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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hellia - Hellot
seits; letzteres hat die Form eines gelblichen Pul-
vers. Das fertige H. ist eine dunkelrote sirupartige
Flüssigkeit vom spec. Gewicht 1,4, welche zum Ge-
brauch in Patronenhülsen von Glas oder Pappe
abgefüllt wird, auch verwendet man mit H. getränk-
tes Kieselgur in Metallhülsen. Die Entzündung
erfolgt durch Zündschnur und Zündhütchen. Im
Feuer verbrennt H. ohne zu verpuffen. Die Wirkung
von H. kommt derjenigen von Dynamit mindestens
gleich; Gestein und Kohle werden durch H. in großen
Stücken abgetrennt, nicht wie bei Dynamit zer-
malmt. Auch freiliegend ist seine Wirkung erheb-
lich. Hellhoff und Gruson konstruierten auf H. ge-
gründete Hohlgeschosse mit mehrern Abteilungen
für besondere Sprengstoffe (patentiert im Deutschen
Reich); die Versuche wurden aber wieder eingestellt.
Hellla, Göttin der Unterwelt, s. Hel.
Helligkeit der Farben, s. Farbenlehre. -
Über H. bei natürlicher Beleuchtung von Wohn-
und Arbeitsräumen, Schulen u.s. w. s. Beleuchtung
(Bd. 2, S. 6611) und S. 6633.).
Hellin (spr. elljihn), Bezirkshauptstadt in der
span. Provinz Albacete (Murcia), an der Linie Alba-
cete-Cartagena, ist gut gebaut, hat (1887) 13 679 E.,
Reste eines röm. Kastells, eine schöne Kirche und
Raffinerien des aus den 18 km entfernten Minen
gewonnenen Schwefels,Fabrikation von Thonwaren,
Leinen, Leder und Öl.
Helling, Hälbling, d. i. halber Pfennig, kleine
hohl geprägte Scheidemünze der lübifchen Währung,
gleichbedeutend mit Scherf (s. d.). Unter Hälbling
versteht man auch halbierte Hohlpfennige, deren
Hälften mangels kleinerer besonderer Münzstücke
als halbe Pfennige umliefen.
Helling (Holland.), auf einer Schiffswerft die
geneigte, entweder mit Mauerwerk oder Holzbohlen
belegte Ebene, auf der man schiffe baut. Sie mündet
mit ihrem untern Ende in tiefes Wasser des Hafens,
Flusses u. s. w., damit die von ihr ablaufenden
Schiffe sofort schwimmen. Das Schiff ruht nicht
mit feinem Kiel unmittelbar auf der Sohle der H.,
sondern auf den hölzernen Stapelklötzen (f. Stapel).
Während des Baues wird das Schiff feitlich durch
eine Zahl Balken abgestützt. Beim Ablauf erbaut
man in der ganzen Länge des Schiffs und zu beiden
Seiten desselben eine Balkenverbindung, das Ab-
laufaerüst. Auf ihm ruht der Schlitten; der-
selbe besteht unten aus einer doppelten Balkenlage,
den Läufern, und ist oben der Form des Schiffs
angepaßt. Die obere Fläche des Ablaufgerüstes
und die untere der auf ihm ruhenden Läufer werden
mit grüner Seife und Fett geschmiert und dann
zwischen die beiden Läuferbalken Hunderte von
Keilen gleichzeitig getrieben, sodaß man die obern
Teile der Stapelklötze und die Stützen wegnehmen
kann; das jetzt nur vom Schlitten getragene Schiff
setzt sich nach Löfung der Befestigung des Schlittens
mit dem Ablausgerüst in Bewegung und gleitet auf
dem Ablaufgerüst zu Wasser. Früher wand man
die Schiffe auch auf die H., um sie zu reparieren.
Dies war nicht nur eine sehr schwere Arbeit, sondern
griff die Schiffe auch sehr an. Jetzt führt man des-
halb die Reparaturen im Dock (s. d.) aus.
Helljäger, s. Wilde Jagd.
Helllichtmalerei, soviel wie Hellmalerei (s. d.).
neuern Malerei, die im Gegensatz zu der seit der
Renaissance angewendeten, vorwiegend in geschlosse-
nen Räumen herrschenden, bräunlichen Farben-
mischung in den Bildern jene Töne aufsucht, welche
die Natur im Freien bietet (daher ?1siii kir), die
also ihre Bilder im Sonnenlicht nach dem Sonnen-
licht herstellt, um somit eine erhöhte Wahrheit-
lichkeit in der Farbe zu erlangen. Sie stellte sich
mit schärfster Konsequenz gegen das "saucige" Hell-
dunkel (s. d.) der ältern Kunst, dem sie konventionelle
Unwahrheit vorwarf. Als Vorläufer dieser Kunst
kann man die späten Venetianer, Canaletto, Tie-
polo u. a., sowie einige Holländer, namentlich van
der Hooghe, ferner die Engländer Constable und
Turner betrachten. Auch die Malerschule von Bar-
bizon mit ihrem Streben, das Zwielicht koloristifch
richtiger darzustellen, bereitete die H. vor. Der Fran-
zose Bastien-Lepage trat 1874 zuerst mit der entschie-
denen Forderung unbedingter Naturwahrheit (8in-
cerite) im Tone auf. Durch Manet wurde die For-
derung hinzugefügt, die Dinge nicht zu malen, wie
sie bei genauer Betrachtung erscheinen, sondern nach
dem Eindruck, den sie unter den für das Bild gelten-
den Umständen machen (Impressionismus).
Diese Richtung fand Vertreter in Renoir, Gerver,
Lhermitte, Monet, Pissaro, Voudin, Morisot; der
Belgier Stevens, der Holländer Israels, die Ita-
liener de Nittis, Boldini, die Deutschen von Uhde,
Liebermann, Kühl, Firle, Voltz, Scarbina, die Ameri-
kaner Sargent, Harrison, Dannat, die Skandinavier
Krogh, Zorn, Thaulow u. s. w. gehören dieser Rich-
tung an, der hinsichtlich der Farbengebung durch
Adolf Menzel schon vorgearbeitet worden war. Der
Erfolg der Richtung äußert sich schon heute dahin,
daß fast die ganze moderne Malerei sich von dem
tiefen Atelierton der ältern Schule losgetrennt hat.
Diefelbe Wirkung hatten die Präraffaeliten (s. d.)
in England fckon früher erreicht, ebenfo wie die
span. Maler (Madrazo, Pradilla), deren Auftreten
auf der Internationalen Ausstellung zu München
1883 von großer Bedeutung für den Sieg der H.
in Deutschland war. Der Hohn und die erbitterten
Angriffe, welche von der ältern Schule gegen die H.
gerichtet wurden, beginnen einer gerechtern Beurtei-
lung ihrer Bedeutung zu weichen, während die H.
selbst sich, namentlich angeregt durch den Amerikaner
Whistler und durch die schott. Maler der Schule
von Glasgow, mehr und mehr von der einseitigen
Bevorzugung des Weihlichblauen Sonnenlichts der
Tieftonmalerei zuwendet und die Farbe im Halbton
festzuhalten bestrebt ist. - Vgl. Duret, 1^68 p6inti-63
impr688i0ni8t6L (Par. 1878); Muther, Geschichte
der Malerei im 19. Jahrh. (Münch. 1893).
Hellmesberger, Georg, Violinlehrer und Kom-
ponist, geb. 24. April 1800 zu Wien, besuchte das
Konservatorium daselbst und wurde 1829 Dirigent
der Hofoper, 1830 Mitglied der Hofkapelle. Er
wurde 1867 pensioniert und starb 16. Aug. 1873
zu Neuwaldegg bei Wien. Zu seinen Schülern ge-
hören H. Ernst und I. Joachim. Als Komponist
wurde er durch Konzerte, Quartette u. s. w. bekannt.
Sein Sohn, Joseph H., geb. 3. Nov. 1829 in
Wien, wurde 1851 artistischer Direktor der Gesell-
schaft der Musikfreunde, 1859 Violinprofessor und
Direktor des Konfervatoriums, das er seit 1877
mit dem Titel und den Funktionen eines Hofkapell-
meisters bis 1892 leitete. Großen Ruf hatten die
von ihm feit 1849 geleiteten Streichquartette.
Hellot (fpr. elloh), Jean, franz. Chemiker, geb.
1685 zu Paris, wo er 1766 starb, wurde durch
Geoffroy zu chem. Studien veranlaßt, war 1718-32
Redacteur der "(^3,26tt6 äs ^rauce" und wurde