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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Humboldt

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Humboldt (Alexander von)

während der Revolution von 1848 zum Unterpräfekten in Thionville ernannt, mußte aber 1851 sein Amt niederlegen und kehrte nach Paris zurück, wo er, wie vorher, jurist. Privatunterricht erteilte. Nachdem er 1859 den Titel eines Agrégé erhalten hatte, ging er als Professor des röm. Rechts nach Toulouse. Bei den Wahlen vom 8. Febr. 1871 zum Abgeordneten des Depart. Haute-Garonne ernannt, Mitglied, dann Vicepräsident der republikanischen Linken, that er sich als Redner besonders in den jurist. Fragen hervor. 1875 ward er zum lebenslänglichen Senator, 1877 bei dem Antritt des Ministeriums Dufaure zum Generalprokurator an der Rechnungskammer, endlich 30. Jan. 1882 bei der Bildung des Kabinetts Freycinet zum Minister der Justiz ernannt. Er bekleidete dieses Amt bis zum Rücktritt des Ministeriums, 29. Juli 1882. Dann wurde er Vicepräsident des Senats und März 1890 zum Präsidenten des Obersten Rechnungshofs ernannt. H. schrieb, außer zahlreichen rechtsgeschichtlichen Aufsätzen in dem "Recueil de l'Académie de législation de Toulouse", der "Revue historique de droit" und andern Zeitschriften, einen "Essai sur les finances et la comptabilité publique chez les Romains" (2 Bde., Par. 1887) und "Organisation de l'Empire romain" (1892).

Humboldt, Alexander, Freiherr von, geb. 14. Sept. 1769 zu Berlin, genoß gemeinschaftlich mit seinem ältern Bruder Wilhelm von H. (s. d.) einen sorgfältigen Privatunterricht, besuchte Winter 1787-88 die Universität Frankfurt a. O. und lebte den folgenden Sommer und Winter wieder in Berlin, teils um Technologie, auf das Fabrikwesen angewendet, zu studieren, teils um Griechisch zu lernen. Damals schloß er sich dem Botaniker Willdenow an und übersetzte Thunbergs Abhandlung "De arbore macassariensi" ins Französische ("Sur le Bohon-Upas par un jeune gentilhomme"). Dies ist seine erste, anonym gedruckte litterar. Arbeit. 1789 hörte H. in Göttingen zuerst philologische, später naturwissenschaftliche Vorlesungen bei Blumendach, Beckmann, Gmelin, Lichtenberg und Lint, und machte Reisen in den Harz und an die Rheinufer. Im Frühjahr 1790 begleitete H. von Mainz aus Georg Förster auf einer Reise durch Belgien, Holland, England und Frankreich. Im Juli 1790 ging er nach Hamburg auf die Handelsakademie von Busch und Ebeling, wo er die günstigste Gelegenheit zur Übung in lebenden Sprachen fand. Nach einem fünfmonatigen Aufenthalt im mütterlichen Hause bezog er im Juni 1791 die Bergakademie zu Freiberg. Hier genoß er den Privatunterricht Werners und die Freundschaft Freieslebens, Leopold von Buchs und Andreas Del Rios. 1792 begleitete er den Minister von Heinitz, der ihn schon im Februar desselben Jahres zum Assessor im Bergdepartement ernannt hatte, in die Markgrafschaft Bayreuth, ward alsbald Oberbergmeister in den frank. Fürstentümern, ein Amt, das er bis 1797 mit verschiedenen Unterbrechungen verwaltete. Damals schrieb er über die Natur der Grubenwetter und konstruierte eine nicht verlöschende Lampe und eine Respirationsmaschine nach dem Princip von Beddoes.

Der Tod seiner Mutter im Nov. 1796 reifte in H. den Entschluß zu großen wissenschaftlichen Reisen. Nachdem er im März 1797 seine amtlichen Verhältnisse gelöst hatte, verbrachte er zunächst drei Monate in inniger Verbindung mit Goethe und Schiller zu Jena und trat dann im Nov. 1797 mit L. von Buch

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eine Reise nach Italien an und durchzog Salzburg und Steiermark. Als er sich aber durch Tirol nach dem Süden wenden wollte, sah er sich durch den in ganz Italien ausgebrochenen Krieg genötigt, seinen Plan aufzugeben. Unterdessen erhielt er von Lord Bristol die Einladung, sich ihm auf acht Monate zu einer Expedition nach Oberägypten anzuschließen. Er wollte folgen und war schon nach Paris gereist, um Instrumente anzukaufen, als Bonaparte im Mai 1798 nach Ägypten abging und Lord Bristol in Mailand verhaftet wurde. In Paris erfuhr H. die zuvorkommendste Aufnahme seitens der berühmtesten Gelehrten. Auch befreundete sich hier H. mit dem Botaniker Aimé Bonpland (s. d.). Infolge eines Anerbietens des schwed. Konsuls Skiöldebrand wollte er nun den Atlas bereisen. Aber auch dieser Plan scheiterte, weil die schwed. Fregatte, die ihn von Marseille nach Afrika hinüberführen sollte, im Sturm beschädigt war und monatelang in Cadiz liegen mußte. Dann wollte H. mit einem kleinen Schiffe nach Tunis hinübergehen, erfuhr aber am Tage zuvor, daß die tunesische Regierung alle Franzosen einkerkere. So beschloß H., mit Bonpland den Winter in Spanien zuzubringen. Die außerordentliche Gunst, deren H. sich an dem span. Hofe in Aranjuez drei Monate lang durch Vermittelung des sächs. Gesandten Baron von Forell zu erfreuen hatte, eröffnete ihm den Zugang zu allen span. Besitzungen in Amerika und dem Großen Ocean.

Mitte Mai verließ H. Madrid, ging nach Coruna, schiffte sich mit Bonpland 5. Juni 1799 auf der Fregatte Pizarro ein und landete 19. Juni im Hafen von Sta. Cruz auf Teneriffa. H. und Bonpland erstiegen den Pik und sammelten zahlreiche Beobachtungen über die Insel. Am 16. Juli 1799 betraten sie den Boden Amerikas bei Cumana. Eine Forschungsreise durch die Provinzen des jetzigen Freistaates Venezuela währte 18 Monate, dann ging es von Caracas nach Süden, über die Llanos zum Orinoco. Auf Indianerkähnen (ausgehöhlten Baumstämmen) drangen H. und Bonpland durch die Katarakten von Atures und Maipures südwärts bis zur Einmündung des Atabapo, dann diesen Fluß aufwärts durch die Wälder von Pimichin, wo die Kähne über Land gezogen werden mußten, zum Rio Negro, und diesen großen Nebenfluß des Amazonenstroms hinab bis zum südlichsten Grenzposten der Spanier, dem Fort San Carlos am Rio Negro. Von da gelangten sie durch den Casiquiare wiederum in den Orinoco. Sie fuhren sodann den Strom bis Angostura hinab und erreichten Cumana am Ende einer Reise, die zuerst auf astron. Bestimmungen gegründete Kenntnis von der so lange bestrittenen Bifurkation des Orinoco geliefert hat. H. und Bonpland schifften sich im Aug. 1800 nach Habana ein und begaben sich im März 1801 nach Cartagena, dann auf dem Magdalenenstrom bis Honda und von da nach Bogota. Im Sept. 1801 ging die Reise nach Süden fort nach Quito. Fünf Monate, vom 6. Jan. bis 9. Juni 1802, vergingen hier mit Untersuchungen im Hochthale von Quito. Der Chimborazo wurde 23. Juni 1802 bis zur Höhe von 5810 m erstiegen. H. stand hier auf dem höchsten, je vorher von Menschen erstiegenen Punkte der Erde und wurde nur durch eine tiefe Schlucht an der Erklimmung der äußersten noch um 500 m höhern Spitze gehindert. Über Cuenca und die Chinawälder von Loja stiegen sie in das Thal des obern Amazonenflusses hinab, erreichten den westl. Abfall der