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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Helvetische Konfession - Helvius Cinna

quanern geschieden. Die Absicht, ihr Land, das sie in 12 Städten und 400 Dörfern bewohnten, zu verlassen und sich im südwestl. Gallien ein ergiebigeres Gebiet zu erobern, wurde in ihnen 60 v. Chr. durch Orgetorix, einen ihrer Edeln, rege gemacht, aber durch Julius Cäsars Sieg bei Bibracte (Mont-Beuvray in Burgund) 58 v. Chr. vereitelt. Nach ihrer Unterwerfung unter die Römer gehörten sie mit dem Privilegium eines verbündeten Volks zu dem röm. Gallien. Als sie 69 n. Chr. die Herrschaft des Prätendenten Vitellius nicht anerkennen wollten, wurden sie von dessen Unterfeldherrn Cäcina auf dem Bözberge bei dem heutigen Baden (im Aargau) in einer blutigen Schlacht überwunden und erhielten erst nach schwerer Heimsuchung die Verzeihung des Siegers. Röm. Wesen und Leben, von dem zahlreiche, allerorten aufgefundene Altertümer zeugen, fanden bei den H. eine Stätte, namentlich seitdem 43 v. Chr. durch L. Munatius Plancus die militärisch wichtige Colonia Raurica, später Augusta Rauricorum (Augst bei Basel), gegründet worden, an den Hauptorten Aventicum (Avenches-Wifflisburg), der Hauptstadt Vindonissa (Windisch im Aargau), Noviodunum (Colonia Julia equestris, Nyon am Genfersee), Viviscum (Vevay), Eburodunum (Yverdun), Salodurum (Solothurn). 260 n. Chr. beginnen die Einfälle der Alamannen (s. d.) in diesen Teil des Römischen Reichs, die zu Anfang des 5. Jahrh. mit der Einnahme des größten Teils des Landes endigten. Den südwestl. Teil am Jura trat 443 der röm. Feldherr Aëtius an die Burgunder ab, die sich später von da östlich bis zur Reuß ausdehnten. (S. Schweiz.) – Vgl. Th. Mommsen, Die Schweiz in röm. Zeit (Zür. 1854).

Helvētische Konfession, s. Reformierte Kirche.

Helvētische Konsensusformel (lat. Formula Consensus Helvetica), die letzte Bekenntnisschrift der reform. Kirche, s. Consensus.

Helvētische Republik, Name des nach der Eroberung der Schweiz durch Frankreich 11. April 1798 auf schweiz. Boden errichteten Staates, der, in Abhängigkeit von Frankreich, bis 8. Sept. 1814 (Tagsatzung von Zürich) bestand.

Helvētisches Kollegium, ein vom Kardinal-Erzbischof Carlo Borromeo (s. d.) 1579 zu Mailand zum Zweck der Ausbildung kath. Geistlicher für die Schweiz begründetes Priesterseminar.

Helvētische Wüste, s. Üchtland.

Helvétius (spr. elweßĭüß), Claude Adrien, franz. Philosoph, geb. 1715 zu Paris, war für das Finanzfach bestimmt und wurde nach beendigten Studien zu seinem Oheim geschickt, um sich praktisch in diesem Fache auszubilden. Schon im 23. Jahre erhielt er eine Generalpächterstelle, die er jedoch wieder aufgab und gegen ein Hofamt bei der Königin vertauschte. Seit seiner Vermählung mit der Tochter des Grafen Ligniville 1751 lebte er den größten Teil des Jahres aus seinem Landgute Voré, wo er sich schriftstellerischen Arbeiten widmete. 1758 gab er sein berühmtes Werk «De l’esprit» heraus, worin er alle Thätigkeiten des menschlichen Geistes aus dem Gefühls- oder Auffassungsvermögen (sensibilité) ableitet und den Beweis zu führen sucht, daß der Hebel aller menschlichen Thätigkeit die Selbstliebe (l’intérêt) sei, die Tugend aber nur in der Übereinstimmung der eigenen Befriedigung mit dem allgemeinen Wohlsein bestehe. Seine Angriffe auf das Bestehende in Religion und Politik zogen dem Werke und seinem Verfasser Verfolgung zu. Das Buch wurde 1759 auf Befehl des Parlaments öffentlich verbrannt, und H. mußte einen förmlichen Widerruf leisten. Erbittert hierüber machte er 1764 eine Reise nach England und ging im Jahre darauf nach Deutschland. In Potsdam nahm ihn Friedrich Ⅱ. mit Auszeichnung auf, obschon ihm seine wissenschaftlichen Ansichten nicht zusagten. Nach seiner Rückkehr lebte er zu Paris, wo er 26. Dez. 1771 starb. Nach seinem Tode gab der Fürst Golizin von ihm noch das Werk «De l’homme, de ses facultés intellectuelles et de son éducation» (2 Bde., Lond. 1772 u. ö.; deutsch von Lindner, Wien 1876) heraus, worin H. die Gedanken seines Buchs «De l’esprit» weiter ausgeführt hatte. Eine Gesamtausgabe seiner Werke erschien in 5 Bänden (Par. 1795). – Vgl. Mostratos, Die Pädagogik des H. (Dissertation, Berl. 1891). ^[Spaltenwechsel]

Helvig, Amalie von (häufig unrichtig Hellvig oder Hellwig geschrieben), geborene Freiin von Imhoff, Dichterin, geb. 16. Aug. 1776 zu Weimar, genoß auf dem väterlichen Gute Mörlach bei Nürnberg, später in Erlangen eine sorgfältige Erziehung. Nach dem Tode ihres Vaters lebte sie seit 1790 mit der Mutter in Weimar. 1800 wurde sie zur Hofdame der Herzogin Amalie in Weimar ernannt und lernte hier 1802 ihren nachherigen Gemahl, den schwed. Offizier Karl Gottfried von H. kennen, dem sie 1803 nach Stockholm folgte; als Pommern 1810 von Schweden an Preußen abgetreten wurde, trat er als Generalmajor in preuß. Dienste. Nach ihrer Rückkehr ins Vaterland lebte sie in Heidelberg, dann in Dresden, zuletzt in Berlin, wo sie 17. Dez. 1831 starb. Mehrere ihrer Dichtungen wurden von Schiller in den «Musenalmanach» und das größere Gedicht «Abdallah und Balsora» in die «Horen» aufgenommen. Von Goethe und durch Voß’ «Luise» über das Wesen des Hexameters unterrichtet, schrieb sie das epische Gedicht «Die Schwestern von Lesbos» (zuerst in Schillers «Musenalmanach für 1800», dann Heidelb. 1801, neu hg. von Mendheim in Bd. 3 von «Lyriker und Epiker der klassischen Periode» in Kürschners «Deutscher Nationallitteratur»); ferner das Gedicht «Die Schwestern von Korcyra» (Amsterd. und Lpz. 1812), «Die Tageszeiten» (Amsterd. 1812), «Die Sage vom Wolfsbrunnen» (Heidelb. 1821), «Helene von Tournon» (Berl. 1824), gab mit Fouqués Gattin das «Taschenbuch der Sagen und Legenden» heraus (ebd. 1812‒13) und lieferte eine Übersetzung von Tegnérs «Fridthiofssaga» (Stuttg. 1826; neue Aufl. 1879). – Vgl. H. von Bissing, Das Leben der Dichterin Amalie von H. (Berl. 1889).

Helvĭus Cinna, Gaius, röm. Dichter, Freund und vielleicht Landsmann des Catullus, mit dem er im Gefolge des Prätors Memmius nach Bithynien ging. Er war wahrscheinlich «Cinna der Poet», der bei Cäsars Leichenfeier als Volkstribun irrtümlicherweise von der empörten Volksmenge erschlagen wurde. H. C. schrieb ein Reisehandbuch («Proempticon») in Hexametern zum Gebrauche des jungen Asinius Pollio, worin er die Fahrt von Brundisium nach Griechenland mit Aufwand von Gelehrsamkeit schilderte. Sein Hauptwerk jedoch war das mit mytholog. Anspielungen überladene Gedicht «Smyrna», an dem er neun Jahre lang feilte. Es behandelte die unnatürliche Liebe der cyprischen Königstochter Smyrna (Myrrha) zu ihrem Vater Kinyras. Die Reste von Cinnas Gedichten gab zuletzt Bährens (in den «Fragmenta poetarum romanorum», Lpz. 1886) heraus. – Vgl. Kießling, De C.