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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Japanische Mispel; Japanische Rose; Japanische Scorzonera; Japanischer Nußbaum; Japanisches Heerwesen

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Japanische Mispel - Japanisches Heerwesen

Ancien Japon (Tokio 1888); J.^[Jakob] von Falke, Aus dem weiten Reiche der Kunst: Das chines. und japan. Porzellan (2. Aufl., Berl. 1889).

Einer ähnlichen Beliebtheit wie das Porzellan erfreut sich die japan. Bronzeindustrie (s. Taf. 11, Fig. 1, 2, 6 u. 9), deren Wunderwerke in der Sammlung Cernuschi zu Paris der Besichtigung und dem Studium zugänglich gemacht sind. Das japan. Email ist ebenfalls sehr geschätzt (s. Taf. 11, Fig. 6 u. 10). Die Lackindustrie (s. Taf. II, Fig. 3 u. 5), die gleichfalls einen hohen Grad der Vollendung erreicht hat, wurde bereits in den ältesten Zeiten gepflegt. Die ältesten, noch erhaltenen Erzeugnisse derselben, welche im Tempel Tōdaiji zu Nara aufbewahrt werden, gehen in das 6. Jahrh. unserer Zeitrechnung zurück. Ihren Höhepunkt erreichte die Lacktechnik im 17. Jahrh. unter dem Shōgun Tokugawa Tsunayoshi (1681-1709), welcher Zeit besonders die weltberühmten Goldlackgegenstände angehören. Endlich spielen in der japan. Kleinkunst die Schnitzereien aus Elfenbein (s. Taf. II, Fig. 3 u. 8) und Holz eine hervorragende Rolle, da in ihnen, abgesehen von der vollendeten Technik, die unerschöpfliche Phantasie und der naiv-harmlose Humor der Japaner mehr als auf irgend einem andern kunstgewerblichen Gebiete zur Geltung gelangt. Eine durch ihren Reichtum an gediegenen japan. Porzellanfabrikaten, Bronzen, Email- und Lackarbeiten u. s. w. berühmte Sammlung ist die im South-Kensingtonmuseum in London und die im Museum zu Boston. - Vgl. Rein, Japan. Nach Reisen und Studien, Bd. 2 (Lpz. 1885); Brinckmann, Kunst und Handwerk in Japan (Berl. 1889).

Japanische Mispel, s. Photinia.

Japanischer Nußbaum, s. Gingkobaum.

Japanische Rose, soviel wie Hortensie (s. Hydrangea); auch Name der japan. Kamelie (s. d.).

Japanische Scorzonera, Gemüse, s. Lappa.

Japanisches Heerwesen. I. Landheer. Statt der frühern, aus den Kontingenten der Daimio und den Truppen des Shogun bestehenden Heeresmacht wurde eine stehende Armee aus Infanterie, Kavallerie, Artillerie und Geniesoldaten und eine Kriegsflotte geschaffen. Bei der Einrichtung der Armee vertraute man anfangs franz. Offizieren die Leitung an. Später schuf man die Wehr- und Heerordnung nach deutschem Muster. Durch Gesetz vom 28. Nov. 1872 nebst Ergänzung vom 21. Jan. 1889 ist die allgemeine Wehrpflicht eingeführt. Dieselbe beginnt mit vollendetem 20. Lebensjahre und dauert 3 (4) Jahre im stehenden Heere (in der Marine), 4 (3) Jahre in der Reserve und 5 Jahre in der Territorialarmee. Außerdem gehört jeder Wehrfähige vom 17. bis 40. Lebensjahr zur Nationalarmee. Wehrpflichtige von 17 bis 27 Jahren, welche eine gewisse Bildung nachweisen und sich selbst unterhalten, dienen 1 Jahr bei der Fahne, 2 Jahre in der Reserve und 5 Jahre in der Territorialarmee. Rekruten, welche bei der zweiten Stellung (im 21. Jahre) untauglich befunden werden, treten zur Territorialarmee, diejenigen, deren Reklamationen wegen besonderer Familienverhältnisse 3 Jahre lang anerkannt werden sowie Volksschullehrer nach sechswöchiger Ausbildung zur Nationalarmee über. Das Rekrutenkontingent wird alljährlich festgesetzt; die ausgelosten Mannschaften bleiben 1 Jahr zur Verfügung der Ersatzbehörden und treten dann zur Nationalarmee über.

Im Frieden besteht die Armee aus 1 Garde- und 6 Territorialdivisionen (Tokio, Sendai, Nagoja, Osaka, Hiroshima, Kumamoto) und der Brigade von Jesso; die Garde rekrutiert sich aus allen Regionen. Jede Division besteht aus 2 Infanteriebrigaden, 1 Kavallerieabteilung (3 Eskadrons), 1 Feldartillerieregiment, 1 Genie- und Trainbataillon, jede Infanteriebrigade aus 2 Regimentern zu 3 Bataillonen à 4 Compagnien, jedes Feldartillerieregiment aus 6 Batterien zu 6 Geschützen, jedes Geniebataillon aus 3 Compagnien, jedes Trainbataillon aus 2 Eskadrons. Die Brigade von Jesso wird aus Freiwilligen gebildet und umfaßt 2 Bataillone zu 6, und 2 zu 4 Compagnien, je 1 Kavallerie-, Gebirgsartillerie- und Geniekorps. Außerdem sind vorhanden 4 Festungsartillerieregimenter zu 3 Bataillonen à 3 Compagnien, eine Miliz von Tsushima zur Verteidigung der Inseln mit 1 Infanteriecompagnie und 1 Festungsbatterie sowie ein Gendarmeriekorps von 6 Legionen zu 4-8 Compagnien. Die Infanterie führt den Hinterlader Muriata (11 mm-Kaliber), die Kavallerie den Säbel und Karabiner Muriata, die Garde außerdem Lanzen, die Artillerie 7 cm-Kanonen aus Bronze.

Die Friedensstärke (1892) ergiebt sich aus folgender Übersicht:

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Offiziere Beamte Ärzte Unteroffiziere Mannschaften Handwerker Zusammen Pferde

84 Bataillone 1873 188 560 3948 40359 1048 47976 380

21 Eskadrons 126 14 56 273 2981 133 3583 3234

42 Feldbatterien 228 47 81 475 3840 172 4843 2115

36 Festungsartilleriecompagnien 280 24 72 596 5616 156 6744 40

21 Geniecompagnien 121 14 41 242 2200 110 2728 128

14 Traineskadrons 91 14 49 245 1240 2503 4142 2028

6 Legionen Gendarmerie 47 19 - 247 800 - 1113 54

Zusammen 2766 320 859 6026 57036 4122 71129 7979

Brigade von Jesso 49 11 43 189 2227 10 2529 374

Miliz von Tsushima 12 3 12 25 193 16 261 4

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Im Kriege erhält jede Division die erforderlichen Kolonnen und den Train. Die Territorialarmee stellt 12 Infanterieregimenter, 12 Pelotons Kavallerie und 12 Geniecompagnien.

II. Kriegsflotte. Die Flotte umfaßt 10 Panzer- und Panzerdeckschiffe mit 33328 t Gehalt, 45361 indizierten Pferdestärken, 87 Geschützen unter und 101 über 10 cm-Kaliber, 11 Kreuzer, 2 Radavisos, 7 Kanonenboote, 2 Torpedofahrzeuge, 3 Hochseetorpedoboote, 11 Torpedoboote und 3 Schulschiffe, zusammen 49 Fahrzeuge mit 62228 t Gehalt, 87256 Pferdestärken, 198 bez. 215 Kanonen.

Das Personal der Marine bestand (1892) aus 4 Vice-, 5 Konteradmiralen, 15 Schiffs-, 16 Fre-^[folgende Seite]