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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kapitänlientenant - Kapitol
den stehenden Heeren, die damals entstanden, das '
Wort K. für Hauptmann an. In nenerer Zeit ist !
iedoch die dcntscheBenennung wiederhergestellt wor-
den. Ferner hieß K. bis znm 17. Jahrb. der militär.
Befehlshaber der Schiffe, unter dem der Schiffer z
oder Pilote (Hochseelootse) die Navigiernng ans-
führte. Später bezeichnete man mit K. den Schiffs-
fübrer der Handelsmarine; zur Fübrung des Titels
sind nnr solche Seelente berechtigt, die das Schiffer-
eramen für große Fabrt bestanden baben. In
Frankreich heißen diese K. capitliinO nn Ion"' conrs,
im Gegensatz zu den Führern der Küstenfahrer. K.
dient ferner als Anrede für die Chargen des Kor-
vettenkapitäns (s. d.) und Kapitäns zur See (s. d.)
in den Kriegsmarinen.
Kapitänlieutenaltt, die Charge eines See-
offiziers, die dem Hauptmann in der Armee gleich-
kommt. Rangabzeichen des K. bilden zwei Gold-
streifen nnter der Krone am Ärmel und bewegliche
fransen an, unklarer Anker und zwei Sterne auf
den Epauletten.
Kapitän Pascha, türk. Titel, s.Kapudan Pascha.
Kapitän zur See, die Charge eines Seeoffiziers,
die dem Oberst in der Armee gleichkommt. Rang-
abzeichen des K. z. S. bilden vier Goldstreifen nnter
der Krone am Ärmel, fowie unklaren Anker und
zwei Sterne auf, feststehende goldene Raupen an
den Epauletten. Die Panzerschiffe erster bis dritter
Klasse und die Kreuzer erster und zweiter Klasse sowie
die großen Schulschiffe werden von K. z.^. komman-
diert, ebenso die Matrosen- und Werftdivisionen in
den Reichskriegshäfen. Ein K. z. S., der mit Führung
eines Geschwaders beauftragt wird, erhält gewöhn-
lich den Titel eines Kominod ore und trägt als
solcber fünf Goldstreifen am Ärmel. Steuer.
Kapitation (lat.), Abschätzung für die Kopf-
Kapitel (vom lat. c^pitüwm, d. b. kleiner Kopf),
znnächst die an der Spitze (gleichsam als Kopf)
eines Schriftabschnitts befindliche kurze Übersicht des
Hanptinhalts dieses Abschnittes, dann ein solcher
Abschnitt selbst. Am ältesten sind die Kapiteleintei-
lungon der Heiligen Schrift. (S. Bibel, Bd. 2,
S. 958d.) Anf Prosaschriftsteller, zuerst auf Theo-
phrast und Gellius, soll Johannes de Lapide, der
Lehrer Reuchlins, Ende des 15. Jahrh, die Kapitel-
einteilung übertragen haben.
In den Budgets (Etats) beißen K. die mit
fortlanfenden Nnmmern bezeichneten Abscbnitte,
welche den Anteil zusammenfassen, den je ein be-
stimmter Verwaltungszweig, z. B. die Staatsfor-
sten, an den Einnahmen und Ausgaben baben.
In der Kirchensprache ist K. die Versammlung
oder der Verein der zu einem Kloster oder stifte
gebörigen Geistlichen, die sicb anfangs täglich zur
'Anhörung eines K. ans der Bibel oder aus ibren
Regeln verfammelten; dann anch die Versammlung
geistlicher und weltlicber Orden und Vrüderscbafton.
Wicbtia. wurden die K. der dcntscben Viscbofe, die
früber klösterlich vereint, später das gemeinsame
^eben anfgaben und nnr als Korporationen mit
großen Gerechtfamenverbnnden blieben. (S. Doni-
tapitel und Stift.)
Kapitell, s. Kapital.
Kapitelmunzen, s. Sedisvakanzmünzen.
Kapitelsvikar, s. Kapitularvikar.
Kapitol (lat. cHpitoUum), die Burg der Stadt
Nom (s. d.) und als solche sowie als Platz des röm.
Nationalheiligtums, des Tempels der kapitolinischen
Göttertrias (Jupiter, Juno, Minerva), der religiös-
polit. Mittelpunkt des ganzen Römischen Reicks,
lag auf dem Kapitolinischen Kugel (inonz (^-
Moiwuz), der sich nordwestlich vom Palatin über
der Niederung des Forums zu einer .höhe von 4<; m
ü. d. M. erbebt. Er ist mit etwa 1000 in Umfang
der kleinste unter den sieben Hügeln Roms und
gliedert sich in zwei durch eine Einsattelung ge-
scbiedene Höhen, deren nördliche setzt von der Kirche
Sta. Maria in Araceli, die südliche vom Palast
Caffarelli (jetzt deutsche Botschaft) eingenommen ist.
Schon in frühester Zeit war der nach allen Seiten
schroff abfallende und im ganzen Altertnm nur durck
einen fabrbaren Weg (den c!ivu3 (^MoIwuZ auf
der ^üdostseite nach dem Fornm hin) zugängliche
Berg befestigt. Dem König ^ervius Tullius scbreibt
die Tradition den Mauerring zn, von dessen Unter-
ban an der Nordwestseite noch Reste zu sehen sind.
Der südl. Gipfel, das (^pitolwin im engern Sinne,
trug den Tempel des Inpitcr. König Tarqninius
Priscus begann den Ban, der, von etrnrifcheu Van-
meistern geleitet, von Tarqninius Superbus voll-
endet ward. Mehrmals durch Feuer zerstört, wurde
er (>9 v. Chr. durch Qnintns Lutatius Catulus,
70n.Cbr. von Vespasian, endlich zehn Jahre später
von Domitian wiederhergestellt, immer unter Bei-
behaltung des alten Plans von 74 in Länge und
51 in Breite. Der Tempel batte drei Celten - in der
mittlern stand das Bild des Jupiter, links der Juno,
rechts der Minerva- die Vorhalle bestand aus drei
Reiben von je sechs 9 m voneinander abstehenden
Marmorsäulen. Das Dach bestand ans vergoldeten
Vronzeplatten. Überreicb war der Schmuck an Weih-
gescbenken, Statuen und andern Kostbarkeiten. Der
Temvel litt sebr bei der Plünderung Roms durch
die Vandalen (455 n. Chr.), doch standen bedeutende
Reste noch im 13. Jahrh. Der Platz um den Tempel
i^vca, (^pitolina) enthielt zahlreiche kleinere Heilig-
tümer, Denkmäler und Weihgcschenke; außerbalb
dieses mit einer Mauer umschlossenen geweihten
Ranms lag am westl. AbHange der Felsvorsprung,
von dem in älterer Zeit die Staatsverbrecher hin-
untergestürzt wurden (Tarpejischer Felsen,
saxuin ^ai-j)einin). Die nördl. Höhe (46 m), der
anfänglicb am stärksten befestigte Pnnkt (die eigent-
licke Citadelle, ^rx), trug seit 344 v. Chr. den Tempel
der ratenden Juno (^uno inoneta), mit dem später
das Münzamt verbnnden wurde. Die zwischen
beiden Gipseln liegende Niederung gilt als die Stelle
des von Romulus bei Gründung der ^tadt ein-
gerickteten Asyls. Nach der Forumsseite zu war der
Platz begrenzt durch den gewaltigen, von Lntatius
Catulus 78 v. Chr. errichteten Ban des Tabu-
lariums, welcher das Staatsarchiv enthielt. Be-
trächtlicke in das Untergeschoß des Senatoren-
palastes verbaute Reste sind noch erhalten.
Im frübern Mittelalter trug der Kapitolinische
.^ügcl nur cin monumentales Gebäude, die Kirche
Sta. Maria in Araceli auf dem nördl. Gipfel. Seit
der Wiederberstellnng des röm. Senats 1143 ge-
wann das K. von neuem eine Stellung als ideeller
und administrativer Mittelpunkt der Stadt; der
Napitolplatz diente lange Zeit (bis 1477) als Haupt-
markt, über den Trümmern des Tabulariums erhob
sich der festungsartige Senatorenpalast; ein Hanpt-
aufgang von Norden her, die große Treppe von
Araceli, wurde 1348 angelegt. Kurz vor 1540 ent-
warf Micbelangelo einen Plan für die Umgestal-
tung des K., dcr in den folgenden hundert Jahren
nicht ohne mancherlei Abweichungen ausgeführt
Artikel, dii.' man unter K vermißt, sind unter E auszusuchen.