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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Herberger - Herbette
meiden wollen. In kleinern Orten sind mit den
H. 3- H. hänsig Naturalverpstegungsstationen als
Etappen zu den Arbeiterkolonien (s. d. und Verpfle-
gungsstationen) verbunden. - Vgl. I. H. Wichern,
Notstände der prot. Kirche und die Innere Mission
(Hamb. 1844)- Clem. Perthcs, Das Herbergswesen
der Handwerksgesellen (Gotha 1856; 2. Anfl. 1883);
Angener, Die H. z. H. und die Vereinshäuser (Vieles.
1869); Rathmann, Die H. z. H. (Hamb. 1876); Die
H. z. H. Denkschrift des Ccntralausschusses für In-
nere Mission (Berl. 1882).
Herberger, Valerius, ascetischer prot. Schrift-
steller, geb. 21. April 1562 in Fraustadt in Groß-
polen, wurde in seiner Vaterstadt 1584 Schullehrer,
1590 Diakonus, 1598 Pfarrer an der evang. Kirche
und starb 18. Mai 1627. H. war während der Gegen-
reformation (s. d.) eine starke Stütze seiner bedrängten
Gemeinde. Von seinen Schriften sind zu nennen:
"Die evang. Herzpostille" (neu hg. von Bachmann,
Verl. 1853), "Die epistolische Herzpostille" (neu hg.,
ebd. 1852), "32 Leichenpredigten, genannt Trauer-
binden" (neu hg. von Ledderhose, Halle 1854), "97
Predigten über Syrach" (Lpz. 1698; Hof 1738). Als
1613 die Pest in Fraustadt wütete, dichtete H. das
Kirchenlied: "Valet will ich dir geben, du arge, falsche
Welt". - Vgl. G. Pfeiffer, Das Leben des Vale-
rius H. (Eisled. 1877); Henfchel, V. H. (Halle 1889).
Herbergsrecht, in Bayern (Roth, Vayr. Civil-
recht §. 120, Note 37) vorkommendes Recht an Tei-
len eines Hauses (Herbergen), welche selbständig
besessen, veräußert, verpfändet und vererbt werden.
(S. Supersizies.)
Herberstein, Sigism., Freiherr von, Staats-
mann und Geschichtschreiber, geb. 23. Aug. 1486
zu Wippach in Kram, studierte in Wien die Rechte,
trat aber nachher in das Heer und focht mit Aus-
zeichnung in dem Kriege gegen die Türken. Der
Kaiser ernannte ihn zum Befehlshaber der Reiterei
von Kram, erteilte ihm die Würde eines Hofrats
und gebrauchte ihn zu mehrern wichtigen Sendun-
gen, namentlich auch 1526 nach Ruhland. Später
wurde H. Geheimrat und Präsident des Finanz-
kollegiums, zog sich aber 1556 von den Geschäften
zurück und starb 28. März 1566 in Wien. Seine
"I^Lrum m03c0viticHi'uin o0inm6nt3.iii" (Wien
1549; deutsch, 1557 u. ö.; neu hg. in Starczewskis
"3ci'iptor68 exteri Z^ftouU XVI kigtoi-iNö rutlie-
ni(N6", 2 Bde., Verl. und Petersb. 1841-43) sind
das beste Werk über das ältere Rußland. Eine
neuere Ausgabe seiner Selbstbiographie erschien in
den "^0nt68 l6i uni ^u8ti-iN(>9,ruin" (Abteil. 1, Bd. 1,
hg. von Karajan, Wien 1855). H.s "Gesandtschafts-
reise nach Spanien 1519" gab Chmel(Wien 1846)
heraus. - Vql. Adelung, Sigismund Freiherr von
H. (Petersb. 1818); ders., Kritisch-litterar. Über-
sicht der Reisenden in Rußland (2 Bde., ebd. 1846).
Herbert, Bezirk im brit. West-Griqualand, in
Südafrika, hat 7156 gkui und (1891) 9075 E., dar-
unter 2430 Weiße.
Herbert, engl. Familie, s. Pembroke.
Herbert, Edward, Lord H. of Cherbury, engl.
Philosoph, geb. 3. März 1582 (oder 1583) zu Eyton-
on-Ecvern in Wales, studierte in Oxford und machte
dann Reisen nach Frankreich, Flandern, Deutschland,
der Schweiz und Italien. Später Gesandter am
franz.Hofe, wurde er zum Lord of Cherbnry erhoben,
hielt sich jedoch im engl. Bürgerkriege aus Seite des
Parlaments. Er starb 20. Äug. 1648 in London,
^ein Hauptwerk ist: "De veri^te, prout äiLtin^ui-
wr 3. i-6voi3.tiou6, 3, veroäiinili, a P038idi1i 6t 2.
lai80)) (Par. 1624). Außerdem schrieb er noch: "v6
cau83. Orroruin uua. cum trg.ctktu ä6 rsliFions
laici st 3.pp6näic6 ad 83.c6räot63" und "De r6iiFi(M6
F6iiti1iura 6ri'0i-um(iu6 ilpuä 608 ca.u3i8" (Lond.
1645). H. sucht die Wahrheit auf gewisse Gemein-
begriffe zurückzuführen, die durch Untersuchung
dessen, worin alle Menschen übereinstimmen, gefun-
den werden sollen. Auf fünf folche Grundwahrhei-
ten fuchte er auch die natürliche Religion zurückzu-
führen, die allen Religionen, wenn auch vielfach ver-
dunkelt, zu Grunde liegen soll. H. war so zu gleicher
Zeit der Begründer des religiösen Rationalismus.
- Vgl. Remusat, I^oi-ä H. äe (Herdm-^ 3ii vis 6t
868 03UVI-68 (Par. 1873).
Herbert, John Rogers, Maler, geb. 23. Jan.
1810 zu Maldon in Esser, studierte an der Akade-
mie in London und wurde sowohl als Historien-
maler wie auf dem Gebiete des Porträts und
Genres bekannt, vornehmlich aber in den Kreisen
des Hofs beliebter Vildnismaler. Als der Bau des
neuen Parlaments vollendet war, wurde ihm 1846
die Ausschmückung der Innenräume mit Wand-
gemälden aus der Bibel übertragen, unter denen
Moses vom Sinai herabsteigend, Salomos Urteil,
Daniel in der Löwengrube besonders hervorzuheben
sind. 1846 wurde er Mitglied der Akademie. Er
vertrat für England dieselbe religiöse, altertümliche
Richtung der Malerei, welche in Deutschland in der
der Nazarener zu Tage trat. Er starb 17. März 1890.
Herbert, Sidney, Lord, engl. Staatsmann, geb.
16. Sept. 1810 zu Richmond als jüngerer Sohn des
11. Grafen von Pembroke (s.d.), wurde herangebildet
zu Harrow und Oxford, kam schon 1832 für Wiltshire
ins Unterhaus und behauptete diesen Sitz bis zu
seiner Peerserhebung (1860). Er war Anhänger
Peels, wurde unter ihm 1841 Admiralitätslord,
1845 Kriegssekretär und gehörte später zu der ge-
mäßigt konservativen Gruppe der Peeliten. Unter
Aberdeen leitete er seit Dez. 1852 als Kriegssekre-
tär die Vorbereitungen zum Orientkrieg, war unter
Palmerston kurze Zeit (Jan. bis Febr. 1855) Kolo-
nialsekretär, dann Juni 1859 bis Juli 1860 Se-
kretär des Krieges, 1860 wurde er zum Lord H. of
Lea ernannt, schied aber bald aus Gesundheits-
rücksichten aus dem Amt und starb 2. Aug. 1861
in Schloß Wilton bei Salisbury. In London wurde
ihm vor dem Kriegsministerium ein Bronzestandbild
(von Foley) errichtet.
Herbertshöh, Station der Neuguinea-Com-
pagnie und Sitz der Verwaltung des Bismarck-Ar-.
chipels, an der Vlanchebai ans der Gazelle-Halbinsel
Neupommerns belegen, wurde 1890 gegründet.
Herbescent (lat.), krautartig.
Herbesthal, Dorf im Kreis Eupen des preuß.
Reg.-Vez. Aachen, zur Bürgermeisterei Lontzen ge-
hörig, an der belg. Grenze, der Linie Koln-H.
(85,4 km) und an der Nebenlinie H.-Raeren (13,3 km)
der Preuß. sowie an der Linie H.-Verviers (14,6 km)
der Belg. Staatsbahnen, Sitz eines Nebenzollamtes
erster Klasse, hat (1890) 665 E., Post und Telegraph.
Herbette (spr. erbett), Jules, franz. Diplomat,
geb. 5. Aug. 1839 zu Paris, trat 1860 in den aus-
wärtigen Dienst und wurde zunächst im Ministerium
des Äußern beschäftigt. Er ging 1867 als Vicekonsul
nach Neapel, sührte 1869 das Konsnlat in Stettm,
wurde im März 1871 Sekretär bei Jules Favre und
nahm in dieser Stellung an den Friedensverhand-
lungen mit Deutschland teil. Hiernach arbeitete er