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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Indoin; Indol; Indolenz; Indoles; Indonesien; Indophenin; Indophenole

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Indoin - Indophenole

"Indogerman. Forschungen" nebst einem "Anzeiger für indogerman. Sprach- und Altertumskunde" (bis 1893 2 Bände, Straßburg) heraus.

Durch die Erforschung der in den indogerman. Sprachen etymologisch übereinstimmenden Kulturwörter ist es möglich, die Gesittung des indogermanischen Urvolks vor seiner Trennung festzustellen. Sie war die eines nomadisierenden Hirtenvolks. Gezähmt waren Rind, Schaf, Ziege, Hund, wohl auch Schwein und Pferd, nicht aber Katze, Esel, Maultier und sämtliches Hausgeflügel. Gemeinsame Ausdrücke für den Ackerbau treten erst in den europ. Sprachen auf. Man zählte nach Nächten, Mondmonaten und Wintern. Als Getränk diente der Met. Die Künste des Flechtens, Webens und Spinnens waren erfunden. Von den Metallen war nur das Kupfer bekannt. Man wohnte in unterirdischen Gruben, aber auch in Hütten, die der Fenster noch entbehrten. Ausdrücke für einen primitiven Tauschhandel, für den Begriff des Maßes und für die Zahlen bis 100 waren vorhanden. Man kannte Boote und Ruder. Ein indogerman. Wort für das Meer und für das Salz läßt sich nicht nachweisen. Die auf Kauf des Weibes beruhende indogerman. Familie war rein agnatisch. Es gab Bezeichnungen für Vater, Mutter, Sohn, Tochter, Bruder, Schwester, Vatersbruder, Schwiegertochter, für die Eltern des Mannes (nicht für die der Frau), für Mannesbruder, Mannesschwester, für die Witwe (nicht für Witwer). Man lebte in Clanen, welche in Sippen und Familienverbände zerfielen und von Gauherren oder Königen geleitet wurden. Die Basis der Rechtspflege war die Blutrache. Die Religion war ein einfacher Kultus der Naturkräfte. Im Mittelpunkt stand die Verehrung des leuchtenden Himmels.

Welches die anthropol. Merkmale des Urvolks gewesen seien, ist schwer zu bestimmen, da es in den neubesetzten Ländern starken Mischungen mit den Ureinwohnern unterlag. Auch wo der Trennungspunkt oder die Urheimat der I. zu suchen sei, ist noch zweifelhaft. Während die ältern Gelehrten (Pott, Lassen, J. Grimm, M. Müller, Pictet) geneigt waren, den Ausgangspunkt der I. in Mittelasien, etwa in den Hochländern am obern Oxus und Jaxartes zu suchen, sprechen sich neuere Forscher mehr und mehr für unsern Erdteil aus: für Osteuropa Latham, Pösche, für Deutschland L. Geiger, Löher, für ganz Nordeuropa Cuno, für Skandinavien Penka, für Südrußland Bensey, Tomaschek. Die letztere Ansicht ist neuerdings von O. Schrader unter Hinweis auf die Lage der nordpontischen Steppen im ungefähren Mittelpunkt des ältesten indogerman. Verbreitungsgebietes und auf andere Gesichtspunkte näher begründet worden. Namentlich spiegeln sich auch nach Schrader sowohl die Bodenbeschaffenheit (Mangel an Gebirge und Wald, Reichtum an Flüssen) als auch die Kulturverhältnisse der Steppe überhaupt in dem Wortschatz der indogerman. Grundsprache ab. Ungefähr vom Mittellauf der Wolga her seien die Arier (Inder und Iranier) entlang dem Aralsee, dem Oxus und Jaxartes zunächst nach Baktrien gewandert, die Europäer hätten sich südwestlich in die fruchtbaren Länder zwischen der untern Donau, dem Dnjepr, den Karpaten geschoben, wo sie, von dem Urwald in ihren Wanderungen gehemmt, zum Ackerbau übergingen.

Über Kultur und Heimat des Urvolks handeln: A. Kühn, Zur ältesten Geschichte der indogerman. Völker (Berl. 1845); A. Pictet, Les origines indoeuropéennes (2 Bde., Par. 1859-63): B. Hehn, Kulturpflanzen und Haustiere (5. Aufl., Verl. 1888; 6. Aufl., neu hg. von O. Schrader, mit botan. Beiträgen von A. Engler, ebd. 1893); O. Schrader, Sprachvergleichung und Urgeschichte (2. Aufl., Jena 1890); B. Delbrück, Die indogerman. Verwandtschaftsnamen (Lpz. 1890); Job. Schmidt, Die Urheimat der I. und das europ. Zahlsystem (Berl. 1890).

Indoin, ein indigblauer, sehr echter Farbstoff, der gleichzeitig Safranin- und Azofarbstoff ist.

Indol, eine chem. Verbindung von der Zusammensetzung C8H7N ^[C<sub>8</sub>H<sub>7</sub>N], die aus dem Indigblau durch Reduktion entsteht und sich aus den Eiweißkörpern bei der Fäulnis, bei der Pankreasverdauung und beim Schmelzen der Eiweißkörper mit Kali bildet. I. ist nebst dem ihm homologen Skatol (s. d.) ein Bestandteil der menschlichen Exkremente. Seiner chem. Konstitution nach ist es ein Kondensationsprodukt eines Benzolkerns mit einem Pyrrolkern im Sinne der Formel

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Es kann auch künstlich auf mehrern Wegen dargestellt werden. Das I. ist eine in Blättchen krystallisierende Substanz, schmilzt bei 52° und siedet unter Zersetzung bei 245°. Mit Wasserdämpfen ist es leicht flüchtig. Auch in reinem Zustande riecht es nach Fäkalien. Es hat als Imidbase schwach basische Eigenschaften und ist schwer löslich in Wasser. Die Lösung färbt in der Wärme einen mit Salzsäure befeuchteten Fichtenspan rot. Durch Ersatz der Wasserstoffatome des I. durch andere Atome oder Radikale läßt sich eine sehr große Zahl von Derivaten ableiten, die zahlreiche Isomerien zeigen. Die, welche Alkylgruppen enthalten, sind dem I. sehr ähnlich. Man kennt aber auch Hydroxylderivate (Indoxyl, Oxindol, Isatin), Carbonsäuren u. s. w. Auch der Indigofarbstoff gehört zur Gruppe des I.

Indolenz (lat.), eigentlich Schmerzlosigkeit, bezeichnet überhaupt Unempfindlichkeit, Gleichgültigkeit und Trägheit oder Apathie, also den Zustand, wo man weder von angenehmen noch unangenehmen Ereignissen leicht zum Handeln erregt wird und daher am liebsten in einer trägen Ruhe ausharrt. Dieser Zustand, welcher entweder von Natur angelegt oder durch Abstumpfung der Empfindungen (infolge von Anstrengungen, Kummer oder Ausschweifungen) entstanden sein kann, beruht darauf, daß eine geringe geistige Erregbarkeit von Unentschlossenheit und Langsamkeit im Handeln, sowie umgekehrt ein hoher Grad geistiger Lebensthätigkeit von einer großen Regsamkeit im Handeln begleitet zu sein pflegt.

Indoles (lat.), Naturanlage; I. animi, Gemütsbeschaffenheit; I. morbi, die Natur, der Charakter der Krankheit.

Indonesien, zusammenfassende Bezeichnung für die Inseln des Malaiischen Archipels (s. d.).

Indophenin, ein blauer Farbstoff von der Zusammensetzung O12H7NOS ^[O<sub>12</sub>H<sub>7</sub>NOS], der beim Schütteln von Teerbenzol mit konzentrierter Schwefelsäure und Isatin aus dem im Benzol enthaltenen Thiophen gebildet wird. Das I. besitzt keine praktische Bedeutung.

Indophenole, Farbstoffe von ähnlicher chem. Konstitution wie die Indamine (s. d.); sie enthalten Hydroxylgruppen an Stelle der Amidogruppen.