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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Herwegh; Herxheim; Herz

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Herwegh - Herz (anatomisch)

2. Sept. 1884 zu Bonn. Den Namen H. v. B. führt ein Fort nördlich von Sonderburg und seit 1889 auch das preuß. 13. Infanterieregiment.

Zwei Brüder H.s, Hans und Friedrich Adrian H. v. B., stiegen beide in der preuß. Armee zu Generalen empor; ersterer war Gouverneur von Magdeburg, nahm 1866 seinen Abschied und starb 1881. Friedrich Adrian nahm als Commandeur der 4. Infanteriedivision an der Schlacht von Königgrätz teil und wurde 1870 als Gouverneur von Königsberg zur Disposition gestellt. Er starb 1884.

Herwegh, Georg, Dichter, geb. 31. Mai 1817 zu Stuttgart, erhielt seinen ersten Unterricht in Stuttgart und Maulbronn und bezog dann das prot.-theol. Stift in Tübingen. Von dem theol. Studium nicht befriedigt, wandte er sich wieder nach Stuttgart, wo er an Lewalds "Europa" mitarbeitete. Infolge eines Konflikts mit einem Offizier verließ er Württemberg und ging nach Emmishofen im Kanton Thurgau, dann nach Zürich. Hier veröffentlichte er die "Gedichte eines Lebendigen" (Zür. und Winterth. 1841; 11. Aufl., Stuttg. 1891), polit. Poesien voll jugendlichen Feuers und glänzender, schwungvoller Form, welche in der von Freiheitsbestrebungen bewegten Zeit rasch populär wurden. Nach einem kurzen Aufenthalt in Paris unternahm H. 1842 eine Reise durch Deutschland, auf der er als Freiheitssänger sich feiern ließ. Selbst der König von Preußen beschied ihn in Berlin zur Audienz. Als er aber von Königsberg aus einen wider seine Absicht veröffentlichten Brief an den König von Preußen richtete, in welchem er gegen alle konventionellen Formen verstieß, wurde er aus dem preuß. Staate verwiesen. Er kehrte zunächst nach Zürich zurück, doch wurde ihm auch hier bald der Aufenthalt untersagt. Nach einer Reise nach Südfrankreich und Italien nahm H. seinen bleibenden Aufenthalt in Paris, wo er mit Heine, mit Béranger und George Sand, vorzugsweise mit poln. und russ. Emigranten verkehrte. Im April 1848 fiel H. an der Spitze einer deutsch-franz. Arbeiterkolonne in Baden ein, um sich an dem dortigen Aufstande zu beteiligen, wurde jedoch 27. April bei Dossenbach von württemb. Truppen geschlagen. Er rettete sich in die Schweiz, von wo aus er alsbald nach Paris zurückkehrte. Im Juni 1849 ging H. nach Genf, von wo er nach sechsmonatigem Aufenthalt nach Nizza übersiedelte. Einige Zeit darauf kehrte er nach der Schweiz zurück und nahm hier seinen Aufenthalt wieder in Zürich. Später hielt er sich teils in Paris und im südl. Frankreich, teils auch wieder in Deutschland, seit 1866 in Baden-Baden auf, wo er, verbittert und ohne Verständnis für die Neugestaltung Deutschlands, 7. April 1875 starb.

Außer den "Einundzwanzig Bogen aus der Schweiz" (Zür. und Winterth. 1843), zu welchen auch andere, wie Bruno Bauer, David Strauß, Adolf und Ludwig Seeger, Beiträge geliefert hatten, ließ er von Paris aus einen zweiten Band der "Gedichte eines Lebendigen" (Zür. und Winterth. 1844) erscheinen, der jedoch nicht den durchschlagenden Erfolg des ersten Teils hatte. Von den spätern poet. Arbeiten H.s sind namentlich das Gedicht bei Gelegenheit des eidgenössischen Schützenfestes, der Prolog zur Schillerfeier in Zürich und die vielfach ins Italienische übersetzten Strophen auf den Tag von Aspromonte bekannt geworden. Die nach seinem Tode gesammelten "Neuen Gedichte" (Zür. 1877) wurden in Deutschland konfisciert. H.s Lieder, im Ausdruck von großer Klarheit und voll pathetisch-rhetorischer Kraft, sind aus einem Guß geschaffen und ergreifen mächtig. Während er im ersten Teile der "Gedichte eines Lebendigen" eine nationale Bedeutung in Anspruch nahm, wollte er im zweiten nur noch der Dichter einer Partei sein. In den spätern und nachgelassenen Gedichten überwiegt die epigrammatische Form und eine pessimistische Stimmung gegenüber den großen zeitgeschichtlichen Ereignissen und Persönlichkeiten. H. hat die Werke Lamartines (12 Bde., Stuttg. 1839-40), für die Ulricische Shakespeare-Übersetzung den "Coriolanus", für die Bodenstedtsche "König Lear", "Troilus und Cressida" und mehrere Lustspiele übertragen.

Herxheim, Dorf im Bezirksamt Landau des bayr. Reg.-Bez. Pfalz, 11 km südöstlich von Landau, am Klingbach, hat (1890) 3702 meist kath. E., darunter 29 Israeliten, Postexpedition, Telegraph; Weberei, Cigarren- und Malzfabrikation, Brauereien, Mühlen, Ziegeleien, Getreide-, Zuckerrüben- und Tabakbau, Pferde- und Rindviehzucht.

Herz (Cor), das Centralorgan des Gefäßsystems und somit der ganzen Ernährung, des Stoffwechsels oder Lebens im Körper des Menschen und der meisten Tiere. Es stellt bei ersterm einen hohlen, halbkegelförmigen, muskulösen, etwa faustgroßen Körper dar, dessen Gewicht bei Männern durchschnittlich 350 g, bei Weibern 310 g beträgt und der seine Lage im vordern untern Teil der Brusthöhle, dicht hinter dem Brustbein hat. (S. Tafel: Die Brusteingeweide des Menschen II, Fig. 10-13.) Er liegt hier, und zwar nicht genau in der Mittellinie des Körpers, sondern mehr nach links zu, in schräger Richtung zwischen den beiden Lungen und ruht mit seiner Spitze und einem Teile seiner hintern Wand auf dem Zwerchfell auf, sodaß seine Grundfläche nach rechts oben und hinten, seine Spitze aber nach links unten und vorn gekehrt ist. Das H. wird von dem Herzbeutel (pericardium) allseitig umschlossen, einem häutigen, nach Art einer eingestülpten Zipfelmütze gestalteten doppelten Sacke, dessen inneres (sog. viscerales) Blatt (s. Tafel: Das Herz des Menschen, Fig. 4, 1) die gesamte Oberfläche des H. als eine glatte, zarte, glänzende Haut in inniger Verwachsung überzieht, während sein äußeres (sog. parietales) Blatt das H. bis über die Abgangsstelle der großen Gefäßstämme als ein lockerer, mäßig weiter Beutel umschließt und teils mit den beiden Brustfellsäcken, teils mit dem Zwerchfell und mit der vordern Brustwand innig verwachsen ist (s. Fig. 1, 1). Zwischen den beiden Blättern befindet sich die Höhle des Herzbeutels, welche von einer geringen Menge einer klaren, serösen, der Erleichterung der Herzbewegungen dienenden Flüssigkeit, dem Herzbeutelwasser (liquor pericardii), erfüllt wird.

An dem H. selbst, dessen Gestalt der eines flachgedrückten Kegels gleicht, pflegt man zu unterscheiden: die Spitze (apex s. mucro, s. Fig. 1, 6; 2, 3), welche abgerundet ist und die vordere Brustwand berührt; die Basis, die breite, nach rechts oben und hinten gekehrte Fläche, welche die Abgangsstellen der Lungenpulsader und der großen Körperpulsader enthält (s. Fig. 1, 7,8; 2, 13,14; 3, 8-10); eine vordere (obere) konvexe und eine hintere (untere) glatte Fläche; zwischen beiden zwei abgerundete Seltenränder. In der Mitte der vordern Fläche zieht eine seichte Längsfurche (sulcus longitudinalis, s. Fig. 4, 3) von der Basis bis zur Spitze herab, welche das H. äußerlich in