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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Holzbaukunst; Holzbearbeitung

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Holzbaukunst - Holzbearbeitung

Holzbaukunst (Holzarchitektur), die Bauart, bei welcher die kunstmäßige Verwendung des Holzes die entscheidende Rolle spielt. Während die Romanen von alters her hauptsächlich den Steinbau pflegten, haben die Germanen überall hin eine mehr oder weniger entwickelte H. gebracht. (S. Bauernhaus.) Die kirchlichen Bauten waren in ältester Zeit durchgehends oder doch ihrer Mehrzahl nach Holzbauten; freilich haben sich von diesen nur wenige erhalten. Das bemerkenswerteste Beispiel ist die Kirche zu Braunau im Riesengebirge von 1071. Sie ist 20 m lang, 8,7 m breit und von einem niedern Umgang umgeben. Die Wände sind durch Verschalung mit Brettern gebildet. Ähnlich war die 1846 abgebrochene Iodocuskapelle zu Mühlhausen in Thüringen, die 1251 errichtet wurde. Diese Kirchen sind in Ständerbau, d. h. derart gezimmert, daß die eigentlich tragenden Hölzer aufrecht gestellt wurden. Schlesien besitzt aber auch eine Reihe von Kirchen im Blockbau, d.h. bei welchen die Wände aus aufeinandergelagerten, an den Ecken sich überschneidenden Balken gebildet sind. So in Syrin und Lubom (von 1305), beide mit einem gesondert stehenden Glockenturm. Ähnliche Formen wurden an mehrern Dorfkirchen bis in das 17. Jahrh. hinein verwendet. Ebenso bauten unter deutschem Einfluß viele Gemeinden Böhmens und Mährens (Pardubitz, Wietrkowič), Galiziens und Ungarns (Szuszkó im Beregher Komitat u. a.); interessant sind auch die Holzkirchen Norwegens (Hittendal, Borgund u. a.; s. Skandinavische Kunst) und Rußlands. Auch nach dem Dreißigjährigen Kriege blieb Schlesien teilweise für die Anlage der Kirchen bei der H. Die Friedenskirchen zu Iauer (1654 - 55, mit gegen 6000 Plätzen), zu Schweidnitz (1657-58, mit 8000 Plätzen, beide von A. von Saebisch erbaut) sind großartige Beispiele dieser Art.

Ungleich Bedeutenderes leistete jedoch die H. im Profanbau, in welchem sich ganz bestimmte Abarten zeigen. Am glänzendsten entwickelte sich die H. aus dem niedersächs. Bauernhause und zwar namentlich in Halberstadt, Braunschweig, Hildesheim, im Weserthal, im nördl. Kurhessen, im Lippeschen und in Westfalen; von hier aus erstreckte sich eine verwandte Bauweise in die Elblande und über diese hinaus nach Nordosten. Das Bezeichnende für diesen Stil ist der Ständerbau, die vorkragenden, meist durch verzierte Kopfbänder gestützten Balkenköpfe, die Ausstattung mit Schnitzwerk, welches regelmäßig aus dem Vollholz herausgekerbt, nicht auf dieses befestigt ist. Die ältesten erhaltenen Bauwerke dieser Art gehören dem Ende des 15. Jahrh. an. Sie zeigen got. Formen, die sich langsam während des 16. Jahrh. in jene der Renaissance wandeln und auch spät das Barock annehmen. Mit dem 18. Jahrh. endet die kunstmäßige Behandlung. Für die älteste Zeit sind das Trinitatisspital (von 1459) und Krämerhaus (1482) in Hildesheim, die Rathäuser zu Halberstadt (1461), Wernigerode (1494), Duderstadt (1528), Wohnhäuser in Braunschweig, Halberstadt, Hildesheim, Hameln, Münden, Herford, Göttingen, Quedlinburg, Lübeck hervorragende Beispiele. Aus dem 16. Jahrh. sind das Knochenhauer-Amtshaus in Hildesheim (1529), das Haus "Am Sack" in Braunschweig hervorragende Beispiele, dann außer in den genannten Städten noch in Goslar, Celle, Hannover, Quedlinburg, Hameln, Stadthagen, Höxter, Osnabrück, Einbeck, Hamburg, Cassel.

Eine zweite Gruppe bilden die aus dem fränk. Bauernhause entwickelten Ständerbauten, die in Ober- und Niederhessen, am Mittelrhein, an der Lahn und Mosel, in Thüringen, am Main heimisch sind. Ein unlängst abgetragenes Haus in Marburg von 1320 eröffnet die Reihe, in der das Rathaus zu Alsfeld (1512), das Gasthaus zu Homberg (1480), Bauten in Frankfurt a. M., Nürnberg die ältere got. Zeit darstellen. Aus der Renaissancezeit sind die zierlichen Erker und Höfe Nürnbergs, das Salzhaus zu Frankfurt a. M., das Kammerzellsche Haus in Straßburg, Häuser in Mainz, Heldburg, Rhense künstlerisch wertvoll. Ähnlich gestaltet sich das schwäb.-alamann. Haus, das namentlich in Württemberg eine glänzende Ausbildung erhielt. Bauten zu Tübingen (Rathaus von 1435), Stuttgart, Schwäbisch-Hall, Rotenburg ob der Tauber und andern Orten sprechen hierfür.

Eine besondere Gruppe bildet die Schweizer H., welche bis vor kurzem fast allein Beachtung gefunden hat. Charakteristisch für sie ist auch die Anlage von offenen Hallen (Lauben) unter den weit vorragenden, meist flachen Dächern, und während bei den deutschen Häusern die Kunstformen in der Anordnung der Ständerbalken und des Riegelwerks wie in der Schnitzkunst beruhen, sind hier aus Brettern gesägte Ornamente das hervorragendste Schmuckmotiv und erzielen reizvolle Wirkungen.

Ähnlich, doch weniger kunstvoll, gestaltet sich der Holzbau Schlesiens und Böhmens und weiterhin der der slaw. Länder, namentlich Rußlands. In den außerdeutschen Ländern bietet das nördl. Frankreich und besonders England reiche Beispiele einer hochentwickelten H. In neuerer Zeit hat man, namentlich auf Anregung des Deutschen Architektenvereins, auf die Aufmessung alter Holzbauten und die Verwendung von deren Kunstformen das Augenmerk gerichtet. Nachdem der "Schweizerstil" lange Zeit allein vorgeherrscht hat, hat man jetzt mit Vorliebe auf die anmutige und kraftvolle, in den Harzgegenden heimische Bauweise zurückgegriffen.

Vgl.Dahl, Denkmale einer H. Norwegens (Dresd. 1837); Nash, The mansions of England in the olden time (4 Serien, Lond.1839 - 49); Viollet-le-Duc, L'art russe, ses éléments constitutifs, son apogée, son avenir (Par. 1877); Lehfeldt, Die H. (Berl. 1880); Gladbach, Die Holzarchitektur der Schweiz (2. Aufl., Zur. 1885); ders., Der schweiz. Holzstil (1. Serie, ebd. 1882; 2. Serie, ebd. 1886); ders., Charakteristische Holzbauten der Schweiz vom 16. bis 19. Jahrh. (Berl. 1889-93); Lachner, Geschichte der H. in Deutschland (2 Tle., Lpz. 1885 u. 1887); Cuno und Schäfer, Holzarchitektur des 14. bis 18. Jahrh. (Berlin).

Holzbearbeitung, die entweder durch Werkzeuge oder durch Maschinen (Holzbearbeitungsmaschinen) erfolgende mechan. Bearbeitung des Holzes. Der eigentlichen H. geht die Holzgewinnungsarbeit voraus, die in dem Fällen der Bäume besteht, wozu die Fällaxt (s. d.) oder Sägen oder endlich besondere Baumfällmaschinen (s. Sägemaschinen) dienen. Die folgende Verarbeitung richtet sich nach dem Zweck, dem das Holz dienen soll. Soll es zu Brennholz verarbeitet werden, so wird der gefällte Stamm senkrecht zur Achse durch Sägen oder Sägemaschinen in Klötze zerlegt, die ihrerseits wieder durch Äxte (s. d.) oder Holzspaltemaschinen (s. d.) parallel zur Stammachse in die erforderlichen Stücke zerspalten werden. Die Verarbeitung zu