-
haltung der Baudenkmale", Bd. 5, ebd. 1861). Eine
Reihe von Aufsätzen enthalten auch die auf feinen
Antrag ins Leben gerufenen "Mitteilungen der k. k.
Centralkommission" und die von ihm mit Eitelberger
berausgegebenen "Mittelalterlichen Kunstdenkmale
des österr. Kaiserstaats" (Stuttg. 1855 fg.).
Heiderauch, soviel wie Höhenrauch (s. d.).
Heidgras, s. AartQLcwm.
Heidingsfeld, Stadt im Bezirksamt Würzburg
des bayr. Reg.-Bez. Unterfranken, 5 km im SO.
von Würzburg, links am Main, in 184 m Höhe,
an den Linien Heidelberg-Würzburg der Bad. und
bahnen (2 Bahnhöfe), hat (1890) 3727 E., darunter
314 Evangelische und 150 Israeliten, Postexpedi-
tion, Telegraph, ein Institut der Englischen Fräulein
im Kloster der Armen Schulschwestern: Rot-und
Weihgerberei, Fabrikation von Fässern, Cigarren
und Maschinen, Glockengießerei, Ziegelei, Brauerei,
Weinbau und Weinhandel. Der Ort, 779 zuerst
genannt, erhielt 1367 Stadtrechte.
Heidschnucke oder H e i o e s ch a f, eine sehr kleine
in der Lüneburger Heide heimische Schafrasse. (S.
Schaf und Schafzucht.)
Heiducken, s. Haidukcn.
Heigel, Karl von, Dichter, geb. 25. März 1835
zu München, studierte in München Philosophie und
wurde dann Bibliothekar des Fürsten Carolath-
Veuthen in Niederschlesien. 1863 ließ er sich in
Berlin nieder, 1875 in der Nähe Münchens, im
oberbayr. Gebirge. Seit dem Tode Ludwigs II. von
Bayern lebt H. in Riva am Gardasee. Er schrieb
die Dramen "Marfa", "Vor hundert Jahren",
"Freunde"; ferner "Novellen" (1866, 1872,1873,
1878), "Die schöne Zarin", "Iosephine Bonaparte"
sowie eine Reihe von Stücken für des Königs Pri-
vat-Theateraufführungen; außerdem das Epos
"Bar Cochba" (1857), die Erzählungen: "Ohne Ge-
wissen" (Berl. 1871), "Die Dame ohne Herz" (ebd.
1873), "Benedictus" (ebd. 1875), "Das ewige Licht"
(Lpz. 1877), "Es regnet" (2. Aufl., Stuttg. 1878),
"Der Karneval in Venedig" (2. Anfl., ebd. 1878),
"Der Theaterteufel" (Lpz. 1878), "Die Veranda
am Gardasee" (ebd. 1879), "Mosaik" (ebd. 1886),
"Ernste und heitere Erzählungen" (Berl. 1887),
"Der Weg zum Himmel" (Münch. 1890), "Das Ge-
heimnis des Königs" (Berl. 1891), "Der reine Thor"
(Stuttg. 1891), "Baronin Müller" (ebd. 1893), "Der
Roman einer Stadt" (Berl. 1893), "Heitere Er-
zählungen" (ebd. 1893) und "Der Sänger" (Lpz.
1893). Ferner verfaßte er die Biographien "Karl
Stieler" (Bamb. 1890) und "König Ludwig II. von
Bayern" (Stuttg. 1892).
Heigel, Karl Theod., Bruder des vorigen, Histo-
riker, geb. 23. Aug. 1842 zu München, studierte an
der Universität seiner Vaterstadt, habilitierte sich
^873 als Docent der Geschichte, wurde 1876 zum
Mitglied der Akademie, 1879 zum auherord. Uni-
versitätsprofessor, 1883 zum ord. Professor der Ge-
fchichte an der Technifchen Hochfchule und 1885 znm
ord. Professor und zum Direktor des Historischen
Seminars an der Universität München ernannt.
Von ihm erschienen: "Das Herzogtum Bayern zur
Zeit Heinrichs des Löwen und Ottos von Wittels-
lm^ /;" l^omoins^st -mit Nil"s^ MnNl-lv 1 Ntt7^.
bach" (in Gemeinschaft mit Riezler, Münch.1867),
Gefchichte" (Münch. 1882), "Das Tagebuch Kaifer
Karls VII." (ebd. 1883), "Neue histor. Vorträge und
Auffätze" (ebd. 1883), "Histor. Vorträge und Stu-
dien" (ebd. 1887), "Quellen und Abhandlungen zur
neuern Geschichte Bayerns" (ebd. 1885; Neue Folge,
1890), "Nymphenburg" (Bamb. 1891), "Essays aus
neuerer Geschichte" (ebd. 1892), "Deutsche Geschichte
vom Tode Friedrichs d. Gr. bis zur Auflösung des
alten Reichs" (Stuttg. 1892 fg.).
Heije, Jan Pieter, Holland. Dichter, geb. 1. März
1809 zu Amsterdam, studierte seit 1827 in Leiden
Medizin, nahm am Kriege gegen Belgien teil und
ließ sich dann als praktischer Arzt in Amsterdam
nieder, wo er 24. Febr. 1876 starb. 1832-34 gab er
den "Vi-ikiiä ä68 vaäeriNuäL" heraus und dann mit
Potgieter und andern Freunden die "Musen" und
"I)o 6iä8". 1841 wurden seine "I.ißäoi-sn 6ii xan-
F6n", 1847 seine "Nnä6i'1i6ä6i-6Q" preisgekrönt.
1843 wurde er Sekretär der Gesellschaft zur Beför-
derung der Tonkunst, und 1844-60 stand er an der
Spitze der NalU8e1i3,pp^ tot ^ut van 't ^1F6M66Q.
In letzterer Eigenfchaft war er 15 Jahre lang der
thätigste Mitarbeiter am "Nnkdui^i'Voik^iina,-
naw). Daneben vernachlässigte er doch seinen Beruf
keineswegs: 1838-40 war er Redacteur der (medi-