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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Italien (Landwirtschaft)

Vernachlässigung der Bodenkultur gesunken; auch hat die Erweiterung des Weltmarktes für Getreide, Reis und Seide den Wert der Erzeugnisse sinken lassen. Trotzdem ist noch mehr als die Hälfte der Bevölkerung in der Landwirtschaft thätig. Der Umfang der Anbauflächen von Weizen und Reis zeigt einen Rückgang, die von Mais und Hafer eine kleine Zunahme, Gerste und Roggen blieben unverändert; Hanf, Flachs und Kastanien gehen zurück. Etwa 2 Mill. ha Land sind noch nicht angebaut, etwa 1,4 Mill. könnten durch Bewässerungsanlagen urbar gemacht werden. Im ganzen schätzt man den Wert der Erzeugnisse des Ackerbaues auf rund 3260, mit den Nebenerzeugnissen auf 3485 Mill. Lire. Während die Lombardei, Emilia, Toscana, Teile von Campanien und von Sicilien beinahe gartenartig angebaut sind und die denkbar intensivste Kultur aufweisen, sind ungeheure Flächen vorzüglich im Süden sehr mangelhaft bewirtschaftet, andere nur als Weideland brauchbar. - Es giebt drei Arten der Bewirtschaftung. Als Eigentümer (coltivazione a mano propria) auf Gütern kleinen Umfangs arbeitet der Bauer fast allgemein in Piemont und in Ligurien, daneben in Rom, Abruzzen und Molise, Campanien, Apulien, Basilicata, Calabrien und auf den beiden großen Inseln. Eine Art Societätsverhältnis (colonia parziaria) zwischen dem Eigentümer und dem Bauer herrscht in Toscana, in den Marken und Umbrien, neben andern auch in Lombardei und Venetien, Abruzzen und Molise, Campanien und zum Teil in Sicilien. In Bari und Neapel fehlt es ganz. Gegen Rente (affitto) verpachtet werden die Güter in der Lombardei und Venetien, besonders in den Marschlanden, in Emilia, Campanien, Abruzzen und Molise, Piemont und in Sicilien. Die Pachtzeiten laufen in Oberitalien meist 3, 6 oder 9, in Unteritalien 2, 4 oder 6 Jahre. Intensiver Betrieb (la coltura intensiva) besteht in der Umgebung der großen Städte; bei Mailand liegen Rieselwiesen, die 6-9 Schnitte im Jahre geben. Latifundien kommen in der Provinz Rom, in Apulien und Sicilien vor. Im ganzen ist der Grundbesitz zerstückelt. Nur 13,1 Proz. des Flächeninhalts sind gänzlich unproduktiv; 12 Proz. sind Wälder und 36 Proz. angebaut.

Der Ackerbau, meist Weizenbau, wird in Oberitalien, Toscana und den ehemals neapolit. Provinzen gepflegt; in vielen Gegenden, namentlich auf Sicilien und Sardinien, den Kornkammern des alten Rom ist er sehr vernachlässigt. Das Getreide deckt nicht den Bedarf des Landes, und nur Reis, der vornehmlich in den Provinzen Novara, Pavia, Mailand, Mantua und Ferrara gebaut wird, wird ausgeführt. Kartoffeln kommen in allen Landschaften vor; ihre Anbaufläche hat sich in 20 Jahren mehr als verdoppelt, während der Ertrag bei starken Schwankungen in den einzelnen Jahren ziemlich unverändert bleibt. Wichtiger ist jedoch der Anbau der Hülsenfrüchte. Ausgeführt werden Hanf, dessen Produktion einschließlich Flachs (1889/91) im Durchschnitt 86400 t betrug, besonders aus den Marken, Umbrien, der Emilia und den südl. Provinzen; Krapp (im Neapolitanischen), Sumach (in Sicilien) und Süßholz. Sonst wird Safran auf den Inseln, Zuckerrohr und Baumwolle im Süden, hauptsächlich in Salerno, Calabrien, Sicilien und Sardinien gewonnen. Über den Anbau des Tabaks bestimmt alljährlich im Interesse ihres Monopols die Staatsverwaltung. 1891 waren 2683 ha bepflanzt. Zuckerrübenbau und Spiritusbrennerei sind nicht bedeutend. Letztere wird in der Lombardei und um Neapel von größern Etablissements betrieben. Die Produktion betrug 1890/91: 199487, 1891/92: 225568 hl, und zwar stieg die Erzeugung aus Wein- und andern Reben um 119 Proz., während die Brennerei aus stärkehaltigen Rohprodukten und Abfällen der Zuckersiedereien um 32,1 Proz. zurückging. Ausgeführt wurden (1891/92) nur 5182 hl. Insbesondere blüht die Kultur der edeln Südfrüchte in den neapolit. und sicil. Provinzen. Es gab 1870/74: 10,66, 1890: 17,11 Mill. Citronen- und Orangenbäume, die durchschnittlich je 244 und 232 Früchte trugen. Für 1891 wurde die Zahl der Früchte auf 3498 Mill., im Werte von etwa 90 Mill. Lire geschätzt. In denselben Provinzen gedeihen am besten die Olivenbäume. Seidenbau besteht in ganz I., vornehmlich in Piemont und Lombardei; 1890 wurden 40,774, 1891: 38,790 Mill. kg Cocons gewonnen; die Produktion hat trotz Verminderung der Eier seit 1880 nicht abgenommen; die frühere Höhe vor der Heimsuchung durch Raupenkrankheiten ist aber nicht wieder erreicht. I. nimmt in Hinsicht auf die mit Wein bepflanzte Fläche die erste Stelle unter allen Ländern ein. Es produzierte (1884-91) im jährlichen Durchschnitt fast 30 Mill. hl; die Anbaufläche hat sich seit 1870 beinahe verdoppelt. (S. Italienische Weine.) Die folgende Tabelle giebt im einzelnen die Anbauflächen (100 ha) und die Ernteergebnisse (in hl, für Hanf, Flachs, Kartoffeln, Kastanien in 100 kg).

^[Tabelle]

Produkte Anbaufläche 100 ha 1870-79 1890 Ernteergebnis 1870-79 1890 1891 Ertrag pro ha 1870-79 1890

Weizen 47367 44074 50898408 46320150 49852000 10,75 10,51

Mais 17167 19118 31173993 26418313 23363000 18,16 13,82

Hafer 3802 4531 6715819 6699032 7009000 17,66 14,78

Gerste } 3321 } 3863288 3416000 } 11,63

} 4776 } 6439591 } 13,48

Roggen } 1412 } 1559940 1614000 } 11,05

Reis 2320 1930 9797906 6303093 6938000 42,22 32,64

Bohnen, Erbsen, Linsen 3113 4380 2481343 1513006 - 7,97 3,45

Große Bohnen, Wicken, u.s.w. 3400 4164 3383432 3883840 - 9,95 9,33

Wein 19268 34303 27538649 29456809 34970000 - 8,59

Olivenöl 8951 10131 3323120 3086119 2637000 3,71 3,05

Hanf 1348 1100 965342 792048 670000 7,16 7,29

Flachs 824 552 234974 209221 - 2,85 3,79

Kartoffeln 701 1739 7189200 7512925 - - 43,20

Kastanien 4487 4098 5768436 2963000 12,86 7,38