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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Karl Theodor (Kurfürst von Pfalzbayern) - Karl I. (König von Rumänien)
aber Richelieu ließ ihn verhaften und nach Vin-
cenues führen (Okt. 1639); erst Aug. 1640 ward
cr entlassen. Durch den Westfälischen Frieden er-
hielt er sein Land mit Ausnahme der Bergstraße,
die an Kurmainz fiel, wieder, sowie die neu zu er-
richtende achte Kurwürde. K. L. begann nnn in rast-
loser Friedensarbeit das Land aus der Verödung
der Kriegsjahre emporzuheben. In dem Kriege
gegen Ludwig XIV. überzogen die Truppen Tu-
reuues verwüstend die Pfalz, die auch nach dem
Frieden von Nimwegen Bedrängnisse durch die
Franzosen erdulden mußte. Trotzdem hinterließ
K. L. sein Land nach vortrefflicher Negierung in
Wohlstand und mit geordneten Finanzen. Er starb
28. Aug. 1680. In'der Regierung folgte ihm sein
l^ohn Karl. Vermählt war K. L. mit der Prinzessin
Charlotte von Hessen-Cassel, diese trennte sich aber
von dem Kurfürsten, als er seine Liebe ihrem Hof-
sränlein Loysa von Degenfeld (s. d.) zuwandte, wor-
auf er sich mit letzterer 1657 morganatisch vermählte.
Karl Theodor, Kurfürst von Pfalzbayern,
geb. 1. Dez. 1724, Sohn des Pfalzgrafen Johann
Christian Joseph von Sulzbach, folgte uach dem
Tode des Vaters (1733) in Sulzbach, zunächst unter
Vormundschaft feines Vetters, des Kurfürsten Karl
Philipp von der Pfalz. 1741 übernahm er selbst
die Verwaltung von Snlzbach, und 1742 fiel ihm
nach dem Ableben Karl Philipps Kurpfalz nebst
Iülich und Berg zu. Im Österreichischen Ervfolge-
kriege schloß er sich dem bayr. Wittelsbacher Karl
Albert und dem König von Preußen an; im Sie-
benjährigen Kriege kämpften die Pfälzcr in der
Rcichsarmee gegen Friedrich d. Gr. Als Maximi-
lian Iofeph von Bayern 30. Dez. 1777 starb, nahm
K. T. als dessen nächster Erbe auch Besitz von
Bayern. Den von Kaiser Joseph erhobenen An-
sprüchen unterwarf er sich und willigte in die Ab-
tretung von Niederbayern an Osterreich. Allein der
vom Herzog Karl II. von Pfalz-Zweibrücken, als
nächstem Ägnaten, erhobene Widerspruch sowie
König Friedrichs II. von Preußen bewaffnete Da-
zwischenkunft (s. Bayrischer Erbfolgekrieg) bewirkten
im Frieden zu Teschen von 1779, daß Osterreich mit
dem Innviertel sich begnügte. Der 1785 von Kai-
ser Joseph II. geplante Austausch Bayerns gegen
Belgien, wozu K. T. sich bereit zeigte, wurde durch
die Stiftung des Fürstenbundes vereitelt. Genuß-
süchtig und verschwenderisch, umgeben von über-
mütigen Maitrcssen, beraten von einem sanatischen
Beichtvater, dem Priester Frank, bedrückte er das
Volk durch Steuern, seine prot. Unterthanen durch
jesuitische Unduldsamkeit und verlor die Zuneigung
der Bayern bald ganz, sodaß er 1788 seine Residenz
von München wieder nach Mannheim verlegte.
Gelehrte Gesellschaften, wie die ^c3,<1mnin. ^noo
lloi'o-I'a.iktinH (1763), musikalische Anstalten, das
Theater zu Mannheim, sür das Dalberg, Iffland,
Schiller wirkten, verbreiteten den Namen des Kur-
fürsten als eines Mäccn, während die Landesuni-
versität Heidelberg nnter einem jesuitischen Lehr-
körper zurückging. In den Nevolutionskriegen gegen
Frankreich verhielt er sich zweideutig. Nach seinem
plötzlichen Tode 16. Febr. 1799 folgte ihm der Her-
zog Maximilian Joseph von Pfalz-Zweibrücken, der
Kurfürst und spätere König von Bayern.
Karl I., König von Portugal, Sohn des
Königs Ludwig I. von Portugal und der Maria
Pia, der Tochter des Königs Victor Emanuel von
Italien, geb. 28. ^ept. 1863 in Lissabon, folgte
seinem Vater 19. Okt. 1889 auf dem Throne. (S.
Portugal.) Er ist seit 22. Mai 1886 vermählt mit
Amalie, Prinzessin von Orleans-Bourbon (geb.
28. Sept. 1865), die ihm zwei Söhne (Ludwig Phi-
lipp, geb. 21. März 1887, und Manuel, geb. 15. Nov.
1889) gebar.
Karl, Friedrich Alezander, Prinz vonPrenßcn,
preuß. General-Feldzeugmeister, geb. 29. Juni 1801
in Charlottenburg als dritter Sohn Friedrich Wil-
helms III., wurde 1811 Sekondelieutenant im
1. Garderegiment zu Fuß und machte dann als
Prinz die Stufenleiter der militär. Beförderungen
schnell durch, sodah er 1844 General der Infanterie
und 1854 General-Feldzeugmeister ^inl dem Range
eines Generalfeldmarschalls) und Chef der Artillerie
wurde. 1853 wurde cr zum Herrenmeister des Johan-
niterordens ernannt. K. nahm an den Feldzügen
Wilhelms I. im Hauptquartier teil, ohne aber als
Truppensührer in Thätigkeit zu treten. Er starb
21. Jan. 1883 zu Berlin. Äus seinem Nachlaß erwarb
der Staat eine jetzt dem Zeughause in Berlin ein-
verleibte bedeutende Waffensammlung. Den Namen
des Prinzen führt jetzt das 2. brandend. Grenadier-
regiment Nr. 12. Er war vermählt mit Marie, Prin-
zeß von Sachsen-Weimar (geb. 1808, gest. 1877),
Schwester der Kaiserin Augusta. Aus dieser Ehe
entstammten drei Kinder: Prinz Friedrich Karl (s. d.),
Prinzeß Luise, vermählt mit Aleris, Landgrafen
von Hessen-Philippsthal-Varchfeld, von dem sie
aber 1861 geschieden wurde, und Prinzeß Anna,
verwitwete Landgräsin Friedrich von Hessen.
Karl I., Eitel Friedrich Zephyrin, König von
Nnmänien, geb. 20. April 1839 zu Sigmaringen
als zweiter Sohn des Fürsten Karl Anton von
Hohenzollern, trat 1857 in die preuß. Armee ein,
besuchte die Universität Bonn, machte größere Reisen
und nahm am Dänischen Kriege von 1864 ruhm-
vollen Anteil. Er war Rittmeister im 2. Gardc-
Dragoncrregiment, als Ioan Bratiann ihm die
Krone Rumäniens antrug. Im April 1866 wurde er,
mit Zustimmung des damals die europ. Verhältnisse
beherrschenden Napoleon III., durch ein Plebiscit
zum regierenden erblichen Fürsten von Rumänien
gewählt; 22. Mai zog er in Bukarest ein und be-
schwor 12. Juli die neue Verfassung. Obgleich ihn
sowohl die Türkei wie auch Rußland und Österreich
mit Mißtrauen empfingen, gelang es ihm (Okt. 1866)
doch, die Anerkennung der Pforte und der Groß-
mächte zu erlangen. Im Innern hatte er mit den
größten Schwierigkeiten zu kämpsen. In den ersten
zehn Jahren (1866-76) wogten Parbeikämpse zwi-
schen der Bojarenpartci und den Liberalen hin und
her, bis letztere im Frühjahr 1876 den Sieg er-
rangen. Dennoch wurde in dieser Zeit manches im
Lande gefördert, namentlich die Armccorgamsation,
der auf die wirtschaftliche Entwicklung Rumäniens
mächtig einwirkende Eifenbahnbau und die Grund-
legung zu felbständigen vertragsmäßigen Handels-
beziehungen mit dem Auslande. Die Sympathie
der Rumänen für Frankreich sowie der zugleich mit
dein Deutsch-Französischen Kriege von 1870 und
1871 erfolgte Zusammenbruch der Unternehmungen
Strousbergs (s. d.), wodurch der Ausbau der rumän.
Bahnen in Frage gestellt wurde, bewirkten 22. März
1871 in Bukarest eine von Ruhland ins Werk gesetzte
Bewegung gegen K., die ihn zu dem Entschluv trieb,
die Regierung niederzulegen. Nur schwer ließ er
sich bewegen auszuharren. An dem Russisch-Türki-
schen Kriege von 1877 und 1878 nahm die vom
Artikel, die man unter K vermißt, sind unter C aufzusuchen.