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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Italien (Bergbau. Industrie)

Berühmt ist die Käseproduktion (namentlich die Bereitung von sog. Parmesankäsen und Stracchino) und die Erzeugung von Würsten (Salami), welche einen ansehnlichen Exportartikel bilden, viel wichtiger ist indessen während der letzten Jahre der Handel mit Eiern geworden, von denen (1892) 17840 t für 23 Mill. Lire ausgeführt wurden. Sehr ansehnlich ist die Geflügelzucht. - Der Viehstand zeigt bei Rindvieh und Pferden bedeutende Zunahme, bei Schafen, Ziegen und Schweinen eine Abnahme. Die Zahl der Rinder, auch in der Qualität verbessert, ist von (1862) 3,7 Mill. auf (1890) etwa 5 Mill., der Pferde von 657000 auf 720000 Stück gestiegen; Schafe wurden (1890) 6,9 (gegen 1862: 8,8), Ziegen 1,8 (2,2), Schweine 1,8 (3,3) Mill. geschätzt. Außerdem giebt es 1 Mill. Esel, 300000 Maultiere und in San Rossore bei Pisa einige Dromedare. Der Gesamtertrag der Viehzucht beträgt 1425 Mill. Lire. Die Vieheinfuhr übersteigt die Ausfuhr sehr bedeutend; dagegen wurden 127028 Schweine aus- und nur 3334 eingeführt; bei Schafen betrug die Einfuhr 5762, die Ausfuhr 33784 Stück. Wolle muß aus dem Auslande bezogen werden (1889: 82230 Doppelcentner). - Die Forstwirtschaft ist in Toscana am besten ausgebildet, doch genügt die Produktion an Brennholz nicht dem Bedarf des Landes. Die Gesamtwaldfläche beträgt 2,961 Mill. ha, wozu noch 397249 ha Gebüsch zu rechnen sind. Die Erträgnisse an Brennholz werden auf 6,29 Mill. cbm im Werte von 20,6 Mill. Lire, an Bauholz auf 1,37 Mill. cbm (17,06 Mill. Lire), an Holzkohle auf 3,02 Mill. cbm (18,13 Mill. Lire) geschätzt. Dazu kommen noch Nebenprodukte (ohne Kastanien) im Werte von 32,17 Mill., sodaß der Gesamtertrag der Waldwirtschaft auf rund 90 Mill. Lire angegeben wird. Die Seefischerei liefert Thunfische (an den Westküsten von Unteritalien und Sicilien sowie bei der Insel Sardinien), ferner Sardellen, Sardinen und Korallen (an den afrik. und sardin. Küsten) und Schwämme in den auswärtigen Handel. Die Zahl der Fischerboote betrug (1891) 19273 mit 89311 Fischern, die an den ital. Küsten für 15,1 Mill. Lire Fische, Weich- und Schaltiere fingen. Wichtig ist besonders die Thunfisch- und Schwammfischerei. 660 Boote mit 6082 t und 4427 Mann fischten in ausländischen Gewässern. Die Korallenfischerei geht zurück; 1875 betrug der Wert 9 Mill., 1885-88 im Durchschnitt 1-1½ Mill. Lire, 1889: 154732 und 1891 nur noch 61484 Lire. Besonders reich an Fischen sind das Haffgebiet von Venedig, vor allem bei Comacchio, die Meerenge von Messina und die ligurischen Küsten. Doch erfordert der auch durch die Fastenregeln gesteigerte Verbrauch noch bedeutende Einfuhr, namentlich von Stockfischen. Der Gesamtwert der eingeführten Meereserzeugnisse übertrifft den der Ausfuhr um 26 Mill. Lire.

Bergbau. Der Bergbau liefert Eisen, Kupfer, Silber, Blei, Quecksilber und Braunkohlen; Steinkohlen fehlen. Reiche Eisenlager finden sich auf Elba und Sardinien, in Piemont sowie in den Provinzen Bergamo und Brescia; ferner Kupfererz in den venet. Alpen, bei Aosta und in Toscana; Bleierz namentlich in den Provinzen Genua und Lucca und auf Sardinien; Zinkerz in den reichen Lagern Sardiniens und der Lombardei (Serianathal). Golderz kommt vor in den Schwefelkiesen des Monte-Rosa, weniges gediegen im Aostathale und in mehrern Alpenflüssen; Silbererz in Sardinien; Quecksilber in den Minen im Territorium von Castell' Azzara und bei Santa Fiora in Toscana sowie in Gosaldo (Venetien); Mangan im Aostathale, in Ligurien und Sardinien; Antimon in Toscana und auf Sicilien; Anthracit im Aostathale; Braunkohlen am bedeutendsten in Toscana, auf Sardinien und in der Provinz Vicenza. Das wichtigste bergmännische Produkt liefern die Schwefellager Siciliens; ihre Ausbeute beträgt nahezu die Hälfte des Gesamtwertes der Mineralien überhaupt; in den 598 Gruben, welche in einer 170 km langen Zone liegen, wurden (1891) 393528 t im Werte von 44,5 Mill. Lire gewonnen. Mittelpunkte der Förderung sind Caltanissetta, auf das etwa die Hälfte der Produktion der Insel kommt, Girgenti und Catania. Die Gewinnung beschäftigt 32333 Arbeiter, mit deren traurigen Lebensbedingungen sich neuerdings die öffentliche Meinung lebhaft beschäftigte. Seesalz wird in zahlreichen Salzgärten, am meisten bei Cagliari auf Sardinien und bei Trapani auf Sicilien, dann aber auch auf Elba, in der Emilia und in den Provinzen Bari und Rom gewonnen; Quellsalz aus den beiden Salinen zu Volterra und Salsomaggiore (Parma), die (1891) 9258 t lieferten; Steinsalz in Calabrien und Sicilien; Alaun bei Montioni in der Provinz Florenz und zu Tolfa bei Civitavecchia; Marmor (insgesamt 1890: 275829 t durch 7160 Arbeiter) in etwa 600 Brüchen bei Carrara, Massa und Serravezza. Wichtig sind auch die Alabasterbrüche, namentlich bei Volterra. Bausteine sind die trefflichen Lavagnaschiefer, welche in 70 Brüchen gefördert werden. Wetzsteine (kieselhaltiger Kalk) aus 40 Brüchen, namentlich aus dem Val Seriana, sind ein ansehnlicher Ausfuhrartikel. Bimsstein liefern die Liparischen Inseln.

Im J. 1891 betrug die Gesamtförderung an: Kupfererzen 53059 t, Eisenerzen 216486, Bleierzen 30233, Zinkerzen 120685, Silbererzen 2006, Golderzen 7729 t im Wert von 446000 Lire. Brennbare Mineralien wurden 289286 t, Quellsalz 9258, Alaun 1380, Asphalt 28180, Petroleum 1155, Antimon 782, Graphit 2415 t gewonnen. Im ganzen beträgt der Wert der bergmännischen Produkte nur 1/30 der von Großbritannien und Irland, 1/13 der von Deutschland und 1/5 der von Frankreich. Die Verarbeitung der Erze macht schnelle Fortschritte. Man gewann (1889) 181623 t Eisen (besonders Schmiedeeisen), 157899 t Stahl, 18165 t Blei, 33505 t Silber, 216 t Gold, 6904 t Kupfer, 195 t Antimon und 385 t Quecksilber. Der Gesamtwert der Metallindustrie bezifferte sich auf 114 Mill. Lire. Zur Ausfuhr kamen nur für 7,5 Mill. Lire, eingeführt für den Landesbedarf wurden für 62 Mill. Lire.

Industrie. Die industrielle Entwicklung bleibt bei dem Mangel an Steinkohlen im Lande gegen England, Frankreich, Deutschland und Österreich weit zurück; die handwerksmäßige Herstellung ist noch vorherrschend, während die Großindustrie sich säst ausschließlich auf Oberitalien beschränkt. Die Arbeitsteilung sowie die Verwendung der Maschinen ist noch gering, doch sind die Fortschritte unverkennbar; so stieg die Anzahl der in der Eisen- und Stahlbereitung beschäftigten Personen (1881-91) von 5732 auf 11395, und die Zahl der Spindeln in der Baumwollindustrie hat sich seit 1870 beinahe vervierfacht. 1881 waren 2281317 Männer und 1904144 Frauen in der Industrie thätig. In der Papierfabrikation waren die Hälfte, in der des Tabak fast neun Zehntel, der Zündhölzchen zwei