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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Herz (anatomisch)

eine rechte und linke Hälfte teilt und der in der Höhle des H. angebrachten muskulösen Scheidewand entspricht. Diese Längsfurche wird rechtwinklig durch die rings um das H. herumlaufende Ring- oder Querfurche (sulcus circularis s. coronalis) geschnitten, welche äußerlich die Grenze zwischen den Vorhöfen und den Herzkammern zu erkennen giebt. In seinem Innern wird das H. durch eine der Länge nach sich herabziehende, in ihrer Richtung äußerlich durch die Längsfurche angedeutete muskulöse Scheidewand (septum cordis, s. Fig. 2, 4; 4, 6) in eine rechte und eine linke Hälfte geschieden, von denen die erstere, weil sie dunkles (venöses) Blut enthält und dem Lungenkreislauf vorsteht, wohl auch als Lungenherz bezeichnet wird, während die letztere hellrotes (arterielles) Blut umschließt und wegen ihres Zusammenhangs mit der großen Körperpulsader auch Aortenherz genannt wird. Beim geborenen normalen Menschen besteht durchaus keinerlei Verbindung zwischen den beiden Herzhälften, während dieselben beim Embryo (s. d.) durch eine Öffnung, das sog. ovale Loch (foramen ovale), miteinander kommunizieren. Jede Herzhälfte wird aber wiederum durch eine besondere Querscheidewand in eine obere und eine untere Abteilung getrennt, die durch eine längliche Öffnung in der Querscheidewand miteinander in Verbindung stehen. Die obere dieser Abteilungen wird als Vorkammer oder Vorhof (atrium cordis), die untere als Herzkammer (ventriculus cordis) bezeichnet, sodaß das H. im ganzen vier ungefähr gleich geräumige Höhlen, eine rechte und eine linke Vorkammer (s. Fig. 1, 3,5; 2, 11,12; 3, 1,5), getrennt durch die Vorhofscheidewand (s. Fig. 3, 4), sowie eine rechte und eine linke Herzkammer (s.Fig. 1, 2,4; 2, 5,6; 4, 4,5) enthält. Die muskulösen Wände der Vorhöfe, deren jeder eine blinde sackförmige Ausstülpung, das sog. Herzohr (auricula cordis, s. Fig. 3,2, s), besitzt, sind dünn, während diejenigen der Herzkammern weit fleischiger sind; die Wand der linken Herzkammer (s. Fig. 2, 2; 4, 2) ist drei- bis viermal so dick als die der rechten (s. Fig. 2, 1; 4, 3).

In jede Vorkammer münden mehrere große Blutaderstämme ein, nämlich in die rechte die beiden Hohladern, die obere und die untere (vena cava superior, s. Fig. 2, 15, und vena cava inferior, s. Fig. 2, 16) sowie die große Herz- oder Kranzblutader (vena coronaria cordis), in die linke die vier Lungenblutadern (venae pulmonales). Aus jeder Vorkammer führt eine geräumige ovale, von kräftigen Faserringen umgebene Öffnung, die sog. Vorhofs-Herzkammermündung (ostium atrio-ventriculare s. ostium venosum ventriculi), herab in die zugehörige Herzkammer. In unmittelbarer Nähe der Vorhofs-Herzkammermündung, etwas nach innen zu, befindet sich in jeder Herzhälfte in der Querscheidewand noch eine zweite ähnliche runde Öffnung, die Herzkammer-Pulsadermündung (ostium arteriosum ventriculi), durch welche man aus der betreffenden Herzkammer in einen großen Pulsaderstamm gelangen kann, und zwar führt die rechte Öffnung aus der rechten Herzkammer in die Lungenpulsader (arteria pulmonalis, s. Fig. 2, 9; 3, 8), die linke aus der linken Herzkammer in die große Körperpulsader (aorta, s. Fig. 2, 10). An jeder dieser vier Öffnungen befinden sich eigentümliche häutige Gebilde, die sog. Herzklappen (valvulae cordis), angebracht, welche den Blutumlauf im H. nach Art von Ventilen regulieren und das Durchströmen des Blutes nur in einer ganz bestimmten Richtung gestatten. An den beiden Vorhofs-Kammermündungen bestehen die Klappen aus segel- oder zipfelförmigen, nach unten spitz zulaufenden häutigen Lappen, welche durch zahlreiche, von besondern Abschnitten des Herzmuskels, den sog. Warzen- oder Papillarmuskeln (musculi papillares, s. Fig. 2, 17), ausgehende Sehnenfäden (chordae tendinae) gespannt erhalten werden, bei der Rückstauung sich aber aneinanderlegen und so die Vorhofs-Kammermündung verschließen. Die Klappe der linken Vorhofs-Kammermündung besteht aus zwei solchen Hautzipfeln und heißt deshalb die zweizipfelige, Mitral- oder Mützenklappe (valvula bicuspidalis s. mitralis, s. Fig. 2, 8; 3, 7), während die Klappe der rechten Vorhofs-Kammermündung aus drei häutigen Zipfeln besteht und deshalb als dreizipfelige Klappe (valvula triscuspidalis, s. Fig. 2, 7; 3, 3) unterschieden wird. Anders an den beiden Pulsadermündungen, an welchen der Klappenapparat von drei nach oben offenen, in einen Kreis zusammengestellten, halbmondförmigen Taschen gebildet wird, die sich an die Wand der Arterie anlegen, wenn das Blut in dieselbe einströmt, sich aber durch das zurückfallende Blut füllen und aneinander legen, wenn die Herzkontraktion nachläßt; die Klappen der linken Pulsadermündung heißen halbmondförmige Aortenklappen (valvulae semilunares aortae, s. Fig. 2, 10; 3, 10), die der rechten halbmondförmige Lungenpulsader- oder Pulmonalklappen (valvulae semilunares pulmonales, s. Fig. 2, 9; 3, 9).

Das Innere sämtlicher Herzhöhlen, mit Einschluß der Herzklappen, wird von einer außerordentlich dünnen und zarten Haut, der sog. innern Herzhaut (endocardium) überkleidet, welche ohne Unterbrechung in die innere Haut (endothelium) der großen Gefäßstämme übergeht. Das Muskelfleisch des H. besteht aus langen, schmalen, quergestreiften Muskelfasern, die sich vielfach gabelartig teilen und teils spiralförmig, teils in Achtertouren um die Herzhöhlen herumlaufen; durch ihre Kontraktion bewirken sie eine gleichmäßige Verengerung der Herzhöhlen. Bei fettsüchtigen Personen kommt es nicht selten zu einer fettigen Entartung der Muskelfasern des H., durch welche die letztern mehr oder weniger untauglich für ihre physiol. Verrichtungen werden. (S. Herzverfettung.) Ernährt wird das H. durch besondere aus der Aorta entspringende Gefäße, die beiden Kranzpulsadern (arteriae coronariae cordis), die in Begleitung der zugehörigen Blutadern in den Längs- und Querfurchen des H. verlaufen und sich sodann in der Herzmuskulatur verzweigen (s. Fig. 1, 9; 3, 11,12; 4, 7,8). Das H. besitzt auch einen eigenen, mit zahlreichen Ganglienzellen versehenen Nervenapparat.

Die Thätigkeit des H. besteht während des ganzen Lebens in ununterbrochen und rhythmisch erfolgenden Zusammenziehungen und Erschlaffungen seiner kontraktilen Fleischwände, wodurch seine Höhlen abwechselnd verengt und erweitert werden, das in ihnen enthaltene Blut periodisch in die großen Gefäßstämme hineingepreßt und so der gesamte Blutumlauf des Körpers hervorgerufen und unterhalten wird. Der Blutumlauf im H. geht hierbei in folgender Weise vor sich: während der Erschlaffung oder Diastole des H. sammelt der rechte