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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Herat-rûd - Hérault de Séchelles
durch Afghanistan nach Indien führt, und besitzt
infolge ihrer Lage an der Grenze pers., rufs. und
afghan. Gebietes hohe strategifche Bedeutung. Als
Mittelpunkt des Karawanenhandels und als Stapel-
platz war H. von jeher allen Eroberern, die von
Westasien nach Indien vordrangen, ein unentbehr-
licher Stützpunkt. So erklären sich die wiederholten,
von den Russen unterstützten Bemühungen der Per-
ser, die Stadt in ihre Gewalt zu bringen, während
die Engländer dem entgegenarbeiten.
Angeblich von Alexander d. Gr. gegründet, wurde
H.bei der Eroberung Persiens durch die arab.Chalifen
in der Mitte des 7. Jahrh, nebst ganz Chorafsan
unterworfen. Nach mancherlei Schicksalen unter den
Samaniden (10. Jahrh.), Ghasnewiden, Seldschuken
(11. Jahrh.), Ghüriden (12. Jahrh.) und Mongolen
siel die Stadt 1381 in die Hände Timurs, unter
dessen Nachfolgern sie sich zum Sitz der pers. Lit-
teratur und Wissenschaft erhob. In den Wirren
nach dem Tode des Timuriden Hussein bemächtigte
sich H.s der Usbeke Schaibeg, dessen grausame
Herrschaft den Glanz der Stadt vernichtete. Er
wurde 1510 von Ismael Sufi gestürzt, und nun-
mehr blieb H. bei Persien, bis es 1749 von den
Afghanen unterworfen wurde. In den Bruderkrie-
gen der afgban. Dynastie der Durrani behauptete
sich Timur-Schahs dritter Sohn, Mahmud, in H.,
wo er ein eigenes Reich gründete und 1829 starb.
Hierauf übernahm dessen <^ohn Kamrän-Echah die
Regierung, und H. bewahrte noch eine Zeit lang
seine Unabhängigkeit, bis es 1863 von den Afghanen
aenommen wurde. (S. Afghanistan, Bd. 1, S. 172 a).
Herat-rüd, Fluß, f. Herirud.
Herauch, soviel wie Höhenrauch ss. d.).
Heraud (fpr. hörroh), John Abraham, engl.
Dichter und Kritiker, geb. 5. Juli 1799 zu London,
schrieb seit 1818 für verschiedene Zeitschriften, so für
die "HuÄrteri^ Kcvie^", "I^i-a86i'8 N^a^iiiE", für
das "^t1i6na6uin" u. a. 1820 veröffentlichte er ein
beschreibendes Gedicht "'lottcmkaui" und die Poet.
Erzählung "1^6 i6Z6nä 0k 8t. I.07" (1821), später
seine umfangreichsten, wennschon dem herrschenden
Zeitgeschmack wenig entsprechenden epischen Ver-
suche: "1k6 decent into kell" (1830) und "^k6
^iä^m6nt of tks üooä" (1834). Auch schrieb H. eine
Anzahl von Dramen, darunter die 1854 aufgeführte
Tragödie "Viäena.", "^Vils or 110 ^vits", "^Fnolo
Dioi'3.", "^IIi6 Iloman drotker" und "ßaivHtor/ or
tli6 pool MHN 0k ^3.^)168". 1870 gab er u. d. T.
"'Iks In-Mtkei-inF" eine Sammlung kleinerer Ge-
dichte heraus; 1871 die den Deutsch-Französischen
Krieg behandelnde Dichtung "1k6 ^ar c>f ide^L".
Außerdem erschienen die histor.-psychol. Studien
"II16 1ik6 anä tim68 0k (^iroiHmo ^avonarola" und
"skake^ß^i-O; K13 inii6r lile, 3.3 intimatsä in K18
^c"!-k8" (1865). H. versuchte sich auch auf dem Ge-
biete des Romans in "Hxiiial, an antique 1ov6
Ltor^" (1877), "Miic^6 (16 I^solispart, kli kiLto-
ii(,^1 r0M3.nc6" (1877) und "II16 8^di1 amoiiF tks
toinl)8" (1886). H. starb 20. April 1887 in London.
Herault (fpr. eroh), Küstenfluß Südfrankreichs,
^'.^MiMt am Berge L'Aigoual in den Cevennen,
durchstießt das Departement H. und mündet 5 km
unterhalb Agde, 197 km lang, in das Mittelmeer.
Herault (spr. eroh), Departement in Südfrank-
reich, wird begrenzt von den Departements Avey-
ron (N.), Gard (O.), Aude und Tarn (SW. und W.)
und dem Mittelländischen Meer (SO.), hat 6197,99,
nach Berechnung des Kriegsministeriums 6223 ^km
und (1891) 461651 E., d. i. 74 auf 1 hkm und eine
Zunahme von 5,i5 Proz. gegen 1886. H. zerfällt
in die 4 Arrondissements Beziers, Lodöve, Mont-
pellier und St. Pons mit 36 Kantonen und 338
Gemeinden und bildet die Diöcese des Bischofs der
Hauptstadt Montpellier. H. besteht ungefähr zum
dritten Teil aus Hochland, das von den südwestl.
Verlängerungen der Cevennen (s. d.), deren unbe-
waldeten Vorstufen und bis in die Nähe des Meers
tretenden Ausläufern gebildet wird. Die höchsten
Erhebungen finden sich in den Monts de l'Espinouse.
Die Abdachung ist gegen Südosten gerichtet, wo sich
weite Ebenen und einige Moräste ausbreiten. Nur
kleine Flüsse durchziehen das Land, wie H. (197 km),
Vidourle (100 km an der Oftgrenze), Lez, Orb
(145 km) u. a. An der Küste findet sich auf einer
Strecke von 60 km eine Reihe von Lagunen, von
Etangs oder Strandseen, welche mittels Passagen,
Graus genannt, mit dem Meere in Verbindung
stehen und viel Salz (1886: 56144 t) liefern. In
der Nähe von Capestang erhebt sich der Malpas,
welchen der Canal du Midi in einem Tunnel durch-
setzt. Die übrigen Kanäle an der Küste, welche
die Etangs und benachbarten Städte verbinden,
haben eine Gesamtlänge von 120 km. In den
Thälern und noch am Fuße der Berge gestattet die
Milde des Klimas den Anbau des Mandel- und
Olivenbaums; Feigen-, Maulbeer-und andere Obst-
bäume kommen fast überall fort. Die Weinberge
dedecken (1891) 154243 Ka und liefern 5201564, im
Durchschnitt (1818-90) 3504508 kl Wein, mehr
als irgend ein anderes Departement des Landes.
Die geschätztesten Sorten sind Lunel und Fron-
tignan. Der Ertrag an Getreide ist nur gering:
1891 wurden auf 15350 kH 179475 Kl Weizen und
auf 4200 ka 33600 KI Roggen, außerdem auch
Gerste, Hafer, Buchweizen und Krapp gebaut. Der
Waldbestand belief sich 1888 auf 17345 Ka. Von
Wichtigkeit ist die Kultur des Olbaums, auch die
Schaf- (1887: 367300 Stück) und Seidenzucht
(1892: 191109 k^). Man gewinnt 100000 kl
Oliven und daraus 950000 K3 Öl und 10200 KZ
Honig. Das Mineralreich liefert Eisen, Stein-
kohlen (1888: 228704 t), Marmor und Lignite, die
unter dem Namen versteinerte Asche (c6när68 los-
Liis) zur Verbesserung des Bodens verwendet wer-
den. Austernfischerei und Seesalzbereitung, Brannt-
wein-, Tuch-, Seife-, Licht-, Lederfabrikation sind
außerdem wichtige Erwerbszwelge. Handelsplätze
sind Montpellier und Cette, Wzicrs, Agde, Lodöve
und Pözenas. Das Departement besitzt als Ver-
kehrswege 358 kni Nationalstrahen, 4 schiffbare
Flüsse, 349 km Bahnlinien. - Vgl. Brieu, HiZtoire
äu äkpartement äs 1'H. (1861); Fabre, I^'Höi'Huit
(1877-78); Ioanne, (^eoFi-aMe äs 1'll. (1881).
Herault (spr. eroh), latinisiert Heraldus,
Didier, franz. Rechtsgelehrter und Philolog, geb.
um 1580, wurde schon 1599 Professor der grlech.
Sprache in Sedan, aber als Protestant in religiöse
Händel verwickelt und gezwungen, seine Stelle auf-
zugeben. Er ging nach Paris, wo er 1611 Parla-
mentsadvokat wurde und im Juni 1649 starb. H.
gab Anmerkungen zu Martialis und ^Hriften von
Miuncius Felix, Tertullian und Arnobius heraus
und fchrieb: <cl^6i-uui ^äicHwrum lidri II" (Par.
1640), "OI)80i'VHtioii63 aä ^118 ^tticuiii 6t Noma.-
nun!" (ebd. 1650).
Herault de Söchelles (spr. croh de ßeschM),
Marie Jean, Mitglied des franz. Nationalkonvents,