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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Holden; Holdens Verfahren; Holder; Hölder; Hölderlin

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Holden - Hölderlin

Holden, Edward Singleton, amerik. Astronom, geb. 15. Nov. 1846 zu St. Louis (Missouri), studierte in Washington Mathematik und Astronomie und graduierte daselbst; 1866 trat er in die Militärakademie in Westpoint als Kadett ein, wurde 1871 Lieutenant der Artillerie und 1872 dem Ingenieurkorps zugeteilt; gleichzeitig war er als Lehrer an der Militärakademie thätig. 1873 trat er aus der Armee aus, wurde zum Professor der Mathematik in der Marine ernannt und als solcher der Marinesternwarte in Washington zugeteilt. Hier war er hauptsächlich mit Beobachtungen am 26zölligen Refraktor beschäftigt; seine Hauptaufmerksamkeit wandte er neben andern Arbeiten den Nebelflecken zu. Aus dieser Zeit stammt "Monograph of the central parts of the nebula of Orion" (Washingt. 1882), worin er den Nachweis führt, daß der Orionnebel seit 1758 wahrscheinlich keine Form-, wohl aber Helligkeitsänderungen erlitten hat. 1881 wurde H. zum Professor der Astronomie und Direktor der Washburn-Sternwarte in Madison und 1886 zum Präsidenten der Universität von Kalifornien und gleichzeitig zum Direktor der Lick-Sternwarte auf dem Mount-Hamilton ernannt. Vier Bände Publikationen zeugen von H.s Thätigkeit an der Washburn-Sternwarte (Madison 1882-86); seine anderweitigen astron. Arbeiten sind in den Publikationen der Washingtoner Sternwarte, der Lick-Sternwarte und in Fachzeitschriften veröffentlicht; erwähnenswert sind noch: "Sir William Herschel, his life and works" (Neuyork 1881) und die wertvollen bibliogr. Arbeiten, die H. als Bibliothekar der Marinesternwarte in Washington veröffentlicht hat (Washingt. 1877 u. 1879; Cambridge 1878). H. ist auch Begründer der "Astronomical Society of the Pacific".

Holdens Verfahren, ein zur Klärung der städtischen Kanaljauche und sonstiger Abwässer dienendes Verfahren, das im Zusatz von einem Gemisch von Kalk, Eisenvitriol und Kohlenstaub zu dem Schmutzwasser besteht. Es wird unter Leitung des Erfinders in Bradford (England) zur Klärung der Kanalwässer praktisch durchgeführt.

Holder, s. Holunder.

Hölder, Alfred von, Buchhändler, geb. 14. Aug. 1835 in Wimpffen am Neckar, errichtete 1. April 1862 in Wien eine Verlagsbuchhandlung (Firma "Alfred Hölder") und übernahm zugleich das Sortiment der Beckschen Universitäts-, später auch k. k. Hofbuchhandlung (gegründet 1809) daselbst, das er unter dieser Firma fortführt. Der Verlag, einer der bedeutendsten in Österreich, umfaßt Naturwissenschaften (Werke von Brühl, Claus, von Hauer, Tschermak, Wiesner u. a.), Pädagogik (namentlich Schulbücher, Vorlagen u. a.), Rechtswissenschaft und Nationalökonomie (Frydmann, Grünhut, Anton und Karl Menger, Schiffner, L. von Stein, Theumann u. a.), Geschichte (Czörnig, Krones, Weiß u. a.), Sprachkunde (F. Müller), Geographie (Scherzer, die Reisen von Holub, Payer), Medizin, Technik u. s. w., darunter viele Fachzeitschriften, wie "Zeitschrift für Privat- und Öffentliches Recht der Gegenwart" (1874 fg.), "Statist. Monatsschrift" (1875 fg.), "Wiener klinische Wochenschrift" (1888 fg.), "Zeitschrift für das Realschulwesen" (1876 fg.), "Centralblatt für das gewerbliche Unterrichtswesen in Österreich" (1883 fg.) u. a. H. wurde 1875 in den Adelstand erhoben und 1884 zum k. k. Kommerzialrat ernannt.

Hölder, Eduard Otto, Rechtsgelehrter, geb. 27. Nov. 1847 in Stuttgart, studierte in Tübingen, wurde 1872 außerord., 1873 ord. Professor in Zürich, 1874 in Greifswald, 1880 in Erlangen, 1893 in Leipzig (als Nachfolger Windscheids). Er schrieb: "Die Theorie der Zeitberechnung nach röm. Recht" (Gött. 1873), "Institutionen des röm. Rechtes" (Freib. i. Br., 3. Aufl. 1893), "Beiträge zur Geschichte des röm. Erbrechts" (Erlangen 1881), "Zum allgemeinen Teil des Entwurfs eines Deutschen Bürgerlichen Gesetzbuchs" (Freib. i. Br. 1888), "Pandekten. Allgemeine Lehren. Mit Rücksicht auf den Civilgesetzentwurf" (2 Lfgn., ebd. 1886-91).

Hölder, Julius von, württemb. Staatsmann, geb. 24. März 1819 zu Stuttgart, studierte in Tübingen Staats- und Rechtswissenschaften, wurde 1842 Aktuar beim Stadtgericht in Stuttgart, bald darauf Assessor beim Gerichtshof in Ellwangen und 1848 Regierungsrat in dem von dem Märzminister Duvernoy geleiteten Ministerium des Innern. 1849 wurde er in die Zweite Kammer gewählt, wo er auf der rechten Seite der demokratischen Partei stand. Unter dem reaktionären Ministerium Linden, das 1850 die Geschäfte übernahm, wurde H. zum Mitglied der Ablösungskommission ernannt, trat aber nach einigen Jahren aus dem Staatsdienst und ließ sich als Advokat in Stuttgart nieder. 1855 wieder in den Landtag gewählt, rief H. die Fortschrittspartei, eine Vereinigung aller freisinnigen Kammermitglieder, ins Leben und nahm hervorragenden Anteil an der Opposition gegen die klerikale Politik des Ministeriums sowie an den deutschen Einheitsbestrebungen. Nachdem er 1864 sich mit der nationalen Partei von den Demokraten getrennt und 1866 gegen die Verwilligung der Mittel zum Kriege gegen Preußen gestimmt hatte, bildete er nach dem Kriege die "Deutsche Partei", an deren Spitze er trat. Seit 1872 war er Vicepräsident, seit 1875 Präsident der württemb. Zweiten Kammer. Im Deutschen Reichstage, dem er 1871-81 angehörte, schloß er sich der nationalliberalen Partei an, trat aber, da er mit deren Verhalten gegenüber der neuen Zollpolitik der Regierung unzufrieden war, 1879 aus der Partei aus und zur "Gruppe Völk" über. Im Okt. 1881 wurde er zum württemb. Minister des Innern ernannt. Als solcher unterstützte er die gemäßigt liberale Politik Mittnachts, vermochte aber die angestrebte Verwaltungsreform nicht durchzuführen. H. starb 30. Aug. 1887 in Stuttgart.

Hölderlin, Friedr., Dichter, geb. 20. März 1770 zu Lauffen am Neckar, wo sein Vater Klosterhofmeister war. Nach dessen frühem (1772) Tode vermählte sich H.s Mutter zum zweitenmal (1774) mit dem Kammerrat Gock, Bürgermeister in Nürtingen. An diesem Orte verlebte H. seine Knabenjahre, da seine Mutter auch nach dem Tode des zweiten Gatten (1779) dort ihren Wohnsitz behielt. 1784 bezog er, auf der Lateinschule zu Nürtingen vorgebildet, die Klosterschule zu Denkendorf, die er 1786 mit der zu Maulbronn vertauschte. Im Herbst 1788 bezog er die Universität Tübingen und studierte dort bis 1793 Theologie und Philosophie. In dieser Zeit trat er besonders Hegel und Schelling nahe. Nachdem er Ende 1793 die theol. Staatsprüfung bestanden hatte, nahm er eine durch Schiller vermittelte Hauslehrerstelle im Hause Charlotte von Kalbs an. Seine Hoffnung, in Jena festen Fuß zu fassen, zerschlug sich; so kehrte er im Sommer 1795 in die Heimat zurück und übernahm Ausgang des Jahres wieder eine Hofmeisterstelle in dem Hause des Kaufmanns J. F. Gontard in Frank-^[folgende Seite]