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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Joseph (Barsabas) - Joseph II. (römisch-deutscher Kaiser)
Mit der gesteigerten Marienvcrehrung in dieser
Kirche hängt es zufammen, daß auch die "Andacht
zum heiligen I." jetzt mit befonderm Eifer gepflegt
wird. In der gricch. Kirche ist der 26. Dez. fein
Gedächtnistag.
Joseph Varsabas, s. Varfabas.
Joseph vonArim athia, d. i. von Namathaim,
war nach der Erzählung der Evangelien Beisitzer
des (^ynedriums M Ierufalem und im geheimen
ein Freund Jesu, dessen Leichnam er sich von Pila-
tus erbat und in einem neuen Felfengrabe in feinem
Garten beifetzen ließ. Nach der fpatern Tradition
hat I. zu den 70 Jüngern gehört und in England
zuerst das Evangelium verkündigt.
JosephI., rönnfch-deutfcher Kaiser (1705
-11), der ältere (^ohn Kaifer Leopolds I., geb.
26. Juli 1678 zu Wien, empfing schon 1687 die
ungar.und 1690 die röm.-dcutfche Königskrone. Mit
Kraft vmd Eifer setzte er den von seinem Vater über-
kommenen Spanischen Erbfolgekrieg gegen Frank-
reich fort, und es gelang ihm auch, durch Eugens
und Marlboroughs Siege, die Franzofen nach und
nach aus Italien und den Niederlanden zu vertrei-
ben, ja Ludwig XIV. fo sehr innerhalb feiner eige-
nen Grenzen zu bedrohen, daß diefer wiederholt um
Frieden bat und sich zu demütigenden Bedingungen
bereit erklärte. Um für den Kampf im Westen freie
Hand zu behalten, verglich sich I. 1707 mit König
Karl XII. von Schweden, der auf dem Wege von
Polen nach Sachfen feinen Weg durch Schlesien
genommen hatte, und gewährte in dem Vertrag von
Altranstädt (s. d.) den schles. Protestanten Religions-
freiheit und die Rückgabe einer großen Anzahl
ihnen früher durch die Jesuiten entrissener Kirchen.
Zugleich zwang er den Papst, seinen Bruder Karl
(s. Karl VI.) als König von Spanien anzuerkennen.
1706 verhängte I. über die Kurfürsten von Bayern
und Köln sowie 1708 über den Herzog von Mantua
in sehr strenger Form die Acht, weil diese Fürsten
ihren Neichspflichten zuwider sich mit Frankreich
verbunden hatten; er bemächtigte sich des Kurfür-
stentums Bayern und begann es unter Österreich
und seine Anhänger zu zerteilen, stieß aber bei sei-
ner Absicht, Bayern mit Österreich zu vereinen, auf
die Abneigung der deutfchen wie der auswärtigen
Fürsten. Der ungar. Aufstand unter Franz Rakoczi,
der noch zu Lebzeiten Kaifer Leopolds von Frank-
reich angeschürt war, wurde durch I. unterdrückt.
I. war ein kenntnisreicher und einsichtsvoller Herr-
scher, gegen Andersgläubige tolerant; einer der
thatkräftigsten und begabtesten unter den deutfchen
Habsburgern. Osterreich gelangte unter ihm, da
Frankreichs Vorherrschaft gebrochen wurde, auf
den Höhepunkt feiner Machtstellung und feines
Anfehens in Europa. Die österr. Finanzverwal-
tung wurde unter ihm durch Gundacker von Starhem-
berg verbessert; dem Bauernstande fuchte der Kaifer
manche Erleichterungen in der drückenden Leibeigen-
schaft zu verschaffen. Am 17. April 1711 starb I.
an den Blattern. Ihm folgte fein Bruder Karl VI.
- Vgl. Herchenhahn, Geschichte der Regierung
Kaiser I.s I. (2 Bde., Lpz. 1786-89); von Noorden,
Europ. Gefchichte im 18. Jahrh., Abteil. 1, Bd. 1-3
(Düsseld. und Lpz. 1870-82).
Joseph II., römisch-deutsch er Kais er (1765
-90), aus dem Hause Habsburg-Lothringen, Sohn
Kaiser Franz'I. und Maria Theresias, wurde 13.März
1741 in Wien geboren. 1760 vermählte er sich mit
der Prinzessin Maria Isabctta von Parma, die
Vrockhaus' Konversations-Lcxilon. 14. Aufl. IX.
fchon nach drei Jahren starb; auch eine zweite Ehe,
die er mit der Prinzefsin Maria Ioscpha von Bayern
ichloh,^ward bald wieder (1767) durch den Tod ge-
löst. <^eine einzige Tochter Therefe starb 1770.
1764 wurde I. zum röm. König gewählt, und nach
dem Tode feines Vaters folgte er diefem aus dem
deutfchen Kaiferthron (18. Aug. 1765). Zugleich
ernannte ihn Maria Theresia zum Mitregenten der
österr. Monarchie. Doch behielt sie die eigentliche
Regierung und überließ dem Sohne nur die Ober-
leitung des gefamten Militärwefens, in welchem I.,
unterstützt von seinem Freunde und Lehrer Feld-
marschall Lacy, viele zweckmäßige Reformen, zum
Teil nach dem Muster Friedrichs II., durchführte.
I. unternahm große Reifen nach Tirol, Nngarn,
Böhmen, Mähren, Italien, Spanien, Frankreich,
Holland und traf zu polit. Zwecken Ende Aug. 1769
mit Friedrich II. in dem ubungslager bei Neisse
zufammen. Friedrich erwiderte den Befuch Anfang
^ept. 1770 in Mährifch-Neustadt; doch schieden
beide Fürsten voneinander, ohne zu einer auf-
richtigen Verständigung gelangt zu sein. Bei der
ersten poln. Teilung drang I. darauf, daß Oster-
reich energisch in die Verwicklung mit eingrifs und
die günstige Gelegenheit, seine Grenzen zu erweitern,
sich nicht entgehen ließ. Es kam hierüber zu Mei-
nungsvcrfchiedenheiten mit der Mutter. I. war es,
der fchliehlich die Sache zur Entscheidung brachte,
indem er die österr. Truppen in das Zipser Land
einrücken und es besetzen lieh. Einige Jahre später
wurde die Türkei zur Abtretung der Bukowina ge-
nötigt. Hingegen schlugen I.s Absichten auf eine
Erwerbung Bayerns fehl, da Friedrich II. diefem
Vorhaben entgegentrat. (S. Bayrifcher Erbfolge-
krieg.) Nach dem Tode Maria Theresias (29. Nov.
1780) gelangte I. zur Alleinherrfchaft über die
österr. Monarchie; er konnte nunmehr ungehemmt
seinen weit ausgreifenden Plänen nachgehen. Fürst
Kaunitz blieb im Amte, doch stand der ergraute
Minister mehr warnend seinem stürmischen Gebieter
zur Seite, während die Initiative bei den vielen
neuen Unterhandlungen von I. ausging. Seit
dem Frieden von Teschen (13. Mai 1779) mit Preu-
ßen gänzlich zerfallen, suchte I. die Kaiserin Katha-
rina, bisher die Verbündete Friedrichs II., auf
die Seite Österreichs zu ziehen und für seine Pro-
jekte zu gewinnen. Schon vor dem Tode der Mutter
befuchte er im Frühjahr 1780 die Kaiferin in
Mohilew und knüpfte mit ihr nähere Beziehungen
an, die bald zu einem Einvernehmen führten. Noch
bevor die neue Verbindung mit Rußland ihren Ein-
fluß zeigte, führte die neuerungsfüchtige Politik des
Kaifers zu Verwicklungen im Westen. Er kündigte
1781 derRcpublikHolland den Varrieretraktat (f.'d.)
und fetzte es durch, daß die Grenzfestungen in den
österr. Niederlanden von den Holland. Befatzungen
geräumt wurden. Auch forderte er, daß die Sper-
rung der^Schelde aufgehoben und der Seehandel
von der "^cheldemündung her den österr. Nieder-
landen freigegeben würde. Als Holland sich dem
widerfetzte, drohte der Kaiser mit Krieg. Doch kam
es unter franz. Vermittelung zu dem Ausgleich von
Fontainebleau (8. Nov. 1785), wonach die Schelde
für die Schiffahrt geschlossen blieb und Osterreich
nur eine Entschädigungssumme von 10 Mill. Fl.
erhielt, ein Mißerfolg in der Handelspolitik, der die
wirtfchaftlichen Interessen der österr. Niederlande
schwer fchädigte und die in den Niederlanden gegen
den Kaifer herrfchende Verstimmung noch steigerte.
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