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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Kamerunfluß; Kamerungebirge

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Kamerunfluß – Kamerungebirge

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Kamerun'

sichern die Verbindung mit Europa. Seit Okt. 1886 gilt die deutsche Reichswährung.

Geschichte. Bis 1884 stand das ganze Kamerungebiet unter selbständigen Häuptlingen, deren mächtigste die Duallakönige waren. Im Juli 1884 schlossen die deutschen Finnen Woermann, Jantzen und Thormälen mit den «Königen» einen Vertrag ab, welcher ihnen, den Kaufleuten, die volle Souveränität über die Duallagebiete übertrug. Alle aus diesem Vertrage entspringenden Rechte wurden bald darauf durch die genannten Firmen dem Deutschen Reiche übertragen. Am 12. Juli 1884 lief das deutsche Kanonenboot Möve in die Mündung des Kamerunflusses ein; 14. Juli fand die feierliche Besitzergreifung des Gebietes für das Deutsche Reich durch den Generalkonsul Nachtigal statt. Ein Aufstand der Bewohner von Joßstadt wurde 20. bis 22. Dez. 1884 durch Mannschaften der Korvetten Bismarck und Olga unter Konteradmiral Knorr niedergeschlagen, der Ort zerstört und an seiner Stelle der Gouvernementssitz errichtet. Durch Verträge mit der engl. Regierung (3. Mai 1885 und 27. Juli und 2. Aug. 1886 und 14. April und 15. Nov. 1893) und mit Frankreich (24. Dez. 1885) wurde die oben angegebene Grenzlinie festgestellt. Schon Ende März 1887 war die einzig bestehende engl. Niederlassung, die Baptisten-Missionsstation Victoria an die Baseler Missionsgesellschaft abgetreten und damit der unbeschränkte Einfluß Deutschlands gesichert worden.

Um die Erforschung haben sich verdient gemacht: Burton, Mann, Reichenow, Buchholz, Knutson, Valdau, Buchner, Zöller. Den bisher undurchdringlichen Urwaldgürtel haben zuerst im Okt. 1887 Lieutenant Kund und Lieutenant Tappenbeck im Süden und im Dez. 1887 Dr. Zintgraff mit Lieutenant Zeuner im Norden durchbrochen. Den Weg nach dem Binue erschloß Dr. Zintgraff. Er brach 17. Dez. 1888 von der Barombistation auf, gründete die Station Baliburg und durchzog in nahezu direkter nördl. Richtung das Hochland der Bali und Bafut bis Ibi am Binue, wo er im Juni 1889 eintraf. Auf einer zweiten Expedition bestand er, indem er sich den im Kampf gegen die Bafut befindlichen Bali anschloß, 31. Jan. 1891 ein ungünstiges und verlustreiches Gefecht gegen erstere. Er kehrte 1892 noch einmal nach Baliburg zurück, vermochte aber nichts auszurichten, und 1893 wurde die Station ganz aufgegeben. Im Süden errang Lieutenant Morgen bedeutende Erfolge. Schon im Dez. 1889 hatte er von Kribi einen Vorstoß nach Jaúnde und Ngila gemacht und war über den Mbam längs des Sanaga zurückgekehrt. Im Juni 1890 marschierte er abermals nach Ngila und wandte sich von hier direkt nach Nordosten und Norden, durchschritt die Landschaften zwischen dem obern Sanaga und Mbam, in welchen er aufgehäufte Schätze von Elfenbein und einen blühenden Handelsverkehr nach dem mittlern Sudan antraf, und gelangte über Banjo und durch Adamaua im Jan. 1891 nach Ibi am Binue. Zur Sicherung seiner Erfolge rüstete Freiherr von Gravenreuth im Sommer 1891 eine stärkere Expedition aus. Vor dem Abmarsch derselben aus K. unternahm er im Oktober auf Befehl des Gouverneurs die Züchtigung der aufständischen Abo am Wuri und der Bakwiri im Kamerungebirge. Gegen die Abo errang er sofort den Sieg, gegen die Bakwiri aber fiel er in dem hartnäckigen Gefecht bei Buea 5. Nov. 1891. Sein Tod wurde erst im Febr. 1893 durch vollständige Unterwerfung der Bakwiri auf friedlichem Wege gesühnt. ↔ Lieutenant Ramsay erweiterte durch vorzügliche kartogr. Aufnahmen und durch Streifzüge im Febr. und Juli 1892 von der Idiastation aus nach Balinga-Jaúnde und nach dem Dibambafluß die genauere Kenntnis des Hinterlandes von Batanga. Lieutenant von Volkammer, Chef der Balingastation, ward in einem Kampfe mit den Eingeborenen im Okt. 1892 getötet. Im Dez. 1892 wurden die Bakoko am Kwakwa und im Mai 1893 die Mabea (östlich von Großbatanga) zur Einstellung aller Feindseligkeiten gegen die Karawanen durch Regierungstruppen gezwungen. Im Mai 1893 durchzog Lieutenant von Stetten, welcher 1892 im Balilande stationiert war und über die dortigen Verhältnisse sorgfältige und aufklärende Berichte erstattet hatte, dieselben Gegenden, wie drei Jahre vorher Lieutenant Morgen, nur ging er von Banjo über das Genderogebirge nach Kontscha und Jola, wo er im Juli 1893, dem franz. Lieutenant Mizon zuvorkommend,mit dem Sultan von Adamaua einen wichtigen Vertrag abschloß, wonach nur den Deutschen gestattet sein soll, in Adamaua Stationen zu errichten. Um die dadurch dem deutschen Einfluß gesicherten Gebiete am obern Sanaga und Mbam merkantil auszubeuten, wurde Herbst 1893 die Kameruner Hinterland-Gesellschaft mit einem Kapital von 200000 M. gebildet, an deren Spitze Kirchhoff, Rohlfs, Schinz, Paul Reichard u.a. stehen. Sie wird ihre Thätigkeit mit Errichtung von Stationen bei Idia und Balinga am Sanaga und mit dem Export von Elfenbein, Kautschuk, Ölpalmfrüchten und Häuten beginnen. Am 15. Dez. 1893 nahmen meuternde Polizeisoldaten (Dahoméleute) das Regierungsgebäude in Besitz und plünderten es; sie wurden 21. Dez. von Mannschaften des Kreuzers Hyäne verjagt und flohen in den Busch.

Litteratur. Burton, Abeokuta and the Camaroons Mountains (2 Bde., Lond. 1863); Buchholz, Reisen in Westafrika (Lpz. 1879); Reichenow, Die deutsche Kolonie K. (2. Aufl., Berl. 1885); Zöller, Die deutschen Besitzungen an der westafrik. Küste, Bd. 2–4: Forschungsreisen in der deutschen Kolonie K. (Stuttg. 1885); Büchner, Kamerun (Lpz. 1887); Schwarz, Kamerun. Reisen in die Hinterlande der Kolonie (2. Aufl., ebd. 1888); Mitteilungen aus den deutschen Schutzgebieten (Bd. 1–4, Berl. 1888–93); E. Morgen, Durch K. von Süd nach Nord (Lpz. 1893); H. Jäger, K. und Sudan (Berl. 1893).

Kamerunfluß, s. Kamerun (S. 69 a).

Kamerungebirge, Mongo-ma-Loba (d. i. Götterberg,), höchster Gebirgsstock an der Westküste Afrikas, zwischen 4–4° 28' nördl. Br. und 9–9° 30' östl. L. von Greenwich, von etwa 2000 qkm Umfang. Das K. ist eine jungvulkanische Erhebung, der Abschluß der durch den Golf von Guinea ziehenden Vulkanreihe Annobon, San Thomé und Fernando Po. Man hat 28 erloschene Krater in 2730 m Höhe und darüber aufgefunden, von denen der Mount-Hooker (3737 m) einen von 90 m Tiefe besitzt. Die Albertspitze ist der hier und da von Schnee bedeckte, meistens in Nebel gehüllte höchste Gipfel, 3960 (früher 4190) m, südlich davon, zum Meere abfallend, liegt der kleine Kamerunberg, 1774 m (Mongo-ma-Etinde). Den untern, von Schluchten und Thälern zerrissenen Teil bis zu 2200 und 2700 m Höhe bedeckt ein lichter Urwald von Palmen, Akazien und Tamarinden; daran schließen sich steilansteigende, fahlgelbe Grasfelder bis zu einer 2700–2800 m hoch gelegenen, vielfach zerklüfteten

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