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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Jelisawetpol - Jelnja
Ielifalvetpol. 1) Gouvernement im trans-
kaukas. Teil des russ. Generalgouvernements Kau-
kasien, grenzt im W., N. und O. an die Gouverne-
ments Eriwan, Tistis, das Gebiet Dagestan, das
Gouvernement Baku, im S. an die pers. Provinz
Aserbeidschan (die Grenze bildet der Fluß Aras)
und hat 44136 ykiu mit 729 876 E., d. i. 16,5 E.
auf 1 ykiu. Der westl. Teil ist von Ausläufern des
Kleinen Kaukafus durchzogen, der östliche ist Steppe.
Der Boden ist sandig und lehmig, stellenweife
Schwarzerde. Die Bewässerung bildet die Kura mit
ihren Nebenflüssen. Die mittlere Temperatur der
Stadt I. beträgt 13° (). Die Bevölkerung besteht aus
Tataren (56), Armeniern (35,4), Kurden (4,s Proz.)
u. a. Sie beschäftigt sich mit Ackerbau (jährlicher
Ertrag gegen 19 Mill. Pud, Zumeist Weizen, Reis,
Gerste), Wein- und Seidenbau, Viehzucht, Gewin-
nung von Kupfererzen. An Eisenbahnen find vor-
bcmde^ 212 Km der Linie Tiflis-Baku der Trans-
kaukasischen Eisenbahn. Das Gouvernement zerfällt
in acht Kreise: I., Arefch (f. Areschsker Kreis),
Dschebrail, Dschewanschir, Sangesur, Kasach, Nucha
und Schuscha. Es wurde 1867 aus Teilen der
Gouvernements Tiflis, Baku und Eriwan gebildet.
- 2) Kreis im nördl. Teil des Gouvernements I.,
an beiden Seiten der Kura, im S. gebirgig, im N.
Steppe, hat 8758 ^ui, 122 869 E.; Getreide-,
Weinbau und Bienenzucht. - 3) I., Elisabeth-
pol oder Gandfcha, Hauptstadt des Gouverne-
ments und des Kreises I., in 441 ui Höhe, an beiden
Ufern der Gandscha (Nebenfluß der Kura) und an
der Linie Tiflis-Baku der Transkaukasischen Eisen-
bahn, mit ungesundem, bösartige Fieber erzeugen-
dem Klima, besteht aus der Festung (in der Zeit
von 1712 bis 1724 von den Türken erbaut) und drei
Stadtteilen, die von einer Lehmmauer mit Türmen
umgeben sind, ist Sitz des Kommandos der 2.kaukas.
Kosakendivision sowie der beiden Brigaden derselben
und hat (1891) 20 794 E. (54 Proz. Tataren,
43 Proz. Armenier), 1 russ., 5 armenische Kirchen,
10 Moscheen, 1 Gymnasium; bedeutenden Obst-,
Gemüse-, Wein-, Tabak- und Seidenbau. - 1804
wurde I. von den Russen unter Fürst Zizianow
erobert und kam 1813 zu Ruhland. In der Umgegend
liegen ungeheure Ruinen, in denen häusig altpers.,
parth., sassanid., griech. und röm. Münzen gefun-
den werden. Das merkwürdigste Denkmal ist die
Schamchorfäule.
IellachichdeBuzim(fpr.jellatfchitfch,buschim),
Joseph, Graf, österr. Feldzeugmeister und Vanus
von Kroatien, Sohn des österr. Generals Franz
Freiherr von I. (1746 - 1810), geb. 16. Okt. 1801
zu Peterwardein, erhielt auf der Theresianischen
Ritterakademie zu Wien seine Erziehung, trat 1819
in das 3. Dragonerregiment als Unterlieutenant
ein und stieg bis 1841 zum Obersten des 1. Vanat-
Grenzregiments auf, mit dem er 1845 gegen die
Bosnier einige Gefechte bestand. Im März 1848
ernannte ihn der Kaifer gleichzeitig zum Feld-
marfchalllieutenant und kommandierenden General
des vereinigten Vanat-Varasdin-Karlstädter Kom-
mandos. Er überschritt mit 40000 Mann Grenz-
truppen Sept. 1848 die Dräu und eröffnete damit
den Krieg gegen die Ungarn. Nach einem blutigen
Gefecht bei Ofen schlosi er einen dreitägigen Waffen-
stillstand, währenddessen er nach Wien abzog, wo
er sich mit den zur Unterwerfung der Hauptstadt
versammelten Truppen vereinigte. I. wirkte mit
zur Einnahme von Wien und kämpfte bei Schwechat
gegen dieUngarn. Im Wmterfeldzuge 1848/49 stand
er unter Windifchgrä'tz und befehligte den rechten
Flügel; er nahm Altenburg und Raab und schlug
die Ungarn bei Moor. Im März 1849 zum Feld-
zeugmeister ernannt, erhielt er die Leitung der Süd-
armee. Anfangs erlangte er einige Vorteile über
Vem, drängte diefen über die Römerfchanze und
den Franzenskanal zurück, erstürmte Neusatz und
besetzte die Bäcska. Aber der Angriff, den er 14. Juli
1849 auf die überlegene ungar. Armee bei Hegyes
unternahm, ward abgefchlagen, und I. sah sich MM
Rückzug hinter die Donau gezwungen. Sein durch
Krankheiten geschwächtes Heer nahm an der im
Aug. 1849 erfolgenden Entscheidung keinen un-
mittelbaren Anteil mehr. Nach Beendigung des
Kampfes kehrte er nach Agram als Banus zurück
und wurde Civil- und Militärgouverneur von Kroa-
tien und ^lawonien. Er erhielt den Oberbefehl
über das Beobachtungsheer, das Osterreich Febr.
1853 gegen Montenegro zufammenzog, und wurde
1855 in den erblichen österr. Grafenstand erhoben.
Er starb 19. Mai 1859 zu Agram. I. hat auch eine
Sammlung "Gedichte" (Wien 1851) veröffentlicht.
Iellinek, Adolf, jüd. Theolog, geb. 26. Juni
1821 zu Drslawitz bei Ungarifch-Brod in Mähren,
studierte zu Prag und Leipzig orient. Sprachen und
Philofophie, war dann Rabbiner und Prediger in
Leipzig, 1857 in Wien, wo er ein Seminar für jüd.
Theologie begründete und 28. Dez. 1893 starb. I. ge-
hörte unter feinen Glaubensgenossen der Partei des
gemäßigten Fortschritts an. Er veröffentlichte meh-
rere Predigtfammlungen ("Predigten", 3 Bde., Wien
1862-66, "Zeitstimmen", 2 Bde., ebd 1871 u. f.w.).
Ferner erfchienen von ihm "86lat lHaciiainiui, oder
Erklärung der in den Talmuden u. s. w. vorkom-
menden perf. und arab. Wörter" (Lpz. 1846; Nach-
trag 1847) und "Beiträge zur Geschichte der Kab-
bala" (Heft 1 u. 2, ebd. 1851-52), "Auswahl kab-
balistischer Mystik" (ebd. 1852), "Philosophie und
Kabbala" (ebd. 1854), "Lst ka-Niäi-agcd, Samm-
lung kleiner Midraschim" (Bd. 1-4, ebd. 1853-57;
Bd. 5 u. 6, Wien 1873 - 77), "Der jüd. Stamm.
Studien und Skizzen" (Wien 1869), "Der jüd.
Stamm in nichtjüd. Sprichwörtern" (3.Tle., ebd.
1881-82), zehn bibliogr. Monographien, Schrif-
tenverzeichnis über Methode der Hagadah und
Midraschkommentare u. d. T. "Xonti-SZiin" in
hebr. Sprache (ebd. 1877-84) u. s. w.
Iellinek, Georg, Sohn des vorigen, Staats-
rechtslehrer, geb. 16. Juni 1851 zu Leipzig, stu-
dierte in Wien, Heidelberg und Leipzig, trat in
den österr. Verwaltungsdienst, aus dem er 1879
ausschied, wurde Privatdocent in der jurist. Fakul-
tät zu Wien, 1883 außerord. Professor, 1889 ord.
Professor des Staatsrechts in Bafel, feit 1891 in
Heidelberg. Er schrieb: "Die focialethifche Bedeu-
tung von Recht, Unrecht und Strafe" (Wien 1878),
"Die rechtliche Natur der Staatenverträge" (ebd.
1880), "Die Lehre von den Staatenverbindungen"
(ebd. 1882), "Österreich-Ungarn und Rumänien in
der Donaufrage" (ebd. 1884), "Ein Verfassungs-
gerichtshof für Österreich" (ebd. 1885), "Gefetz und
Verordnung" (Freib. i. Vr. 1887), "System der sub-
jektiven öffentlichen Rechte" (ebd. 1892), "Adam in
der Staatslehre" (Heidelb. 1893).
Ielnja. 1) Kreis im füdöstl. Teil des russ. Gou-
vernements Smoleusk, ziemlich eben, mit Lehm-, an
den Rändern Sandboden, im Gebiet des Dnjepr
und der Ugra, hat 4915,2 ykiu, 119 068 E.; Ge-