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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Im Boden - Imhof
nungen sinden sich an den Grannen mancher Hafer-
arten sowie an den langen Fortsätzen der Feder-
gräser (ätipa.). Die Bewegungen, welche diese Ge-
bilde bei Aufnahme von Wasser oder Wasserdampf
ausführen, sind zum Teil so ansehnliche, daß man
sie als Hygroskope benutzen kann. In manchen
Gegenden werden auch wirklich jene korkzieherartig
gewundenen Früchtchen von Nroäium, die sich bei
feuchter Luft aufrollen/beitrocknerwiederzusammen-
rollen, als Hygroskope insofern benutzt, als man aus
ihren Bewegungen auf Eintritt von Regen oder
schönem Wetter schließt. (S. Ni-oäwm.)
Im Boden, Bezirk im schweiz. Kanton Grau-
bünden, an der Vereinigung von Vorder- und
Hinterrhein, hat 206,5 <ikm und (1888) 5194 E.,
darunter 2493 Evangelische, in 7 Gemeinden und
zerfällt in die 2 Kreise Rhä'züns (3 Gemeinden,
2522 E.) und Trins (4 Gemeinden, 2672 E.).
Imbriani, Vittorio, ital. Dichter und Kritiker,
geb. 27. Okt. 1840 zu Neapel, studierte daselbst, in
Zürich und Berlin Philologie und Philosophie,
machte die Feldzüge von 1859 und 1866 mit, lebte
dann in Neapel, Rom, Florenz, und erhielt 1884
die Professur der Ästhetik an der Universität Neapel.
Er war aber bereits so krank, daß er den Lehrstuhl
nicht mehr besteigen konnte, und starb 1. Jan. 1886.
Seine leidenschaftliche Heftigkeit, mit der er in der
Politik (als extremer Monarchist) und in der Litte-
ratur seine Ansichten vertrat, machten sein Leben
zu einem sehr unruhigen und zogen ihm zahlreiche
Duelle zu. Bei nicht unbedeutender Gelehrsamkeit
hinderte ihn Rechthaberei sowie seine Neigung zum
Sonderbaren, zum Kleinkram, ein Werk von bleiben-
dem Werte zu schaffen. Geschätzt sind seine Samm-
lungen von Volkssagen und -Liedern, wie "l^anti
popolari äöiis provincis msriäionNii" (2 Bde., Tur.
1871-72), "voäiei cauti pomiFliaiiSLi" (Neap.
1876), "1,2. novOiig^k üorenting." (Livorno 1877),
"?08ii6c1i6g.tg. äi?omp60 8aru6i1i" (Neap. 1885).
Eine Reihe kleiner Schriften bezieht sich auf Dante,
so "tzuanäo nacHus Iiauts?" (Neap. 1879), "3u11s
0Ä.Q20ui pi6tl086 äi Dante" (Bologna 1882), "1.3.
pl6t683. L62.tric6 üßiwolg. äi Dante" (Neap. 1882).
In "?NN6 u8urM6" (ebd. 1877) wollte er u. a. die
Wertlosigkeit von Goethes "Faust" erweisen. Von
seinen Gedichten erschien eine Sammlung "^sercH
äi plosoäiH" (Neap. 1874).
Imbriani - Po erio, Matteo Renato, ital.
Politiker, geb. 28. Nov. 1843 zu Neapel, besuchte
das Kadettenkorps zu Turin und trat 1861 in das
königl. Heer ein; 1866 war er Adjutant des Gene-
rals Cosenz, nach dem Gefecht ber Mentana (Nov.
1867) gab er jedoch seine Entlassung. 1878 grün-
dete er mit Bovio (s. d.) und andern die Irredenta
(s. Irredentisten) und schrieb die Zeitung "I^'Itaiig.
äsßii Itaiiani". Als Antwort auf die "Italien R68"
des Oberst Haymerle veröffentlichte er in Gemein-
schaft mit Vovlo und General Mezzacapo den Band
"?lo I^ti-ia". Nnter dem gleichen Titel leitete er
1881-84 eine Zeitung in Neapel, deren Hauptzweck
war, Osterreich zu bekämpfen. 1889 wurde er vom
zweiten Wahlkreis in Bari in die Kammer geschickt,
wo er mit größter Rücksichtslosigkeit seine Ansichten
entwickelte und unter oftmaliger Benutzung von
amtlichen Schriftstücken der Regierung entgegen-
trat. 1890 wählte ihn derselbe Wahlkreis wieder;
1892 erhielt er zwar in mehrern Wahlkreisen viele
Stimmen, drang aber nirgends durch. Die Kammer
annullierte indessen im Juni 1893 die Wahl seines
Gegners in Corato (Provinz Bari), worauf er 6. Aug.
das Abgeordnetenmandat erlangte.
Ilndri02.tu8 (lat., "hohlziegelförmig"), in der
Botanik von Pflanzenteilen, die wie Dachziegel sich
mit den Rändern und Spitzen decken, wie z. B. die
Schuppen der Tannenzapfen.
InidroFlio (ital., spr. -brolljo, d. h. Verwir-
rung) , in der Musik eine besondere, unregelmäßige
Art der Betonung, bei der in verschiedenen gleich-
zeitig erklingenden Stimmen die betonten und un-
betonten Taktteile so miteinander verwechselt oder
ineinander gewirrt werden, daß eine Vermischung
der geraden und ungeraden Taktart hervorgerufen
wird. Ein I. einfachster Art entsteht z. B.,wenn
die Oberstimme in °/g-Takt, der Baß in ^4 geführt ist.
Imbros, türk. Imrös, Insel des Agäischen
Meers, zum türk. Wilajet Dschesairi-Bahri-Sefid
gehörig, 20 wn im NO. von Limnos, an der linken
Seite des Eingangs zur Dardanellenstraße, 17 km
vom Festlande der Halbinsel von Gallipoli ent-
fernt, 255 <ikm groß, mit etwa 6500 griech. E. Die
aus vulkanischen Gesteinen zusammengesetzte Insel
ist im Hagios Ilias 597 m hoch; Berge und Flächen
sind kahl, kaum ein Achtel des Bodens ist kultur-
fähig. Man treibt Bienen- und Ziegenzucht. Der
Hauptort Kastron ist Sitz eines griech. Metropoliten.
Imer, Edouard, franz. Landschaftsmaler, geb.
25. Dez. 1828 zu Avignon, besuchte zwar mehrere
Ateliers bedeutender Künstler, bildete sich aber in
der Hauptsache durch das Studium der Natur aus.
Er war ein Landschaftsmaler von feiner Stimmungs-
fähigkeit und großartiger Auffassung. Seine Motive
sind fast aus allen Ländern Europas gewählt. Vor-
zügliche Werke I.s sind: Die Ruinen von Crozant,
Die Wälle von Aigues-Mortes, Der Teich von
Soumabre (1855), Die Gardbrücke (1861), Die
Lerninischen Inseln (1863), Der Golf Ionau (1863).
Auch lieferte er malerische Ansichten aus Venedig.
I. starb 13. Juni 1881 zu Haarlem.
Imeretlen, Landschaft in Transkaukasien, ehe-
mals selbständiges Reich im Bassin der Kwirila
und des Rion bis zum Zcheni-Zchali, umfaßte die
jetzigen Kreise Scharopani, Kutais und Ratscha des
russ. Gouvernements Kutais. (S. Georgien.)
Imeretinskij, Alexander Konstantinowitsch,
Fürst Bagration-Imeretinskij, russ. General,
geb. 1837, aus einem ehemals souveränen Fürsten-
geschlechte von Imeretien, besuchte 1859-62 die
Generalstabsschule (Nikolai-Akademie zu Peters-
burg), aus der er in den Generalstab des Gardekorps
übertrat. 1863 nahm I. an der Niederwerfung des
poln. Ausstandes teil, wurde 1869 Generalmajor
und Stabschef des Oberbefehlshabers über die
Truppen im Militärbezirke Warschau, 1872 Gehilfe
des Generalinspecteurs der Schützenbataillone, dann
im Aug. 1877 Commandeur der 2. Infanteriedivi-
sion in Kasan. Während des Türkenkrieges führte
I. diese Division vor Plewna, erstürmte unter dem
Befehl des Generals Skobelew 3. Sept. Lowaz,
nahm dann an der Belagerung von Plewna bis zur
Eroberung des Platzes teil und überschritt den Bal-
kan. Nach dem Friedensschlüsse wurde I. General-
lieutenant und Generaladjutant des Kaisers sowie
1879 Chef des Generalstabes im Militärbezirke
Petersburg und 1881 Generalprokurator und Chef
der Generaldirektion der Militärjustiz.
Imhof, Heinrich Max, schweiz. Bildhauer, geb.
14. Mai 1798 im Kanton Uri, bildete sich 1820-24
bei Dannecker in Stuttgart aus und arbeitete dann