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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hydrazobenzol - Hydrochinon

leichte Oxydierbarkeit,insbesondere durch ihre Fähigkeit, alkalische Kupferlösung (Fehlingsche Lösung, s. d.) zu reduzieren. Je nachdem in der einen Amidgruppe des Hydrazins ein oder zwei Wasserstoffatome durch Alkoholradikale ersetzt sind, unterscheidet man primäre H. (z. B. Methylhydrazin, CH3·NH·NH2) oder sekundäre H. (z.B. Diäthylhydrazin [C2H5]2·N·NH2). Sind hingegen zwei Wasserstoffatome aus beiden Amidgruppen durch andere (aromatische) Radikale ersetzt, so nennt man diese Verbindungen, die viel schwächere Basen sind, Hydrazoverbindungen (s. Hydrazobenzol). Die H. entstehen durch Reduktion der Nitrosamine (s. d.). Wichtiger als die H. der Fettreihe sind diejenigen mit aromatischen Radikalen, insbesondere das Phenylhydrazin (s. d.).

Hydrazobenzol, eine organische Verbindung von der Konstitutionsformel C6H5·NH·NH·C6H5. Es ist der Repräsentant einer ganzen Klasse von Verbindungen, der Hydrazoverbindungen, Verbindungen, die sich vom Hydrazin (s. d.) durch symmetrische Ersetzung zweier Wasserstoffatome in beiden Amidogruppen durch aromatische Radikale ableiten. Hydrazoverbindungen mit Radikalen der Fettreihe sind unbekannt. Sie sind isomer mit sekundären Hydrazinen (s. d.), die unsymmetrische Abkömmlinge des Hydrazins sind; so ist z. B. das Diphenylhydrazin, (C6H5)2·N·NH2, isomer mit H. Die Hydrazoverbindungen sind krystallisierte, in Wasser schwer lösliche, farblose Substanzen, die aus den gefärbten Azoverbindungen durch Reduktion mit Schwefelammonium oder Zinkstaub entstehen, z. B.

C6H5·N:N·C6H5 (Azobenzol) + 2H = C6H5·NH·NH·C6H5 (Hydrazobenzol).

Das H. ist ein kampferartig riechender, in Blättchen vom Schmelzpunkt 131° krystallisierender Körper, der durch Oxydation wieder Azobenzol liefert, durch starke Reduktionsmittel, wie Natriumamalgam in Anilin, C6H5·NH2, zerfällt und durch die Wirkung starker Säuren eine eigentümliche, sich bei fast allen Hydrazoverbindungen analog wiederholende Umlagerung in Benzidin (s. d.) erfährt:

C6H5·NH·NH·C6H5 = NH2·C6H4·C6H4·NH2.

Hydrazone, s. Phenylhydrazin.

Hydrazonfarbstoffe, künstliche Farbstoffe, die durch Einwirkung von Phenyl- oder Naphthylhydrazin auf ketonartige Verbindungen entstehen. Hierher gehören Tartrazin (s. d.), Isatingelb (s. d.) und Phenanthrenrot (s. d).

Hydrazoverbindungen, s. Hydrazine und Hydrazobenzol.

Hydrea, griech. Insel, s. Hydra.

Hydria, altgriech. Wasserkrug mit einem Henkel am Rücken und zwei kleinen an den Seiten.

Hydriatrik (grch.), s. Kaltwasserkur.

Hydriot, Bewohner der Insel Hydra (s. d.).

Hydro..., s. Hydor.

Hydroa (grch.), Schwitzbläschen, s. Hidroa.

Hydrobat (grch.), Wassertreter, Schwimmkünstler.

Hydroboracit, Mineral, s. Boronatrocalcit.

Hydrobromsäure, Bromwasserstoffsäure, s. Bromwasserstoff.

Hydrocarbongas, s. Wassergas.

Hydrocarbür, Photogen, Mineralöl oder Schieferöl, ein zur Beleuchtung mittels Lampen dienendes, farbloses oder gelbliches Öl, das aus dem bei der trocknen Destillation der bituminösen Schiefer, der Braunkohlen, des Torfs und der Bogheadkohle entstehenden Teer abgeschieden wird. Seine Bereitung und Anwendung verdankt es Versuchen, die Selligue in Paris seit 1834 anstellte. Seine große Flüchtigkeit und Leichtentzündlichkeit machte das früher im Handel befindliche H. in bedeutendem Grade feuergefährlich; durch seinen unangenehmen, den Kopf einnehmenden Geruch konnte es unter Umständen beschwerlich fallen. Durch sorgfältiger ausgeführte Reinigung, die jetzt allgemein in den Fabriken vorgenommen wird, hat es diese übeln Eigenschaften verloren, und das jetzt von den sächs.-thüring. Paraffinfabriken unter dem Namen Photogen in den Handel gebrachte H. ist dem besten Petroleum gleichzusetzen. Es siedet zwischen 100 und 300° C. und hat das spec. Gewicht 0,795 bis 0,805.

Hydrocarotin, s. Angelikawurzel.

Hydrocele (grch.), der Wasserbruch, s. Hoden (S. 241 b). Hydrocele chylosa, s. Chylocele.

Hydrocellulose, ein Umwandlungsprodukt der Cellulose, das durch Einwirkung von mäßig verdünnter Schwefelsäure auf Baumwolle, Papier u. dgl. entsteht und angeblich der Zusammensetzung C12H22O11 entspricht. Die H. unterscheidet sich von gewöhnlicher Cellulose dadurch, daß sie gewisse Farbstoffe, die von der Cellulose, Baumwolle u. dgl. nicht aufgenommen werden, direkt und ohne Zuhilfenahme eines andern Körpers fixiert. Auf Grund dieser Eigenschaften hat man die Bildung der H. in der Färberei der Baumwollstoffe zu verwerten gesucht, wobei aber große Vorsicht anzuwenden ist, da die Gewebe leicht dabei zerstört werden. Bei der Fabrikation von Pergamentpapier werden die Papierfasern oberflächlich in H. umgewandelt.

Hydrocephalus (grch.), Wasserkopf, Gehirnwassersucht (s. d.).

Hydrocerame (frz., spr. idroßerahm), Kühlgefäß, s. Alcarraza.

Hydrocharidaceen (Hydrocharideen), monokotyledonische Pflanzenfamilie aus der Ordnung der Helobien (s. d.) mit gegen 40 Arten in den wärmern und gemäßigten Gegenden der ganzen Erde. Sämtliche Arten sind Wasserpflanzen und in ihrem Habitus, hauptsächlich in der Form ihrer Blätter, sehr verschieden. Die Blüten sind getrennt-geschlechtig, meist klein und weiß oder rötlich gefärbt. Sie sitzen oft auf sehr langen Stielen, damit sie bis an die Oberfläche des Wassers gelangen können. Zur Familie der H. gehört u. a. die sog. Wasserpest (s. Elodea), der Froschbiß (s. Hydrocharis) sowie die vielfach in Aquarien gezogene Vallisneria. (s. d.).

Hydrocharideen, s. Hydrocharidaceen.

Hydrocharis L., Froschbiß, Pflanzengattung aus der Familie der Hydrocharidaceen (s. d.). Man kennt nur eine Art, H. morsus ranae. (s. Textfigur 2 zu Artikel Helobien), die in Europa und im mittlern Asien verbreitet ist. Es ist eine Wasserpflanze, welche schwimmende, kreisrunde, an der Basis tief herzförmige Blätter und schöne weiße Blüten besitzt. Sie findet sich in Deutschland ziemlich häufig in stehenden Gewässern, Gräben u. dgl. Da sie sich leicht kultivieren läßt, wird sie vielfach als Zierpflanze in Aquarien gezogen.

Hydrochinon, eine chem. Verbindung von der Zusammensetzung C6H6O2, die als Paradioxybenzol C6H4(OH)2, aufzufassen ist, d. h. als ein Benzol, in dem zwei in der Parastellung befindliche Wasserstoffatome (s. Aromatische Verbindungen) durch Hydroxylgruppen ersetzt sind. Es ist isomer mit dem Brenzkatechin und dem Resorcin (Ortho- und Metadioxybenzol). H. findet sich in der Natur in dem Gly-^[folgende Seite]