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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Irland (Geschichte)

seine revolutionären Absichten um so kühner hervortreten, und die Regierung beschloß endlich, die Bewegung mit Gewalt zu dämpfen. Die seit 1782 in I. eingeführte Habeas-Corpus-Akte wurde aufgehoben, in die Städte eine starke Besatzung gelegt, der Bund aber aufgelöst und entwaffnet. Im Vertrauen auf franz. Hilfe ließen sich jedoch die Verschworenen nicht entmutigen. Endlich im Dez. 1796 erschien an der irländ. Küste eine bedeutende franz. Flotte mit 25000 Mann Landungstruppen unter dem General Hoche, die jedoch infolge widriger Zufälle unterrichteter Sache umkehren mußte. Die brit. Regierung schärfte nun ihr Verhalten und stellte die ganze Insel unter Kriegsrecht. Der Bund der Vereinigten Irländer trat 1797 zu neuer geheimer Thätigkeit zusammen. An der Spitze stand ein Direktorium von fünf Männern, deren Namen nur den Geschäftsführern der vier Provinzialausschüsse bekannt waren. Schon zählte der Bund über 500000 Verschworene, als im Jan. 1798 die Regierung von einem verräterischen Mitgliede vollständigen Aufschluß erhielt. Ungeachtet dieser Entdeckung und der Verhaftung mehrerer Häupter brach der Aufstand im Mai auf mehrern Punkten des Landes los. Eine bedeutende Militärmacht verhinderte indes die völlige Entwicklung der Empörung; die Hauptmacht der Insurgenten erlitt bei Vinegar-Hill 21. Juni eine entscheidende Niederlage. Kolonnen durchzogen dann die Insel und erstickten den Aufstand. Kaum war das Blutbad vorüber, so erschien im Aug. 1798 ein franz. Geschwader mit einem Korps von 1060 Mann unter Befehl des Generals Humbert in der Killalabai an der Nordküste der Grafschaft Mayo; allein die brit. Truppenmacht hemmte den Zuzug der Iren, und nach einigen unglücklichen Gefechten mußten die Franzosen sich ergeben. Auch mehrere spätere franz. Landungsversuche bis in den Nov. 1798 scheiterten. Die engl. Regierung unter der Leitung des jüngern Pitt sah als einzigen Ausweg aus dem geradezu unhaltbaren Verhältnis eine Verschmelzung I.s mit England in einem Parlament. Der erste Antrag indes, den man dem irländ. Parlament 1799 machte, wurde mit Unwillen verworfen. Die brit. Regierung nahm hierauf ihre Zuflucht zur Bestechung. Die verrotteten Flecken (rotten boroughs), von denen die Mehrzahl der irländ. Parlamentssitze abhing, wurden ihren Eigentümern mit Gold aufgewogen, wozu das brit. Parlament als Entschädigung ungefähr 1600000 Pfd. St. bewilligte.

Durch diese Operation kam 26. Mai 1800 die legislative oder die sog. Finalunion zwischen I. und Großbritannien mit großer Stimmenmehrheit zu stande. I. sollte fortan 32 gewählte Peers, darunter 4 Bischöfe, ins brit. Oberhaus, 100 Deputierte der Grafschaften, Städte und Flecken ins Unterhaus senden. Ferner sollten die Irländer mit den Briten gleiche Rechte und Freiheiten genießen und zwischen beiden ein völlig freier Verkehr stattfinden. I. verpflichtete sich dagegen, für die ersten 20 Jahre zwei Fünfundzwanzigteile der gesamten Staatslasten zu tragen. Mit dem J. 1801 trat das Vereinigte Parlament ins Leben, I. war von nun an ein Teil des großbrit. Gesamtreichs, in dessen Entwicklung nun auch die seinige aufgehen sollte. Aber die tiefe Kluft, die der nationale und religiöse Gegensatz gerissen hatte, ließ I. bei weitem nicht so mit dem Einheitsreich verwachsen, wie es mit Schottland geschehen war. Die Geschichte I.s behielt auch nach der Union eine selbständige und für die Geschichte des Gesamtreichs nur zu wichtige Bedeutung.

3) I. im 19. Jahrhundert. - Um die Union zu einer vollständigen zu machen, hätte man, wie Pitt es beabsichtigte, auch die bürgerlichen Beschränkungen der Katholiken beseitigen müssen; aber dieser Plan scheiterte an dem Widerstande Georgs III. Darüber erbittert, begannen die irländ. Katholiken schon 1802 zu Vereinen zusammenzutreten und 1825 wurde die Irish Catholic Association begründet, der sich die Durchführung der Emancipation zum Zweck setzte und fortan den Mittelpunkt aller irischen Angelegenheiten bildete. Ihnen gegenüber wieder bildeten die prot. Orangisten die Orangelogen (s. d.), welche mit gleicher energischer Agitation in den Kampf traten. Erst durch die Wirksamkeit O'Connells aber und die Mitwirkung der öffentlichen Meinung in England wurde die Regierung endlich bewogen, eine Emancipationsbill vor das Parlament zu bringen, die angenommen und 13. April 1829 von Georg IV. bestätigt wurde. Ein neuer Eid, den auch die Katholiken leisten konnten, trat an die Stelle des frühern und gab ihnen die Möglichkeit, Sitz im Parlament zu nehmen. Auch erhielten sie die Fähigkeit, alle öffentlichen Ämter, mit Ausnahme des Lord-Kanzleramtes, zu bekleiden.

Dieser Sieg ermunterte die Katholiken zu neuen Forderungen. Die Bestrebungen der Volkspartei waren nunmehr auf den Widerruf der Union mit Großbritannien gerichtet, zu welchem Zweck O'Connell 1830 die sog. Repealassociation (s. d.) stiftete, der das Ministerium Grey 1833 mit der Irischen Zwangsbill (Irish coercion bill) entgegentrat. Durch diese Bill erhielt der Lordlieutenant von I. die Macht, Volksversammlungen ohne weiteres zu verbieten und das Kriegsrecht zu proklamieren, und um ihr Nachdruck zu geben, wurden ein Heer von 36000 Mann und 6000 bewaffnete Polizeidiener nach I. entsendet. Durch ein gleichzeitiges, die Kirchenlasten erleichterndes Gesetz suchte die Regierung den übeln Eindruck der Zwangsbill einigermaßen zu mindern, auch wurde letztere unter dem Ministerium Melbourne wieder aufgehoben, und unter der Statthalterschaft Lord Mulgraves (s. Normanby), seit 1835, schien sich sogar eine Versöhnung zwischen Volk und Regierung anzubahnen. Auch wurde eine schon öfter vergeblich eingebrachte Zehntenbill, die den Zehnten in eine weit geringere Geldsteuer verwandelte, 1838 angenommen. Als aber im Aug. 1841 die Tories nochmals ans Ruder kamen, begann O'Connell von neuem die Repeal-Agitation, und zwar mit so bedrohlicher Wirkung, daß die Regierung mit neuen Zwangsmaßregeln einschritt, O'Connell 1843 verhaften und zu einjähriger Gefängnisstrafe verurteilen ließ. Dieses Verfahren wurde freilich von dem Gerichtshof des Oberhauses für ungültig erklärt, hatte jedoch zur Folge, daß die Bewegung von nun an etwas gemäßigter auftrat. Bald darauf drängte die fürchterliche Hungersnot, welche die Insel im Herbst 1845 und besonders seit dem Sommer 1846 heimsuchte, alle andern Interessen in den Hintergrund. Um sie zu lindern, bewilligte das brit. Parlament beträchtliche Summen, dennoch kamen Tausende vor Hunger und Elend um, und Hunderttausende wanderten nach Amerika.

Mitten in dieser Krise starb O'Connell, den bereits eine neue radikalere Partei, das Junge Irland, überflügelt hatte, welches seinen zuletzt maß-^[folgende Seite]