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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Himmelbett - Himmelsgegenden
Reichardts Stelle Kapellmeister. Er starb 8. Juni
1814 in Berlin. Von den größern Werken H.s hat
nur das Liederspiel "Fanchon oder das Leiermäd-
chen" (1804) weite Verbreitung gefunden. Einzelne
Nummern daraus ("Selig wer in einer Hütte", "Die
Welt ist nichts als ein Orchester") gingen in den
musikalischen Volksschatz über. Auch eine Reihe zu-
gleich rührseliger und pikanter Lieder ("An Aleris
send' ich dich", "Es kann ja nicht immer so bleiben")
machten H.s Namen populär. Selbständiger und
bedeutender erscheint seine Kunst in einzelnen Chor-
werken: im "Vaterunser" in Mahlmanns Umschrei-
bung, in Körners "Gebet vor der Schlacht". Auch
die Gesänge Zu Tiedges "Urania" stehen höher.
Himmelbett, s Bett.
Himmelfahrt. Die christl. Urzeit glaubte, daß
der auferstandene Messias zur Rechten Gottes er-
höht sei und auf den Wolken des Himmels dereinst
wiederkommen werde zur Aufrichtung seines Reichs.
Diese Vorstellung, die sich an die eigenen, geschicht-
lich unzweifelhaften Zukunftsverkündigungen Jesu
anschließt, besagte ursprünglich noch nicht, daß
Jesus mit seinem aus dem Grabe auferstandenen
Erdenleibe, sondern nur, daß er in verklärter Licht-
herrlichkeit zum Himmel erhoben worden sei. Aber
die immer sinnlicher ausgebildeten Vorstellungen
von seiner Auferstehung forderten zu ihrer Ergän-
zung notwendig die weitere Annahme, daß Christus
nach der wunderbaren Wiederbelebung seines Lei-
bes mit eben diefem Leibe zum Himmel emporge-
fahren sei. Daher wird denn Lut'. 24,51, Apostel-
gesch. 1, 9, Mark. 16,19 ein sichtbares Emporsteigen
Jesu zum Wolkenhimmel und ein Verschwinden des-
selben in den Wolken erzählt, was nach dem Evan-
gelium des Lukas und der aus diesem geflossenen Mar-
kusstelle am Auferstehungstage, nach der Apostel-
geschichte 40 Tage später geschehen sein soll. Letztere
Annahme ward die in der Kirche herrschende, daher
seit Ende des 4. Jahrh, zuerst im Morgenlande,
aber sehr bald nachher auch im Abendlande das
Fest der H. Christi (lat. N806H8io Doinini)
40 Tage nach Ostern, also an dem Donnerstage
der fünften Woche gefeiert wurde.
In das Glaubensbekenntnis wurde das "aufge-
fahren zum Himmel" wohl schon gegen Ende des
2.Jahrh. aufgenommen und seitdem von allen christl.
Parteien als eine der Haupt- und Grundthatsachen
der evang. Geschichte festgehalten. Der Rationalis-
mus, der die Auferstehung natürlich erklärte, das
Sitzen zur Rechten Gottes aber als bildliche Ein-
kleidung einer geistigen Wahrheit nahm, bestritt die
H. als nicht genügend in den Evangelienschriften
bezeugt. Diefer Einwand gilt aber nur gegenüber
der Vorstellung der H. als eines materiellen Vor-
gangs. Merdings liegt dieursprüngliche Anschauung
von einer sofortigen Erhöhung Christi zum Himmel
den Berichten von den Erscheinungen des Aufer-
standenen (s. Auferstehung) zu Grunde.
Die H. Christi ist ein in der Kunst vielfach dar-
gestellter Gegenstand. Er erscheint bereits auf den
altchristl. Elfenbeinschnitzereien (s. Tafel: Alt-
christliche Kunst III, Fig. 1), wo ihn Gottes
Hand nach oben zieht. Später wurde häusig nur
der Vorgang auf Erden, Christi Fußspur auf dem
Berge (nach Zach. 14, 4), die verfammelten Apostel
und etwa der Kleidsaum und die Füße des aus der
Vildfläche Aufgestiegenen dargestellt. So erscheint
die H. noch bei Fiesole in derAtadcmie zu Florenz,
während Giotto in der Arena zu Padua Christus
in ganzer Gestalt mit erhobenen, segnenden Händen
in einer Glorie schwebend und von Engeln umgeben
schildert. Diese Form bildete Perugino in seinem
m Lyon befindlichen Bilde weiter aus. Von neuern
Malerwerken, die die H. Christi darstellen, sind zu
nennen die von Rembrandt (München, Alte Pina-
kothek), von R. Mengs (Dresden, Hofkirche)^ von
Schraudolph München, Neue Pinakothek), von Ed.
von Gebhardt (Berlin, Nationalgalerie).
Außer der H. Christi feiert die ro'm.-kath. Kirche
alljährlich am 15. Aug. das Fest der H. Maria
auf Grund der feit dem 8. Jahrh, ausgebildeten
Sage, daß Seele und Körper der Mutter Jesu von
dem Sohne und seinen Engeln in den Himmel auf-
genommen worden seien.
Die H. Maria (Assumtion) fand erst später als
die H. Christi künstlerische Verherrlichung in ähn-
licher Form. Doch wird sie meist im Mittelalter als
in einem Strahlenkranz kniend dargestellt, in dem
Gott Vater und Christus sie krönen; so noch bei
Dürer in seinem Frankfurter Bilde. Später erscheint
sie allein, von Wolken getragen, meist mit gespreizten
Armen und sehnend nach oben gerichtetem Blick.
Berühmt sind die Gemälde von Tizian (Akademie
in Florenz), von G. Reni (Genua, San Ambrogio),
von Rubens (Kathedrale zu Antwerpen und Hof-
museum zu Wien), von Overbeck (Dom zu Köln),
von Schraudolph (Dom zu Speyer).
Himmelfahrtsinsel, s. Ascension.
Himmelpfort am See, Kloster in Lehnin (s. d.).
Himmelreich, soviel wie Reich Gottes (s. d.).
Himmelsachse, s. Weltachse.
Himmelsäquator, s. Äquator.
Himmelsbedeckung, die Bedeckung der Him-
melsfläche mit Wolken. Man pflegt die H. ent-
weder in Vierteln oder Zehnteln der gesamten
Fläche auszudrücken. Das erstere Verfahren wird
beim Wetterberichtsdienst angewendet. Mit 0 wird
wolkenlofer Himmel bezeichnet, mit 4 "bedeckter"
Himmel; 1 ^ heiter, 2 ^ halbbedeckt, 3 -- wolkig
werden notiert, wenn die Bedeckung ^4, ^3, ^4 der
Himmelsfläche beträgt. Schätzt man nach Zehnteln,
so notiert man die Zahlen 0, 1, 2 . . bis 10, läßt
also den Nenner 10 weg. Die Dichte der Wolkendecke
wird bei diesen Abschätzungen nicht berücksichtigt.
(S. Bewölkung.)
Himmelsgebirge, s. Thianschan.
Himmelsgegenden, Himmelsrichtungen
oder Weltgegenden, die einzelnen Teile des
Horizonts. Der Meridian schneidet den Horizont
in zwei Punkten, dem Süd Punkt und dem Nord-
punkt; ebenso wird der Horizont vom Äquator
in zwei Punkten geschnitten, dem Ost- und West-
punkt. Durch die vier Himmelsrichtungen, Ost,
Süd, West und Nord wird der Umfang des Hori-
zonts in vier gleiche Teile geteilt. Außer diesen
vier Hauptrichtungen unterscheidet man im bürger-
lichen Leben noch die Zwischenrichtungen Südost,
Südwest, Nordost und Nordwest. Die Schiffer teilen
den Horizontumsang in 32 gleiche Teile. (S.Wind-
rose.) - Kehrt man auf der nördl. Erdhälfte mit-
tags 12 Uhr das Gesicht der Sonne zu, so hat man
gerade vor sich Süden, links Osten, rechts Westen,
im Rücken Norden; auf der südl. Erdhälste hat man
dann hingegen vor sich Norden, hinter sich Süden,
rechts Osten, links Westen. Bei klarem Himmel
gicbt der Polarstern die Nordrichtung; bei trübem
Wetter muß die Magnetnadel zur Orientierung
dienen. (S. Meridian.) - Da gegen Osten morgens