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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Infam - Infanterie
dessen Beschlüsse von Martin V., Eugen IV., Niko-
laus V., Pius II. anerkannt worden sind, erklärte,
jede rechtmäßig berufene allgemeine Kirchenver-
sammlung habe ihre Autorität unmittelbar von
Achns^s, und in Sachen des Glaubens, in der
Beilegung von Spaltungen und in der Reforma-
tion der Kirche sei auch der Papst ihr unterworfen.
Aber der Sieg des Papsttums über die großen Kon-
zilien rief die kurialistische Gegenströmung hervor,
die darauf ausging, die Autorität des Papstes über
die der Konzilien zu erheben. Hauptvertreter dieser
Richtung ist der Kardinal Johann Torquemada, der
in seinem Werke über die Autorität des Papstes
und des allgemeinen Konzils (1450) wieder den Satz
vertrat, daß der Papst auch in Glaubcnssachen über
den Konzilien stehe, daher alle Entscheidungen der
letztern erst durch die päpstl. Zustimmung gültig
würden. Die Möglichkeit, daß ein Papst in Ketzerei
verfallen könne, giebt aber auch Torquemada, ebenso
wie Thomas von Aquino und alle seine Vorgänger
noch zu; doch kam seit seiner Zeit die Lehre aus,
daß auch in einem solchen Falle kein Konzil Macht
habe, den ketzerischen Papst zu richten. Ahnlich
äußern sich der Kardinal Cajetanus unter Leo X.
und Iacobazzi unter Clemens VII. Doch findet noch
im 16. Jahrh, unter den kath. Gegnern der Refor-
mation die kurialistische Theorie keineswegs allge-
meine Zustimmung, und noch das Tridentinische
Konzil schweigt darüber.
Die eigentlichen Begründer der konsequenten Un-
sehlbarkeitslehre sind die Jesuiten, deren Theorie
schon der Ordensgeneral Laynez zu Trient vertrat,
und Kardinal Bellarmin in seiner Schrift "v6 No-
maiio?ontiüc6" vollständig ausbildete. Hiernach
kann der Papst in Fragen des Glaubens und der
Sitte nicht irren und hat es niemals können, die
ganze Kirche aber war stets gehalten, seine Lehren
und Befehle unbedingt hinzunehmen. Seit dem
16. Jahrh, kam die Unterscheidung aus zwischen dem,
was der Papst ex catdeärk, und dem, was er als
(joctor privNw8 lehre, doch blieb zweifelhaft, was
unter einem Ausspruche sx catiioära, zu verstehen
sei. Noch zu Anfang des 18. Jahrh, behauptete ein
großer Teil der franz. Vischöse gegen die Jesuiten,
daß zu Aussprüchen 6x c^tlisära die Zustimmung
eines allgemeinen Konzils erforderlich sei, eine An-
sicht, die noch aus dem Vatikanischen Konzil von
der Minorität der Bischöfe verteidigt wurde. Die
Definition vom 18. Juli 1870 bestätigt die jesuitische
Doktrin, doch läßt auch sie noch in der Anwendung
des Grundsatzes auf den einzelnen Fall mancherlei
Zweifel offen. Der Protestantismus bestreitet die
I. des Papstes und der Konzilien, doch hat die prot.
Orthodoxie dafür die Unfehlbarkeit des Vibelbuch-
stabens behauptet. (S. Inspiration.) - Vgl. Lan-
gen, Das vatikanische Dogma von dem Universal-
episkopat und der Unfehlbarkeit des Papstes (4 Bde.,
Bonn 1871-76).
Infam (lat.), niederträchtig, ehrlos, verrufen;
intkMH, Infamie, soviel wie Ehrlosigkeit (s. d.);
IiMuiiH kacti, s. Bescholtenheit.
IntauÄuni, rbSiNÄ, Hudss ronovaro Äolö"
rsn" (lat.), "Einen unsäglichen Schmerz befiehlst du
zu erneuern, Königin", Citat aus Virgils "Äne'ide"
(II, 3); in der Übersetzung von Schiller lautet es:
"O Königin, du weckst der alten Wunde unnennbar
schmerzliches Gefühl".
lutans (lat.), im röm. Recht ein Kind unter
sieben Jahren (s. Alter).
Fnfänt (span. infauts; vom lat. wiauZ, d. i.
Kind) wurde sehr früh in Spanien und Portugal
der Titel sür die Prinzen des königl. Hauses, und
ebenso Infantin (Infantil.) für die Prinzessinnen.
Dies ist auch gegenwärtig beibehalten, nur daß
in Spanien seit dem 14. Jahrh, der jedesmalige
Thronfolger den Titel eines Prinzen von Asturien
trägt, in Portugal bis zur Abtrennung Brasiliens
(1825) der Thronfolger den Titel eines Prinzen von
Brasilien führte. Den Titel I. führen die span.
Prinzen auch dann fort, wenn sie auf einen frem-
den Thron gelangen. Das einem I. oder einer In-
fantin als Leibgedinge angewiefene Gebiet hieß
Infant ado (lat. wfanwFwiu).
Infantado (lulHntNßwm), s. Infant.
Infanterie oder Fußvolk, nach Zahl und
Verwendung die Hauptwaffe aller europ. Heere.
Der Name I. (vom span. inlants, Knabe, Knecht)
kommt zuerst im 15. Jahrh, vor und ging von der
span. Armee zu den übrigen Heeren über. Früher
unterschied man nach Bewaffnung und Verwendung
schwere und leichte I. (S. Fechtart.) Bei der nur
allmählich stattfindenden Einführung der Feuer-
waffen hatte man die mit Spießen in geschlossenen
Haufen kämpfenden Pikeniere (s. Pike) und die
mit dem Feuergewehr bewaffneten Schützen, die
in der schwed. und preuh. Armee Musketiere,
in der französischen Füsiliere genannt wurden.
Im 17. Jahrh, entstanden ferner die Grenadiere
(s. d.). Als im 18. Jahrh, das Vajonettgewehr eine
einheitliche Bewaffnung und Verwendung der I.
ermöglichte, führten die Verhältnisse der Soldheere
bald wieder zur Schöpfung von Sondertruppen.
Man unterschied eine nur für den geschlossenen
Kampf ausgebildete Linien-Infanterie und
eine leichte Infanterie. Obwohl Napoleon I.
nur eine, aber eine gute I. haben wollte, ist er
doch als der eigentliche Schöpfer der Elite-In-
fanterie anzusehen. (S. Elite und Garden.)
In den größeren europ. Armeen bestehen noch
folgende unterscheidende Bezeichnungen der I. In
Preußen: Grenadiere, Musketiere, Füsiliere, Mger;
in Asterreich: Linien-Infanterie und Feldjäger-
Bataillone, außerdem das Kaiserjäger-Regiment.
Frankreich hat Linien-Infanterie und als leichte,
besonders uniformierte I. Zuaven- und Turkoregi-
menter, mehrere Bataillone afrikanischer I. und eine
Fremdenlegion. Außerdem bestehen Jäger und
Alpentruppen. Rußland besitzt Garde-, Linien-
Infanterie und Schützenbataillone. Eine Eigenart
der I. schuf der russ. Kaiser Nikolaus 1825 in seinem
Dragonerkorps. Dieser Versuch, berittene I. her-
zustellen, scheiterte jedoch, weil das Korps über den
kavalleristischen Aufgaben den Infanteriedienst ver-
nachlässigte. Um 1885 hat England diesen Versuch
wieder aufgenommen und in einzelnen seiner Ko-
lonien und Schutzstaaten berittene I. aufgestellt.
Italien besitzt außer seiner Linien-Infanterie als
leichte I. Versaglieri und Alpentruppen.
Sämtliche Grohstaaten haben Marine-Infan-
terie (s. d.), eine Truppe, die den mfanteristischen
Dienst in Häfen, Kolonien, bei Landungen versieht.
Nach dem Sturze des Kaiserreichs 1870 verwendete
Frankreich seine Marine-Infanterie bei der Feld-
armee, wie auch jetzt bisweilen die fran^. Marine-
Infanterie an den Herbstübungen der Landarmee
teilnimmt. - Vgl. Meckel, Lehrbuch der Taktik
(2 Tle. und Atlas, Verl. 1874-76); ders., Die
Elemente der Taktik (2. Aufl., ebd. 1883); Rüstow,