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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Helvoet; Helwân; Hely-Hutchinson, John; Helye; Hemans; Hemau; Hemd

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Helvoet - Hemd (Kleidungsstück)

Helvio Cinna poeta (in den «Commentationes Mommsenianae», Berl. 1877).

Helvoet (spr. -fut), s. Hellevoetsluis.

Helwân, Badeort bei Kairo, s. Heluan.

Helye (Helyas), erster schweiz. Buchdrucker, geb. im Anfang des 15. Jahrh., stammte aus dem alten adligen Geschlecht der von Laufen, war Chorherr der Kirche von Beromünster im Aargau (jetzt Münster im Kanton Luzern). Die Buchdruckerkunst hat er wahrscheinlich zu Basel kennen gelernt, wo er sich öfters,u. a. auch 1466 längere Zeit, in Amtsgeschäften aufhielt. Sein erster Druck (vom 10. Nov. 1470) war der «Mammotrectus super Bibliam» des Joh. Marchesinus von Reggio, ein biblisches Real-Wörterbuch. Der vom gleichen Tage datierte Druck desselben Buches von Pet. Schöffer in Mainz wird jetzt mit Recht als Nachdruck angesehen. Zwei Jahre später folgte in Antiquatype das «Speculum vitae humanae», und 1473 eine 2. Ausgabe desselben; außerdem giebt es von ihm zwei undatierte Drucke wohl aus gleicher Zeit. H. starb 20. März 1475. – Vgl. Äbi, Die Buchdruckerei zu Beromünster (Einsiedeln 1870).

Hely-Hutchinson, John, s. Hutchinson, John.

Hemans (spr. hemmĕns oder hihmĕns), Felicia Dorothea, geborene Browne, engl. Dichterin, geb. 25. Sept. 1794 zu Liverpool. Die romantische Umgebung von Gwryrch in Nordwales, wo die Familie später in stiller Abgeschiedenheit lebte, und die brit. Heldenthaten im Kriege auf der Pyrenäischen Halbinsel weckten ihr poet. Talent. Sie heiratete den Kapitän H., von dem sie sich aber, nachdem sie Mutter von fünf Söhnen geworden, trennte. Sie starb 12. Mai 1835 auf dem Landgute Redesdale bei Dublin. 1812 gab sie «Domestic affections», lyrische Poesien, heraus. Ihr größeres Gedicht «The restoration of the works of art in Italy» (1816) und «The modern Greece» (1817) gewannen den Beifall Byrons. Ihre «Tales and historic scenes in verses» (1819) enthalten treffliche Balladen. Mit dem Wettgesange «Dartmoor» trug sie den von der Royal Society of Literature 1821 ausgesetzten Preis davon. In «Forest sanctuary» (1825; deutsch von Freiligrath, Stuttg. 1871) verherrlicht sie das prot. Märtyrertum. Als Frucht ihres Studiums der span. Sprache und Litteratur erschien «Siege of Valencia, the last Constantine, and other poems» (1823), während man ihrer Vorliebe für die deutsche Litteratur «Songs of Cid» und «The lays of many lands» verdankt. Th. Körners Dichterleben und Heldentod feierte sie in «Koerner and his sister». Religiös sind «Songs of the affections» (1830), «Scenes and hymns of life, and other religious poems» (1834), «Hymns on the works of nature» (1833) und «Hymns for childhood» (1834). In den «Records of women» (1828) schilderte sie weibliche Charaktere und wob persönliche Schicksale mit ein. Die beste Ausgabe ihrer Gedichte ist die von Rossetti (Lond. 1873). Eine Übersetzung ihrer Gedichte in Auswahl gaben Schlüter und Jüngst (Münst. 1877). – Vgl. Chorley, Memorials of Mrs. H. (2 Bde., 1836).

Hemau, Stadt im Bezirksamt Parsberg des bayr. Reg.-Bez. Oberpfalz, 24 km im NW. von Regensburg, im Fränkischen Jura, in 508 m Höhe, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Regensburg), hat (1890) 1652 E., darunter 26 Evangelische; Postexpedition, Telegraph, ein Schloß, eine große Wasserleitung und Brauereien.

Hemd (althochdeutsch hemidi, von hamo, Hülle, Kleid), ursprünglich Bezeichnung für Bekleidung überhaupt, dann insbesondere für ein weites, meist vorn teilweise offenes Kleid, wie Panzer-, Chor-, Fuhrmannshemd u. dgl. Jetzt versteht man unter H. im engern Sinne eine weite, meist unmittelbar auf dem Leib getragene Bekleidung, zu deren Herstellung besonders Leinen, Baumwolle, Shirting, Dowlas, das meist von Elsässer Fabriken hergestellte sog. Hemdentuch, Wolle, z. B. Flanell, und zuweilen auch Seide dient. Die Anfertigung der H. erfolgt jetzt fast allgemein im Wege der Großindustrie mit Hilfe der Doppelsteppstich-Nähmaschine, z. B. der Maschine von Wheeler & Wilson (s. Nähmaschine). Hauptfabrikationsort für H. ist in Deutschland Bielefeld. Die feinern Männerhemden (Oberhemden) haben auf der Brust gewöhnlich einen Einsatz aus besserm Leinen, der entweder schlicht oder mit Falten oder Stickerei versehen ist. Hauptbezugsquelle für die gestickten Einsätze ist Plauen im Vogtlande. Der Rumpfteil der Oberhemden wird aus dem Vorder- und Rückenteil zusammengesetzt. In dem Vorderteil wird zuerst der Einsatz eingesteppt; dann werden die beiden Teile mittels der sog. Passen, welche die Schulter- oder Nackenstücke bilden, verbunden. Die Ärmel erhalten meist einen keilförmigen Längseinsatz (Spiele oder Zwickel) und werden an ihrem untern Ende mit einem Bändchen oder Queder, seltener mit einer Manschette versehen. Auch die Kragen werden jetzt seltener direkt an den Halsteil der Oberhemden genäht. Frauenhemden erhalten kurze Ärmel und werden oft in reichster Weise mit Stickereien verziert.

Hemdförmige Kleider kommen bereits bei den vornehmen Ägyptern des Altertums vor, und zwar sowohl bei den Männern wie Frauen; bei den vorderasiat. Völkern, namentlich den Chaldäern und Assyrern, waren sie schon früh das eigentliche Nationalkleid. Auch die Perser, Hebräer, Kleinasiaten u. s. w. trugen ähnliche Gewänder. Desgleichen erscheinen die Unterkleider der Griechen, Etrusker und Römer hemdartig, so das ungenähte H. in Trier, dessen Ausstellung Veranlassung zu der deutschkath. Bewegung in den vierziger Jahren gab; ähnliche sind in den letzten Jahren in kopt. Gräbern in Ägypten, die etwa dem 5. Jahrh. angehören, entnommen worden und auch in eine Anzahl deutscher Museen gelangt. Im 11. Jahrh. war bei den Kulturvölkern des mittlern Europa das H. wie die Hose bei dem vornehmern Manne vom Anstand durchaus geboten; das niedere Volk trug nur einen kurzen Rock ohne H., mit oder ohne Beinbekleidung. Im 12. Jahrh. erscheint es als vornehmstes Unterkleid, gewöhnlich von Leinwand, aber auch von Seide, nach Art der Tunika vorn geschlossen und kurzärmelig. Doch wurde das H. bis in das 16. Jahrh. nur bei Tage getragen und scheint auch da nicht einmal immer vorhanden gewesen zu sein, wie eine Erzählung in von der Hagens «Gesamtabenteuer» beweist. Aus der sittenlosern Zeit des 13. Jahrh. wird erzählt, der Stoff sei so dünn gewesen, daß man das Weiße der Haut habe hindurchscheinen sehen. Schon damals war es mit Gold- und Perlenstickereien versehen. Indessen übernimmt es auch die Rolle des Rocks, der auch durch den Ausdruck H. bezeichnet wird. Im 16. Jahrh. wächst das H. gegen den Hals herauf und umgiebt ihn mit einem kleinen Kragen. Der obere Rand wurde durch einen breiten, in Gold, Silber und Seide gestickten Saum gebildet; Damen schenkten solche kostbare Arbeiten an Freunde und Verwandte. In den Luxusgesetzen