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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Herzog; Herzog-Alexander-von-Württemberg-Kanalsystem; Herzog-Berge; Herzogenaurach; Herzogenberg; Herzogenbuchsee; Herzogenburg

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Herzog (Karl Jos. Benjamin) - Herzogenburg

in Halle, 1854 in Erlangen, trat 1877 in den Ruhestand und starb 30. Sept. 1882. H. ist besonders bekannt als Herausgeber der "Real-Encyklopädie für prot. Theologie und Kirche" (Hamb. 1854 - 66; 2. Aufl., 18 Bde., Lpz. 1877 - 88). Außerdem veröffentlichte er: "Les frères de Plymouth et John Darby" (Lausanne 1845), "Johannes Calvin" (Bas. 1843), "Das Leben Ökolampadius' und die Reformation der Kirche zu Basel" (2 Bde., ebd. 1843), "Die roman. Waldenser" (Halle 1853), "Abriß der gesamten Kirchengeschichte" (3 Bde., Erlangen 1876 - 82; Ergänzungsheft [19. Jahrh.] von G. Koffmane, Lpz. 1887; 2. Aufl., 2 Bde., bearbeitet von Koffmane, 1890 - 92). - Vgl. den Lebensabriß in der "Real-Encyklopädie", Bd. 18 (Lpz. 1888).

Herzog, Karl Jos. Benjamin, Staatsmann, geb. 20. März 1827 zu Brieg i. Schl., trat nach beendeten Rechtsstudien 1848 in den preuß. Justizdienst. 1859 in das Handelsministerium berufen, war er erst als Hilfsarbeiter, seit 1864 als vortragender Rat in der unter Delbrücks Leitung stehenden Abteilung für Handel und Gewerbe thätig. 1864 leitete er die Verhandlungen einer über die Reform der Gewerbeordnung beratenden Sachverständigen-Kommission, vertrat 1867 den Norddeutschen Bund bei der Weltausstellung und der internationalen Münzkonferenz in Paris und präsidierte 1870 - 71 den Beratungen für die Organisation einer gemeinsamen Statistik der deutschen Staaten. 1871 wurde H. Direktor der für die elsaß-lothr. Verwaltung gebildeten Abteilung des Reichskanzleramtes. Als infolge der durch seine Hand vorbereiteten Umgestaltung der Landesverfassung von Elsaß-Lothringen die Abteilung des Reichskanzleramtes aufgelöst und der Sitz der obersten Verwaltung nach Straßburg verlegt wurde, führte H. als Staatssekretär an der Spitze des neugebildeten Ministeriums die neue Organisation ein, schied aber schon im nächsten Jahre (Juli 1880), da er die Grundsätze der Manteuffelschen Politik in den Reichslanden nicht zu teilen vermochte, unter vorläufiger Versetzung in den Ruhestand aus. 1881 und 1882 unternahm er eine Reise durch die Vereinigten Staaten, Mexiko und Südamerika, deren Ergebnisse er u. d. T. "Reisebriefe aus Amerika" (2 Bde., Berl. 1884) veröffentlichte. Seit 1885 steht er mit an der Spitze der Neuguinea-Compagnie.

Herzog, Robert, Fürstbischof von Breslau, geb. 17. Febr. 1823 zu Schönwalde in Schlesien, erhielt 1848 die Priesterweihe, wurde 1851 Kaplan an der Hedwigskirche zu Berlin, 1857 Curatus an St. Adalbert in Breslau, 1863 Pfarrer und Erzpriester in Brieg, 1870 Propst an St. Hedwig in Berlin und im Mai 1882 vom Papst zum Fürstbischof von Breslau ernannt. Da H. für friedfertig und versöhnlich galt, erließ ihm die preuß. Regierung die staatliche Eidesleistung. Indes schon 25. Juli 1882 forderte H. in einem Rundschreiben die sog. Staatspfarrer zur Unterwerfung auf und kurz darauf störte er das konfessionelle Einvernehmen durch einen Erlaß über Mischehen, der bestimmte, daß letztere nur durch die kath. Trauung in kirchlich gültiger Weise geschlossen werden könnten, daß diese aber versagt werden müsse, wenn ihr eine evang. Trauung folgen solle. H. starb 26. Dez. 1886. - Vgl. Meer, Robert H. (in "Der Episkopat der Gegenwart", Heft 28, Würzb. 1876).

Herzog-Alexander-von-Württemberg-Kanalsystem, in den russ. Gouvernements Nowgorod und Wologda zur Verbindung der Wolga mit ^[Spaltenwechsel] der Dwina, besteht aus einer Reihe von künstlich miteinander verbundenen Seen und Flüßchen, die von der Scheksna (Nebenfluß der Wolga) zum See Kubenskoje (393,3 qkm) führen, dem die Suchona, ein Quellfluß der Dwina, entströmt, ist 73,8 km lang und hat 13 Schleusen. Ein Hafen ist bei Kirilow, den (1890) 736 Schiffe und 287 Flöße passierten, meist beladen mit Getreide von der Wolga sowie mit Schießpulver und andern Militärbedürfnissen vom Onegasee her. Der Kanal wurde 1825 - 28 erbaut und nach dem damaligen Minister der Verkehrswege, Herzog Alexander von Württemberg, benannt.

Herzog-Berge, ein etwa 1000 m hoher Gebirgszug in Kaiser-Wilhelms-Land, in der westlichsten Ecke des Huon-Golfs, tritt bis ans Meer heran und wird durch den Markham-Fluß von den Rawlinson-Bergen getrennt.

Herzogenaurach, Stadt im Bezirksamt Höchstadt des bayr. Reg.-Bez. Oberfranken, 10 km im WSW. von Erlangen, an der Aurach und der Nebenlinie Erlangen-H. (im Bau), Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Fürth) und Rentamtes, hat (1890) 2531 E., darunter 141 Evangelische; Postexpedition, Telegraph, ein Schloß, Wollspinnerei, Tuch-, Flanell-, Filzschuhfabrikation und Hopfenbau.

Herzogenberg, Heinrich von, Komponist, geb. 10. Juni 1843 in Graz, studierte unter F. O. Dessoff am Wiener Konservatorium, lebte dann in Graz und ging 1872 nach Leipzig, wo er Mitbegründer des "Bachvereins" wurde, den er seit 1875 leitete. 1885 wurde er Direktor der Kompositionsabteilung an der Hochschule für Musik in Berlin und Mitglied der Akademie. 1888 gab er aus Gesundheitsrücksichten diese Stellung auf und lebt seitdem als Mitglied des akademischen Senats in Berlin. H. gehört zu den bedeutendsten Kontrapunktikern der Gegenwart; seine Kompositionen offenbaren ebenso tiefe theoretische Bildung wie poet. Gedankenreichtum. Er veröffentlichte zwei Sinfonien (C-moll und B-dur), die sinfonische Dichtung "Odysseus", drei Klaviertrios, ein Klavierquartett, zwei Klavierquintette, Streichtrios, Streichquartette, ein "Deutsches Liederspiel" (Soli, Chor und Klavier zu vier Händen), mehrere Werke für Soli, Chor und Orchester, darunter einen Psalm und ein Requiem, Lieder u. a.

Herzogenbuchsee, Dorf im Bezirk Wangen des schweiz. Kantons Bern, 16 km nordnordöstlich von Burgdorf, in 470 m Höhe, an den Linien Bern-Olten und H.-Solothurn-Lyß-Lausanne (141 km) der Schweiz. Centralbahn, hat (1888) 2316 E., darunter 34 Katholiken und 23 Israeliten, eine stattliche, hochgelegene Kirche (1728), Sekundärschule, mehrere Gasthäuser, Ackerbau, Viehzucht und Seidenweberei. H., an der Stelle einer röm. Niederlassung erbaut, gehörte zur Landgrafschaft Klein-Burgund, die nach dem Erlöschen der Herzöge von Zähringen 1218 an die Grafen von Kyburg und 1406 an Bern fiel. 1653 wurde bei H. das Bauernheer von den Berner Truppen geschlagen.

Herzogenburg, Marktflecken in der österr. Bezirkshauptmannschaft St. Pölten in Niederösterreich, links der Traisen, an den Linien St. Pölten-Tulln und H.-Krems (21 km) der Österr. Staatsbahnen, Sitz eines Bezirksgerichts (235,94 qkm, 23 Gemeinden, 94 Ortschaften, 18400 deutsche kath. E., darunter 46 Mann Militär), hat (1890) 1913 E. und ein Stift der Regulierten Chorherren des heil. Augustin (1112 gegründet), mit schöner Kirche, Bibliothek, Gemälde-, Münzen- und Mine-^[folgende Seite]