Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Heizungs- und Lüftungsanlagen

1014

Heizungs- und Lüftungsanlagen

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Heizung'

indirekt durch den Dampf mit erwärmt wird. Es wird hierdurch eine milde, gleichmäßige und nachhaltige Wärmeabgabe wie bei einem Wasserofen erzielt. Vorkehrungen zum Entleeren bez. Nachfüllen der Heizkörper müssen vorhanden sein, durch Reduktionsventile muß eine Herabminderung der Dampfspannung in den Heizröhren (bis auf höchstens 1,5 Atmosphäre) und damit Ausschließung jeder Gefahr stattfinden. Die Dampfwarmwasserheizung leistet aber dasselbe, arbeitet sicherer und ruhiger und regelt die Wärme besser.

Die Lüftungs- oder Ventilationsanlagen (s. Ventilation) trennt man jetzt vielfach von der allgemeinen H. und nimmt während der kalten Jahreszeit die Vorwärmung der eingeführten frischen Luft in besondern Heizkörpern vor, wobei allerdings der Brennmaterialverbrauch bedeutend gesteigert wird.

Von der Gesundheitspflege werden an die Anlage von H. eine Anzahl Forderungen gestellt. Die Heizanlage muß, damit im Wohnraum eine gleichartige Temperatur (17–20° C.) hervorgebracht werden kann, regulierfähig sein, eine womöglich kontinuierliche Erwärmung und durch zweckmäßige Anordnung der Heizkörper eine möglichst gleichförmige Verteilung der Wärme in dem zu beheizenden Raum bewirken. Ferner muß eine H. einfach, billig und vor allem gefahrlos sein. Letztere Forderung erstreckt sich nicht bloß auf die Feuers- und Explosionsgefahr, sondern auch auf die Möglichkeit, daß Produkte der Verbrennung, des Brennmaterials, Heizgase, wie z. B. das so sehr giftige Kohlenoxydgas, in die Luft der Wohnräume eintreten. (S. Ofen.) Centralheizungen, namentlich Luftheizungen, aber auch Heißwasserheizungen, erzeugen gesundheitliche Nachteile dadurch, daß Staub, welcher in den Heizkanälen mitgeht bez. auf die sehr heißen Flächen der Heizkörper fällt, verbrennt und die Verbrennungsprodukte (sog. Produkte der trocknen Destillation) sich der Luft der Wohnräume beimengen. Diese Verbrennungsprodukte des Staubes reizen die Atmungsorgane sehr und erzeugen ein Gefühl von Brennen, Trockensein im Rachen und Kehlkopf, das dazu geführt hat anzunehmen, daß solche Heizanlagen eine zu große Trockenheit der Luft verursachen. Man kann diesen Übelstand vermeiden, wenn man darauf achtet, daß über die Heizflächen nur staubarme Luft streicht und für Reinhaltung der Heizkörper sorgt. Zu große Trockenheit der Luft kann durch Aufstellung von Schüsseln mit Wasser oder von nassen Tüchern beseitigt werden.

Centralheizungen besitzen vor Lokalheizungen (Öfen) den großen Vorzug, daß sie viel gleichmäßiger heizen und daß mit ihnen auch Nebenräume, wie Korridore und Aborte, bequem beheizt werden können. Manche Gelegenheiten für Erkältungen kommen dadurch in Wegfall. Da die Zimmeröfen vermittelst der Rauchkamine auf die Zimmerluft ventilierend wirken, bei den meisten Centralheizungen (ausgenommen die Luftheizung) diese Ventilation wegfällt, so haben Öfen vor Heizkörpern von Centralheizungen wieder etwas voraus. Durch einfache Ventilationsvorrichtungen kann dieser Mangel der Centralheizungen korrigiert werden. – Über die Kosten von Heizungsanlagen s. Heizungs- und Lüftungsanlagen.

Vgl. Ahrendts, Die Centralheizung der Wohnhäuser, öffentlichen Gebäude u. s. w. (2. Aufl., Lpz. 1885); Fanderlik, Elemente der Lüftung und H. (Wien 1887); Wolpert, Theorie und Praxis der ↔ Ventilation und H. (2. Aufl., Lpz. 1887); ders., Abhandlungen aus der Wohnungshygiene (ebd. 1887); Herm. Fischer im «Handbuch der Architektur», Bd. 4 (Darmst. 1881); Sammlung von Heizungs- und Lüftungsanlagen, ausgeführt durch das Eisenwerk Kaiserslautern (Berl. 1883); F. Paul, Lehrbuch der Heiz- und Lüftungstechnik (Wien 1885); Ferd. Fischer, Feuerungsanlagen für häusliche und gewerbliche Zwecke (Karlsr. 1889); Deny, Rationelle H. und Lüftung (deutsch von Häsecke, Berl. 1886); Rietschel, Lüftung und H. von Schulen (ebd. 1886); ders., Leitfaden zum Berechnen und Entwerfen von Lüftungs- und Heizungsanlagen (ebd. 1893); Baukunde des Architekten, Bd. 1, Tl. 2 (ebd. 1890); Häsecke, Die Schulheizung (ebd. 1893).

Heizungs- und Lüftungsanlagen, ein Posten des Bauanschlags (s. d.). Die erstern (über das Konstruktive s. Heizung) gliedern sich in die eigentlichen Ofenarbeiten und Central- oder Sammelheizungsanlagen. Gewöhnliche Ofen und Kochherde sind stückweise, einschließlich der erforderlichen Eisenteile, des Bedarfs an Ziegeln, Dachsteinen, Lehm u. dgl. zu veranschlagen. Die Centralheizungsanlagen dagegen sind nach der Anweisung vom 7. Mai 1884 («Centralblatt der Bauverwaltung», 1884, S. 257) durch Zeichnung und Beschreibung genau zu erläutern, wobei zum Ausdruck gebracht sein soll, welches System der Heizung einschließlich der zugehörigen Lüftung in dem Gebäude zur Anwendung gelangen soll und wie das fragliche System im einzelnen gedacht ist; insbesondere, wo dessen Heizstellen Platz finden werden, wie die frische Luft zu- und die verbrauchte Luft abzuführen sein wird, welche und wie große Kanäle nach überschläglicher Berechnung etwa in den Mauern vorzusehen sind, wo die Heizkörper in den einzelnen Räumen ihre Stelle erhalten sollen u. s. w. Ferner sind durch überschlägliche Berechnungen die Kosten zu ermitteln, wobei es genügt, wenn man für die Heizanlage selbst einen Preis für je 100 cbm aller zu beheizenden Räume einschließlich der meist nur auf eine niedere Temperatur zu erwärmenden Korridore, Flure u. s. w. zu Grunde legt, die in Frage kommenden Maurerarbeiten aber, soweit es sich um Einmauerung von Kesseln oder sonstigen Heizapparaten handelt, durch einzelne Pauschsummen normiert, während etwaige Cement- und ähnliche Arbeiten, Schlote u. s. w. bei den Maurerarbeiten nach Arbeitslohn und Material getrennt veranschlagt werden.

Nach dem Baugewerkskalender 1893 betragen die Kosten für Kachelöfen und Herde:

1) 1 Ofen, 2 ½ Kacheln tief und 3 ½ Kacheln breit,M.
__9 Schichten hoch mit Sockelgesims, Friesgesims,
__luftdichter Heiz- und messingener Vorthür,
__Rauchrohr weiß (3. Qualität), inkl. Lieferung
__aller Materialien105,00
2) ½ Kachel breiter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . mehr6,00
3) 1 Schicht höher . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . mehr6,00
4) 1 Ofen, 2 ½ Kacheln tief und 3 ½ Kacheln breit,
__9 Schichten hoch mit Sockelgesims, Medaillon,
__Friesgesimsaufsatz weiß (2. Qualität), luft-
__dichter Heiz- und messingener Vorthür, inkl.
__Lieferung aller Materialien120,00
5) ½ Kachel breiter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . mehr7,50
6) 1 Schicht höher . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . mehr7,50
7) 1 Ofen wie Pos. 4 weiß von 1. Qualität130,00
8) ½ Kachel breiter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . mehr7,50
9) 1 Schicht höher . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . mehr10,00
10) 1 Wärmröhre mit starker messingener Vor-
__thür . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . mehr7,50
11) 1 Heizkasten aus Chamotteplatten6,00
12) 1 gußeiserner Heizkasten____30–60,00
13) Für Anlegen einer Rostfeuerung, inkl. Roste
__und luftdichter Aschthür10,00

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 1015.