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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Japan (Geschichte)

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels ' Japan (Geschichte)'

und sein 15jähriger Sohn Mutsuhito (geb. 3. Nov. 1852) als 122. Kaiser ihm gefolgt. Sein erstes Regierungsgeschäft war die Bestätigung der mit den fremden Mächten bestehenden Verträge. Ende 1867 richtete der Fürst von Tosa ein Schreiben an den Shogun, des Inhalts, daß die Wirren im Lande dadurch entstanden seien, daß die Regierung von zwei Centren ausgehe, daß es daher besser sei, abzudanken und die Macht in die Hände des Kaisers zurückzugeben. Von der Richtigkeit dieser Ansicht überzeugt, erklärte Hitotsbashi sich 8. Nov. bereit, die Reichsregierung niederzulegen. Der Kaiser nahm die Abdankung an, ersuchte jedoch den Shogun, bis zur Klärung der Verhältnisse die Regierung noch kurze Zeit fortzuführen. Hitotsbashi erließ 17. Nov. eine Proklamation, worin er erklärte, daß die veränderten Beziehungen des Staates zum Auslande eine einheitliche Regierung, und zwar die des Kaisers allein, notwendig machten, und dies wurde im Dezember desselben Jahres den Vertretern des Auslandes, die sich damals zu Osaka befanden, mitgeteilt. Der Entschluß des Shogun erregte unter seinen nächsten Vasallen, besonders den Daimio des Nordens, große Unzufriedenheit; dazu kam, daß man am Hofe des Kaisers ihren Stolz verletzte, indem man den Truppen des Daimio von Aizu im Norden des Landes die Wache im kaiserl. Palast abnahm und denen der südl. Clans übertrug. Hitotsbashi ließ sich daher überreden, seine Erklärung zurückzuziehen, und begab sich mit einem Heer von 30000 Mann von Osaka nach Kioto, um die ihm feindlichen Daimio zu vertreiben. Bei Fushimi kam es 26. Jan. 1868 zu einer Schlacht mit den Daimio von Satsuma und Nagato, in der die Daimio Sieger blieben. Hitotsbashi ging 30. Jan. nach Jedo zurück und zog sich bald darauf in das buddhistische Kloster Ueno zurück. Die Anhänger des Kaisers verfolgten die von Hitotsbashi, rückten in Osaka ein, sprengten das Schloß des Shogun in die Luft, legten einen Teil der Stadt in Asche und zogen 4. Febr. in Hiogo ein. Der Kaiser versprach den Ausländern seinen Schutz sowie Aufrechterhaltung ihrer Verträge mit dem Shogun. Überhaupt legte er das Bestreben an den Tag, die Beziehungen zwischen J. und dem Auslande zu befestigen.

Mit dem Rückzuge Hitotsbashis nach Jedo war aber der Krieg nicht beendigt. Am 5. Febr. 1868 erklärte man den Exshogun aller Titel und Ehren für verlustig, und eine große Armee unter dem Oberbefehl des Prinzen Arisugawa zog gegen Jedo, um den Krieg gegen die Anhänger des Shogun fortzusetzen, an deren Spitze der Daimio von Aizu stand. Jedo selbst wurde ohne schwierigen Kampf in Besitz genommen. Ein heißer Kampf entbrannte jedoch um den Besitz der Städte Utsunomija und später Wakamats, der Hauptstadt von Aizu. Nach ihrem Falle war der Widerstand der Anhänger des Shogun gebrochen. Am Ende dieses Jahres war der Kaiser im vollen Besitz seiner Herrschermacht. Er verlegte seine Residenz nach Jedo, das von nun an den Namen Tokio (östl. Hauptstadt) erhielt. Am 13. Febr. 1869 wurden in öffentlicher Audienz die fremden Gesandten empfangen, die während des Bürgerkrieges eine neutrale Stellung eingenommen hatten.

Damit begann für J. eine durchgreifende und rasch fortschreitende Umgestaltung seiner sämtlichen Staats- und Bildungsverhältnisse. An der Spitze dieser Fortschrittsbewegung steht der kluge und ↔ energische Kaiser Mutsuhito, der am 3. Nov. 1889 seinen ältesten Sohn Joshihito zum Nachfolger ernannt hat; ihm zur Seite steht eine Anzahl gleichgesinnter höchster Beamten, von denen die meisten entweder ihre Bildung in Europa oder Nordamerika erworben oder doch diese Länder durch eigene Anschauung kennen gelernt haben. Die wichtigste Reform war die Aufhebung des Verhältnisses der Daimio (s. d.) als erblicher Lehnsträger des Kaisers zu dem Reiche. Diese Maßregel machte aus einem Feudalstaate die absolute Monarchie. Jedermann sollte in Zukunft zu Staatsämtern zugelassen und die Wahl zu den höchsten Stellen nur durch Kenntnisse und Tüchtigkeit, nicht wie früher durch vornehme Geburt bedingt werden.

Andere wichtige Neuerungen sind die Einrichtung eines Generalpostamtes (1872), um die überseeische Post von J. aus selbst zu leiten; die Einführung der europ. Gregorianischen Zeitrechnung, indem der 1. Jan. 1873 zum 1. Jan. des J. 2533 seit der Stiftung des Reichs gemacht wurde; die Einführung eines neuen Münzsystems (1871), dessen Einheit der Yen, im Werte des mexik. Silberdollar, ist, die Einrichtung einer Münze in Osaka, die Gründung von Bankinstituten nach europ. Muster, von Assekuranzgesellschaften u.s.w. Im Okt. 1873 wurde die erste japan. Notenbank in Tokio gegründet. Das Bankgesetz von 1876 nahm die Gesetzgebung der Vereinigten Staaten über das Zettelbankgeschäft zum Vorbild. Am 1. April 1886 trat J. dem Weltpostverein bei. Eine lebhafte Agitation strebte die Abänderung der Zollverhältnisse an, und 1. Juli 1879 wurde der Ausfuhrzoll auf eine ganze Reihe von früher zollpflichtigen Gegenständen aufgehoben. Der allgemeine Schulzwang wurde eingeführt, Volksschulen und höhere Schulen gegründet. Auch für die bessere Erziehung des weiblichen Geschlechts und die dadurch bedingte Hebung der socialen Stellung der Frau wird gesorgt. Für diese Bestrebungen zeigt die Kaiserin Haruko ein großes Interesse.

Im Widerspruch mit dem Bestreben der Regierung des Kaisers, die Kultur des Westens einzubürgern, stand ihre fortdauernde Abneigung gegen das Christentum. Den Fremden wurde freie Religionsübung erlaubt, den Japanern aber der Übertritt zum Christentum verboten. Als bald nach der Öffnung der japan. Häfen sich in der Nähe von Nagasaki durch die Thätigkeit französischer kath. Missionare christl. Gemeinden bildeten und die Zahl der Neugetauften zunahm, ließ die Regierung eine große Anzahl japan. Christen in das Gefängnis werfen, verurteilte (1868) 4100 zur Deportation und erließ im Jan. 1870 neue geschärfte Befehle gegen den Übertritt zum Christentum, indem zugleich 3000 Christen in die verschiedenen Provinzen verteilt wurden. Erst 1873 gab die Regierung dem Andringen der Vertreter des Auslandes nach, versprach 21. Febr. von Verfolgungen der japan. Christen abzustehen und hob 1876 alle gegen das Christentum gerichteten Erlasse auf. Seitdem hat die Zahl der japan. Christen durch die Thätigkeit der Missionsgesellschaften stetig zugenommen. Auch der Buddhismus wird jetzt nur noch geduldet. In neuester Zeit macht er jedoch Anstrengungen, dem Vordringen des Christentums die Spitze zu bieten und seinen frühern Einfluß wiederzugewinnen.

Das Verhältnis zum Auslande wurde während dieser Periode umwälzender Reformen nur

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 868.