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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Iatrie; Iatrochemie; Iatrochemiker; Iatromathematiker; Iatromechaniker; Iatrotechnik; Ib

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Iatrie - Ib.

herabstürzenden Stück der Argo, des Schiffs, welches ihn nach Kolchis gebracht hatte, erschlagen. Andere erzählen, daß I. mit Weib und Kind nach Kerkyra ausgewandert oder nach Kolchis zurückgekehrt sei; sein Sohn Medeios soll den Medern den Namen gegeben haben. I. wird auch unter die Jäger des kalydonischen Ebers gezählt; aber seine ursprüngliche Bedeutung beschränkt sich auf das Herbeischaffen des Goldenen Vließes, er ist der Retter (I. bedeutet Heiland), der dem dürren Lande die fruchtbare Regenwolke herbeiführt; die jüngern Erzählungen von seiner Verbindung mit Medeia haben seinen Heroenwert herabgesetzt, Euripides läßt ihn sogar eine unwürdige Rolle spielen. Dies scheint der Grund zu sein, warum I., wenn er auch in einigen Hafenstädten besonders des Schwarzen Meers heroische Ehren genoß, von der bildenden Kunst vernachlässigt wurde; nur in Reliefs und Vasenbildern, die auf bedeutendere Gemälde zurückgehen mögen, sind seine kolchischen Thaten dargestellt. Bekannt ist eine Iasonstatue aus Marmor von Thorwaldsen (1828). - Vgl. H. Heydemann, I. in Kolchis (Hallesches Winckelmann-Programm 1886).

Iatrie (grch.), ärztliche Thätigkeit und Kunst.

Iatrochemie (grch.), die Richtung der Chemie, die, von der Mitte des 16. bis gegen Ende des 17. Jahrh. dauernd, sich hauptsächlich mit der Erklärung der physiol. und pathol. Erscheinungen des menschlichen Körpers durch chem. Zustände und Vorgänge abgab und die Krankheiten demgemäß durch chem. Präparate zu heilen suchte. Eingeleitet wurde sie durch die Ansicht der Alchimisten, daß der Stein der Weisen zugleich das universellste und mächtigste Heilmittel sei, und die Entdeckung vieler auf den Organismus in bestimmter Weise wirkenden chem. Präparate. In letzterer Beziehung bildet namentlich der letzte große Alchimist, Basilius Valentinus, den Übergang von der reinen Alchimie zum iatrochem. Zeitalter. Der erste eigentliche Begründer der I. aber ist Paracelsus. Im Anschluß an die alchimist. Theorien von der Zusammengesetztheit der Metalle aus philos. Quecksilber und Schwefel erklärte er diese beiden zusammen mit dem philos. Salz als die Grundbestandteile aller organischen Körper. Richtige Mischung dieser drei Grundstoffe bedinge den normalen physiol. Zustand, dessen Vorgänge, namentlich die Verdauung, durch ein vom menschlichen Willen unabhängiges geistiges Wesen, den Archeus, reguliert würden. Jede Änderung in den Mischungsverhältnissen oder Entmischung bewirke Krankheiten. So sollte das Überhandnehmen des Schwefels Fieber und Pest, des Quecksilbers Lähmungen und Schwermut, des Salzes Durchfälle und Wassersucht hervorrufen u. s. w. Des Arztes Aufgabe sei es, diese Verhältnisse zu erkennen und mit richtig gewählten chem. Heilmitteln das normale Mischungsverhältnis durch Entfernung des schädlichen Überflusses oder Ersatz des Mangels an einem oder dem andern der drei Grundbestandteile wiederherzustellen. Dazu sei natürlich auch die Kenntnis der chem. Zusammensetzung dieser Heilmittel erforderlich. Diese Kenntnis und die Darstellung der Heilmittel sei Aufgabe der Chemie. Namhafte Vertreter der I. (Iatrochemiker oder Chemiatriker) nach Paracelsus sind u. a. Leonhard Thurneyssen, Turquet de Mayerne, Libavius (Libau) und vor allen in selbständigerer Weise van Helmont und seine Nachfolger Franz de le Boë (Sylvius) und Tachenius. Nach van Helmont ist neben den übrigen namentlich das Wasser einer der wichtigsten Grundbestandteile der Organismen, eine der Hauptursachen der normalen und abnormen Lebensprozesse, der Gärung u. s. w. Die Periode der I. bereicherte durch ihre Entdeckungen, unter denen namentlich auch die Unterscheidung verschiedener gasförmiger Stoffe durch van Helmont bedeutungsvoll wurde, das chem. Thatsachenmaterial in solchem Grade, daß das Interesse daran an sich, ohne praktische Nebenzwecke, daß also eine unabhängige wissenschaftliche Chemie ermöglicht wurde. (S. Phlogistische Chemie.)

Iatrochemiker, s. Iatrochemie.

Iatromathematiker, im Altertum Bezeichnung derjenigen Ärzte, welche noch neben ihrem eigentlichen Berufe mathem. Wissenschaften, besonders Astronomie und Astrologie trieben und wohl auch diese beiden Wissenschaften aus eigenem Aberglauben oder, um sich mehr Ansehen zu verschaffen, mit der Medizin verbanden, ohne gerade in die Klasse der Magier zu gehören. In der neuern Zeit bedeutet dieser Name, welchem der der Iatromechaniker oder Iatrophysiker gleichsteht, die Anhänger einer eigenen mediz. Schule, welche die Gesetze der Physik im lebenden gefunden und kranken menschlichen Körper als das hauptsächlich wirksame Moment nachzuweisen suchte. Die ältere Schule dieses Namens feierte ihren Haupttriumph in der durch Harvey (1616) gemachten Entdeckung des Blutkreislaufs. Schon Santorio Santoro aus Capo d'Istria (1561-1636, Professor zu Padua und Venedig) stellte physiol. Versuche zur Entdeckung physik. Gesetze im tierischen Körper, insbesondere zahllose genaue Messungen und Wägungen zur Bestimmung der Hautausdünstung, der tierischen Wärme, des Stoffumsatzes und des Kreislaufs an, und nach ihm erklärte Alfonso Borelli (1608-79, Professor in Pisa) in dem nach seinem Tode (1679) erschienenen Buche "De motu animalium" (Rom 1680) die Prozesse im lebenden Organismus nach den Gesetzen der Statik und Hydraulik, indem er ihn mit einer einfachen Maschine verglich. Borellis System fand seine meisten Anhänger in Italien, unter denen besonders Lorenzo Bellini (1643-1704, Professor in Pisa) und Giorgio Baglivi (1669-1707, Professor in Rom) zu nennen sind, und in England, wo besonders James Keill, Iurin, George Cheyne begeisterte Verbreiter der neuen Lehre waren. In Deutschland wurde dieselbe nur der Hauptidee nach andern Systemen, z. B. dem von Voerhaave, F. Hoffmann, zu Grunde gelegt. Doch war die damalige Physik noch zu arm an erklärten Thatsachen, als daß sie Ausreichendes und Dauerndes für die Begründung der ärztlichen Wissenschaften hätte liefern können. Die neuere, durchaus auf unbezweifelbare mathem. Sätze begründete Physik bietet dessen um so mehr und ist daher auch zu diesem Zwecke allseitig angewendet worden. Die mediz. Wissenschaft der Gegenwart konstatiert, daß eine Menge der wichtigsten Vorgänge im gesunden und kranken menschlichen, tierischen (und pflanzlichen) Organismus rein auf physik. (bez. chemischen) Vorgängen beruht und nach physik. Gesetzen vollständig erklärbar ist.

Iatromechaniker, Iatrophysiker, s. Iatromathematiker.

Iatrotechnik (grch.), praktische Heilkunst, besonders Wundarzneikunst.

Ib., Abkürzung für Ibidem (s. d.).