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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Italien (Pflanzen- und Tierwelt. Einteilung. Bevölkerung)

aber erst in neuerer Zeit ist sie zur jetzigen Bedeutung gekommen, hauptsächlich infolge der Versumpfung großer Landstriche durch Vernachlässigung der Wasserläufe. Völlig malariafrei sind nur sechs Provinzen: die drei ligurischen sowie Florenz, Pesaro und Piacenza. Am meisten leiden die tyrrhenische Küste und das angrenzende Hügelland von Livorno bis Terracina, Großgriechenland und die dem mittlern und untern Po zunächst liegenden Teile der lombard. Ebene; auch Sicilien und Sardinien sind stark verseucht. Die nördlichste Malariagegend ist die Mündungsebene der Adda bei Colico.

Nachstehende Tabelle giebt die mittlere Jahres-, Januar- und Julitemperatur der wichtigsten meteorolog. Stationen:

^[Tabelle]

Meteorologische Station Nördliche geogr. Breite Meereshöhe in Metern Durchschnittliche Jahrestemperatur in Celsiusgraden Januartemperatur Julitemperatur

a. Oberitalien:

Mailand 45° 28' 147 12,8 0,5 24,7

Turin 45° 4' 275 12,0 0,2 23,2

Bologna 44° 30' 85 13,8 2,0 25,5

b. Mittelitalien u. Ligurien:

Genua 44° 24' 54 15,9 7,8 24,6

Florenz 43° 46' 73 14,6 5,0 25,1

Rom 41° 54' 50 15,3 6,7 24,8

c. Unteritalien:

Neapel 40° 52' 149 15,9 8,2 24,3

d. Sicilien:

Palermo 38° 7' 72 17,9 11,0 25,4

Pflanzen- und Tierwelt. Die Vegetation beginnt im N. mit einer wundervollen Entwicklung der Mittelmeer-Pflanzenformen an den warmen Südgehängen der Alpen, wo im Seengebiet die Kultur vieler exotischer Subtropengewächse möglich ist, während auf den Höhen die Alpenflora herrscht. Die letztere strahlt noch jetzt auf den Apenninen aus; am Gran Sasso ist die Buchengrenze 1650-1800 m hoch, aber die Fichte fehlt. Die reiche Entwicklung der Mittelflora beginnt erst wieder nach Überspringung Oberitaliens, wo die Maquis oder Macchia genannten immergrünen Gebüsche von Myrte, Olive, Phillyrea, die Kultur der Orangen u. s. w. mit den Pinien und Lebenseichen herrschend werden. Die Opuntien, welche als Kaktusform auf Felsboden im S. oft gesellig vorkommen, sind als verwilderte amerik. Bürger zu betrachten. Die große Mehrzahl der Tierarten stimmt noch mit centraleuropäischen überein, je weiter aber nach S., desto zahlreicher werden in der Fauna die mediterranen Elemente. Eine Menge neuer Insektenformen, besonders Käfer und Geradflügler, weniger Schmetterlinge gesellen sich hinzu, Skorpione und andere Spinnentiere mit subtropischem Habitus treten auf, Süßwasserkrabben erscheinen, einige sonst in Europa nicht vorhandene Salamander stellen sich ein, die Zahl der Reptilien nimmt zu. Weniger bemerkenswert wird der Unterschied in der so beweglichen Vogelwelt, etwas mehr noch bei den Säugetieren, indem sich hier 10 Fledermausarten finden, die diesseit der Alpen fehlen. In Unteritalien tritt das Stachelschwein und die Zibethkatze (Viverra civetta Schreb.) auf.

Einteilung des alten Italiens. Der Name I. ist von dem kleinen Gebiet der Italer in der äußersten Südspitze erst allmählich, endgültig zu Cäsars Zeit auf die ganze Halbinsel ausgedehnt worden. Der nördl. Teil, zwischen Alpen und Apennin, wurde im Altertum bis auf Cäsar als Gallia transpadana und Gallia cispadana politisch nicht mehr zu I. gerechnet. (S. Gallien.)

In Oberitalien waren im NO. die Landschaften Histria und Venetia, welches südlich von der Etsch begrenzt wurde. Das fruchtbare, wasserreiche Thal des Po war ursprünglich von Etruskern in zwölf Stadtrepubliken besiedelt, um 400 jedoch von kelt. Volkern erobert, welche die ganze Landschaft dann als Gallia transpadana und cispadana bewohnten. Das Bergland am Golf von Genua war Liguria. In Mittelitalien bildeten die nördl. Hälfte die fruchtbare Landschaft Etruria im W., Umbria im O.; beide schied der Tiber, der auch im S. die Grenze gegen die untere Hälfte von Mittelitalien blieb. Hier lag Latium im W., Picenum im O.; zwischen beiden das Bergland der Sabiner und mehrerer anderer Gebirgsstämme, wie der Vestini, Marrucini, Äqui, Marsi, Päligni. In Unteritalien folgten von N. bis zur Südwestspitze die drei Landschaften Campania, Lucania, Bruttium, denen im O. Samnium, Apulia, Calabria etwa entsprachen. Die drei großen Inseln Kyrnos (Corsica), Sardinia, Sicilia gehörten, obgleich schon im 3. Jahrh. v. Chr. von Rom erobert, politisch erst seit Diocletian zu I. (Hierzu Karte: Das alte Italien.) - Vgl. Helbig, Die Italiker in der Poebene (Lpz. 1879); Nissen, Italische Landeskunde, Bd. 1 (Berl. 1883); Czörnig, Die alten Völker Oberitaliens Wien 1885).

Das gegenwärtige Königreich I. ist aus den Provinzen des frühern Königreichs Sardinien (mit Ausnahme von Savoyen und Nizza, die 1860 an Frankreich abgetreten wurden), einschließlich der Lombardei und Venetiens, aus dem ehemaligen Kirchenstaate und den annektierten Staaten, nämlich den Herzogtümern Parma und Modena, dem ehemaligen Großherzogtum Toscana und dem frühern Königreich beider Sicilien zusammengesetzt. Dasselbe grenzt im N. an die Schweiz und Österreich (Tirol, Kärnten, Görz und Gradisca), im W. an Frankreich. Die Länge der Grenzen gegen Frankreich beträgt 495, gegen die Schweiz 655, gegen Österreich 750 km. Die Küstenlänge beträgt 3657, mit den Inseln 6785 km. Das Festland (mit den Küsteninseln) bedeckt nach der neuen Ausmessung des Militärinstituts zu Florenz 236771,0, nach Strelbitskij 238899, mit Sardinien und Sicilien 286588,3 (288540) qkm.

Bevölkerung. Für 1770 wird die Einwohnerzahl auf 14,5, 1816 auf 18,3, 1848 auf 23,6 Mill. geschätzt. 1861 wurden 25016801, 1871: 26801154 E. gezählt. Bei der letzten Volkszählung (1881) wurden gezählt 28459628 (14265383 männl., 14194245 weibl.) E., d. i. 99 auf 1 qkm; für 1892 wurden berechnet 30535848 E.; die Zunahme betrug im Jahrzehnt 1881-91: 1887663 E. oder 6,6 Proz. Im ganzen wird I. in Europa nur von Holland, Belgien und Großbritannien an Bevölkerungsdichtigkeit übertroffen. Der Nationalität nach besteht die Bevölkerung größtenteils aus Italienern, die aber nach dem Dialekt (s. Italienische Sprache) in viele Stammesabteilungen zerfallen. Es ist eine echte Mischbevölkerung, entstanden durch Aufnahme zahlloser Sklaven im Römischen Reich, durch die Einwanderung der Germanen im Norden, der Saracenen und Normannen im Süden, die aber alle die vorhandene höhere Kultur angenommen haben und im Laufe der Zeit assimiliert wurden. In Friaul