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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Karmelitergeist; Karmesīn; Karmesinlack; Karmīn; Karmingimpel; Karminlack; Karminrot; Karmö; Karmoisīn; Karnak

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Karmelitergeist - Karnak

entworfene und von Papst Honorius Ⅲ. 1224 bestätigte Ordensregel war sehr streng. Jeder in einer eigenen Zelle lebend, dürfen die K. kein Eigentum haben, niemals Fleisch essen, sollen sich abwechselnd bei Tag und Nacht mit Handarbeiten und Gebet beschäftigen und zu gewissen Zeiten vollständiges Schweigen beobachten. Der Generalprior Simon Stock stellte den Orden in den besondern Schutz der Jungfrau Maria, weshalb die K. sich seit 1245 Brüder der seligen Jungfrau Maria nannten. Als Zeichen dieses Schutzes galt das Skapulier (s. d.). Von den Saracenen verdrängt, ließen sich die K. 1238–44 auf Cypern, in Sicilien, Italien, England, Frankreich und Spanien nieder. 1247 gab ihnen Innocenz Ⅳ. eine mildere Regel und nahm sie unter die Bettelorden auf. Diese und weitere Milderungen in der Ordensregel führten zu vielfachen Streitigkeiten und zur Trennung der Observanten oder Karmeliterbarfüßer, auch unbeschuhte K. genannt, die bei der Strenge der ersten Regel verharrten, von den Konventualen oder beschuhten K., die nach den von Eugen Ⅳ. 1431 und Pius Ⅱ. 1459 gemilderten Regeln lebten. Außerdem bildeten sich in dem Orden noch mehrere Kongregationen mit eigenen Regeln und unmittelbar unter dem Papste stehenden Generalen, so namentlich die Kongregation von Mantua (seit 1600) und die Tertiarier, die anfangs der Regel der Observanten folgten, aber 1635 unter Papst Urban Ⅷ. eine eigene Regel erhielten. Die Tracht der K. bestand ursprünglich in einem weiß und schwarz (oder braun) gestreiften Mantel, zur Erinnerung an den Mantel des Elias, der, vom feurigen Wagen herabfallend, solche Brandstreifen gehabt habe. Später kam die Tracht außer Gebrauch und sie kleideten sich wie die Dominikaner (s. Dominikanerorden), nur daß sie schwarz für den Rock und weiß für den Mantel bestimmten. Die K. haben noch einige Klöster, auch in Österreich und Bayern. 1880 wurden die K. mit den andern Orden aus Frankreich ausgewiesen. Der von Heinrich Ⅳ. in Frankreich errichtete Ritterorden Unserer Lieben Frauen vom Berge Karmel hat mit dem Mönchsorden nur den Namen gemein.

Die Karmeliterinnen sind zuerst in Frankreich durch den Ordensgeneral Johann Baptist Soreth 1452 nach der strengen Regel gestiftet und von Papst Nikolaus Ⅴ. bestätigt worden, sie verbreiteten sich rasch; doch unterlagen sie auch den Streitigkeiten und Spaltungen, die durch die Milderung der Regel im Orden hervorgetreten waren. Namentlich in Spanien und Frankreich haben die K. noch Klöster, auch in Österreich und Bayern. – Vgl. Koch, Die Karmeliterklöster der niederdeutschen Provinz, 13.–16. Jahrh. (Freib. i. Br. 1889); Quellen zur Gelehrtengeschichte der K. (im «Archiv für Litteratur- und Kirchengeschichte», Bd. 5, ebd. 1889).

Karmelitergeist, Karmeliterspiritus, Karmeliterwasser, zusammengesetzter Melissenspiritus (Spiritus Melissae compositus), Schlagwasser, ein altes Heilmittel, das 1611 von den barfüßigen Karmelitern der Rue de Vaugirard in Paris in den Handel gebracht wurde. Es ist eine farblose, gewürzhaft riechende Flüssigkeit. Über seine Zusammensetzung s. Aromatische Mittel.

Karmesīn, s. Karmin.

Karmesinlack, soviel wie Karminlack (s. d.).

Karmīn, Karmoisin (Karmesin), ein roter Farbstoff, der aus der Cochenille (s. d.) erhalten wird und aus Karminsäure mit etwas Thonerde und Kalk besteht. Man stellt K. dar, indem man Cochenille mit siedendem Wasser auszieht, die klar abgegossene Lösung mit Alaun versetzt und stehen läßt. K. setzt sich als Niederschlag ab, wird ausgewaschen und getrocknet; oder man zieht die gepulverte Cochenille mit einer Lösung von Natriumcarbonat aus, versetzt mit Eiweiß und fällt mit verdünnten Säuren, wodurch eine vorzügliche Sorte K. erhalten wird. Aus 100 Teilen Cochenille erhält man 3–4 Teile feinsten K. Je mehr Thonerde die Karminsorten enthalten, desto weniger wert sind sie; als beste Sorte gilt allgemein der sog. Nacaratkarmin, von dem 1 kg 32–34 M. kostet. Der Farbstoff der Cochenille, die Karminsäure oder das Coccusrot, kommt auch in den Blüten einiger Pflanzen vor, ist eine purpurrote, amorphe, in Wasser und Alkohol leicht lösliche Masse von der Zusammensetzung C17H18O10 ^[C<sub>17</sub>H<sub>18</sub>O<sub>10</sub>]. Sie bildet mit Alkalien rote Salze und zerfällt beim Kochen mit verdünnter Schwefelsäure in Traubenzucker und in Karminrot, C11H12O7 ^[C<sub>11</sub>H<sub>12</sub>O<sub>7</sub>] Karminsäure und K. finden gegenwärtig in der mikroskopischen Technik als Färbemittel (sog. Kernfarben) ausgedehnte Verwendung. – Blauer K., s. Indigblauschwefelsäuren; grüner K. ist ein Gemenge von blauem K. mit gelbem Farbstoff.

Karmingimpel (Carpodacus erythrinus Pallas), Vogel aus der Gattung der Gimpel (s. d.), etwas kleiner als der gemeine Gimpel, mit karminrotem Kopf, hellkarminroter Kehle und Brust, mit dunklen Schaftflecken, Rücken und Hals bräunlichgrau, Bürzel rosenrot, Schwung- und Schwanzfedern braun mit rötlichen Säumen. Der Vogel bewohnt von Polen und den russ. Ostseeprovinzen an ostwärts den Norden der Alten Welt bis Kamtschatka.

Karminlack, Münchener-, Florentiner-, Pariser-, Wienerlack, Verbindungen und Gemenge von Karminsäure mit Thonerdehydrat und Zinnoxyd. Zur Darstellung dienen die noch Farbstoff enthaltenden Cochenillerückstände der Karminbereitung oder geringe Cochenillesorten. Man kocht 2 Teile Cochenille mit 1 Teil Weinstein und 20 Teilen Wasser, koliert, fügt 30 Teile Alaun und etwas Zinnsalz zu. Beim Erkalten scheidet sich der feinste Lack aus. Aus der abgegossenen Flüssigkeit läßt sich durch Zusatz von Soda eine geringere Sorte gewinnen. K. dient als Wasser- und Ölfarbe in der Malerei, Tapeten-, Stein- und Buchdruckerei.

Karminrot, Karminsäure, s. Karmin.

Karmö, Insel im norweg. Amt Stavanger, vom Festland durch den schmalen Karmsund getrennt, 177 qkm groß, ist flach und teilweise sumpfig, hat zwei Städtchen (Landungsplätze), Skudesnäshavn (1123 E.) und Kopervik (785 E.), ein Kupferwerk Wisnes und zahlreiche Hünengräber. Sehr bedeutend ist die Heringsfischerei.

Karmoisīn (spr. -mŏa-), s. Karmin.

Karnak, ägypt. Dorf im alten Stadtbezirk von Theben, am rechten Ufer des Nils, wo die eigentliche Stadt des Ammon (Diospolis) lag, im Gegensatz zu der großen Totenstadt, den Memnonia der griech. Zeit, auf dem linken Nilufer. Die Häuser von K. liegen um einen Seitentempel Ramses' Ⅲ. Doch versteht man jetzt unter dem Tempel von K. vornehmlich den großen Reichstempel der alten Residenz, der, im Mittlern Reiche bereits gegründet, von den mächtigen Pharaonen der theban. Dynastien im Anfange des Neuen Reichs in riesenhaften Dimensionen ausgebaut, auch später noch bis in die