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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Horn

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Horn (Musikinstrument)

verbinden, wonach sie, erkaltet, ihre frühere Festigkeit wiedererhält. Durch diese Eigenschaften unterscheidet sich das H. als Rohmaterial zahlreicher Industrien vorteilhaft vom Knochen. Die Hornscheiden lassen sich verhältnismäßig leicht von den Knochenzapfen trennen, indem man die mit diesen abgeschlagenen H. zwei bis sechs Wochen lang in Wasser einweicht, worauf man die massive Spitze absägt und diese sowie das hohle Stück (Hornschrot) für sich verarbeitet. Die Spitzen werden zu Drechslerarbeiten, Stockknöpfen u. s. w., verwendet; die Hornschrote werden erst einige Tage in kaltes Wasser gelegt und dann durch mehrstündiges Liegen in kochendem Wasser erweicht. Nachdem man diese Erweichung durch vorsichtiges Erwärmen der Schrote über freiem Feuer fortgesetzt hat, werden dieselben mittels eines kurzen, krummen Messers der Länge nach aufgeschnitten, wobei die Schnittrichtung durch die Form sowie durch die Fehler des H. bedingt ist. Ein Arbeiter, welcher in jeder Hand eine Flachzange hält, faßt alsdann die beiden Ränder des aufgeschnittenen H. und zieht dasselbe auseinander, indem er diese Art des Plättens durch zeitweises Erwärmen unterstützt. Die so entstandene, beinahe ebene Platte wird an den Rändern, um sie vor dem Aufreißen zu schützen, mit kaltem Wasser benetzt und, bevor sie sich abkühlt, zwischen zwei Eisenplatten in einen Schraubstock gebracht, um einem gelinden Druck ausgesetzt zu werden; nachdem sie erkaltet ist, wird sie noch einige Augenblicke in kaltes Wasser gelegt. Es folgt nun eine nochmalige Erwärmung über Feuer und das Reinigen der Oberfläche sowie die Beseitigung dickerer Stellen mittels eines Messers. Darauf werden die Platten in kaltes und dann kurze Zeit in warmes Wasser gelegt und kommen, mit geschmolzenem Talg bestrichen, abwechselnd mit warmen Eisenplatten geschichtet, in eine Schraubenpresse, in welcher sie unter starkem Druck so lange bleiben, bis sie vollständig erkaltet sind. Die entsprechend beschnittenen Platten werden je nach der Art der herzustellenden Gegenstände (allerlei Drechslerwaren, Dosen, Kämme) durch Sägen, Feilen, Schaben u. s. w. weiter bearbeitet und durch Färben, Schleifen, Polieren vollendet. Die Abfälle der Hornverarbeitung werden, zu Pulver zerkleinert, in Metallformen unter Erhitzung zusammengepreßt und zu Knöpfen, Tabaksdosen u. s. w. verarbeitet. Durch Anwendung verschiedener chem. Ingredienzen (Goldauflösung in Königswasser, Höllensteinauflösung u. s. w.) läßt sich das H. dem Schildpatt ähnlich machen.

Die Herstellung von Hornwaren erfolgt zum Teil noch im Handwerksbetrieb, fabrikmäßig nur da, wo gleichzeitig Elfenbein, Schildkrot und ähnliche Stoffe zu gewöhnlichen Verbrauchs- wie Schmuckgegenständen verarbeitet werden. Die Fabrikation der Hornwaren ist deshalb kaum konzentriert und beschränkt sich in der Hauptsache auf eine Anzahl von Mittel- und Großstädten. In 1892 wurden aus Deutschland für 3300000 M. derartige Waren ausgeführt, während die Einfuhr 1 Mill. M. nur wenig überstieg.

Horn (ital. corno; frz. cor), eins der ältesten Blasinstrumente, ursprünglich nur ein einfaches Kuh-, Widder- u. s. w. Horn, in jetziger vervollkommneter Form bestehend aus einer messingenen, inwendig verzinnten Röhre, die am einen Ende ein kesselartig ausgetieftes Mundstück hat, am andern in einen Schalltrichter,Becher oder Stürze genannt, ausläuft. ^[Spaltenwechsel] Die Röhre ist einmal oder mehrfach im Kreise gewunden und die Windungen, damit die nebeneinander liegenden Teile nicht aus ihrer Richtung weichen, sind zusammengelötet. Man unterscheidet zwei Arten von H.: das einfache Natur-, Wald- oder Jagdhorn (corno da caccia, cor de chasse) und das Ventilhorn, die darin voneinander abweichen, daß die Mannigfaltigkeit von Tönen auf dem Naturhorn nur mittels der Lippenstellung und Art des Anblasens (Ansatz genannt), auf dem Ventilhorn jedoch unter Mitwirkung einer mechan. Vorrichtung hervorgebracht wird. Die Röhre des H. (beim Naturhorn durchaus ohne Tonlöcher) hat am Mundstück weniger als 1 cm Durchmesser, erweitert sich von da allmählich bis auf 1,3 cm, bis ungefähr 1 m vor dem Rande der Stürze, von wo ab ihr Durchmesser allmählich bis zum Ansatz der Stürze sehr merklich wächst. Die Stürze selbst nimmt dann sehr schnell bis auf etwa 2,6 cm Durchmesser an ihrem Rande zu. Die Röhrenlänge beträgt beim C-Horn 6 m, ihr Grundton ist das 16füßige oder Kontra-C der Orgel. Ohne Anwendung anderer Mittel als der verschiedenen Art des Anblasens und der Lippenstellung erscheint auf dem H., wie auch auf allen übrigen Blechinstrumenten, diejenige Tonreihe, welche man an Saiten als mitklingende oder harmonische Obertöne kennt, nämlich C G c e g (b) ^[eingestrichen] c d e (f) g (a) b h ^[zweigestrichen] c u.s.w. (Die eingeklammerten Töne sind nicht ganz rein.) Neben diesen dem H. natureigenen, offenen Tönen lassen sich aber noch andere erzeugen, und zwar entweder durch bloßen Lippendruck: künstlich offene, oder indem der Schallbecher mehr oder weniger, für gewisse Töne nur um die Hälfte, ein Drittel, ein Viertel oder ganz mit der Hand geschlossen (gestopft) wird: Stopftöne. Die Stopftöne unterscheiden sich von den offenen durch einen gepreßten dumpfen Klang, machen daher eine völlig gleichmäßig gefärbte chromatische Skala über den ganzen Umfang des Instruments unmöglich. Deshalb gebraucht man in Tonstücken, die in verschiedenen Tonarten stehen oder andauernd in verschiedenen Tonarten modulieren, H. von entsprechend verschiedenen Grundtönen oder Stimmungen. Die gewöhnlichsten dieser Stimmungen sind die in tief B, C, D, Es, E, F, G, As, hoch A, B und C. Die Skala jeder dieser Stimmungen kann durch Anschiebung eines gebogenen Stücks Röhre (Krummbogen oder Satzstück), wodurch die Röhre verlängert wird, um einen halben Ton tiefer gemacht werden, woraus dann die noch fehlenden Tonarten sich ergeben. Sämtliche Stimmungen werden, von dem Normalhorn in C ausgehend, in C-Dur, ohne Vorzeichnung notiert, und zwar im Violinschlüssel; nur bei den ersten, tiefsten Tönen gebraucht man den Baßschlüssel. Da die für ein Tonstück erforderliche Stimmung nicht aus der Notierung zu erkennen ist, so wird sie angemerkt, z. B. Corno in F, C, B alto, B basso u. s. w. Das hohe C-Horn ist das einzige, dessen Tonhöhe mit der Notierung übereinkommt; alle übrigen klingen tiefer, als die Notenschrift angiebt. Die Form des Waldhorns, wie sie in der Kunstmusik bleibend zur Geltung gelangte, soll um 1680 in Paris entstanden und durch den Grafen Spork kurz danach in Mitteldeutschland eingeführt worden sein. Durch Verwendung mehrerer Krummbögen für ein und dasselbe H. entstand das Inventionshorn. (S. Blasinstrumente.) Die Ventile, durch die das einfache Waldhorn zum chro-^[folgende Seite]