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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Karpaten
Dunc^ec. Die Innenzone der K. besteht aus einer
Reihe einzelner Stöcke von Granit und krystallini-
schen Schiefern (Tatra, Fatra, Magura, Niedere
Tatra), an denen sich am Außenrand ein mesozoisches
Kalkgebirge anschließt (Liptauer Alpen). Das Un-
garische Erzgebirge besteht aus Trachyt, Andesit und
Vasalt, die Matra aus Trachyt, ebenso die Hegvalja.
Von der Theißquelle an beginnen wieder krystallini-
sche Schiefer, welche nur im SO. Siebenbürgens von
Kalken und ältern Tertiärformationen unterbrochen,
in den Transsylvanischen Alpen bis an die Donau
sich fortsetzen. Ihnen parallel zieht von N. nach S.
ein 140 km langer Trachytzug, welcher das Gyer-
gyoer, Hargitta- und Csiker Gebirge bildet. Im
Westrande Siebenbürgens finden sich großartige
Vasaltberge, z. B. die Detunata.
Mineralschätze. Golderze werden gewonnen auf
der ungar. Seite in Kremnitz und Johannisberg,
in Magurka im Komitat Liptau, in Zsarampo
(Komitat Marmaros), in Felsö-Banya und Nagy-
Vänya im Komitat Szatmar in Iglö (Zips), in
Abrud-Bänya, Vöröspatak, Zalathna,Offen-Banya,
Voicza, Selistye in Siebenbürgen und Oravicza im
Vanater Gebirge; Silbererze in Kremnitz, Schemnitz,
m GoUnitz, Wagendrüssel, Schmölnitz im Komitat
Zips, in Felsö-Vanya, Nagy-Vänya im Komitat
Szatmar, in Kis-Bänya, Vöröspatak, Voicza, Za-
lathna, Selistye und Olah-Lapos-Bänya in Sieben-
bürgen; Quecksilbererze in Iglö und Göllnitz in der
Zips, Rosenau im Komitat Gömör; Kupfererze in
Schemnitz, Libethen (Sohl), Iglö, Göllnitz, Schmöl-
nitz und Krompach in der Zips, Dobschau und
Gömör (Komitat Gömör), Budfalu (Marmaros),
Werksthal bei Rez-Bänya, Valan, Vöröspatak und
Olah Lapos-Bangya in Siebenbürgen, Dognäcska,
Oravicza und Moldova im Banater Gebirge. Blei-
erze in Schemnitz, Nagy-Banya, Felsö-Banya,
Kapnik-Banya, Dognäcska, ferner inAlt-Rodna
(Siebenbürgen); Zinkerze an denselben Orten. Eisen-
erze in Saljo Tarjan (Neograd), Libeken (^ohl),
Iglö, Göllnitz und schmölnitz (Zips), Rosenau,
Sajo, Dobschau (Gömör), Fejerpatak, Kobala Pol-
jana (Marmaros), Gyalär, Telek, Govasdia, Kudsir,
Szt. Kereszt-Vänya, Vajda Hunyad (in Sieben-
bürgen), Ruszkberg, Reschitza, Anina, Steierdorf,
Oravicza, Rufzka, Dognäcska und Nadrag (Krasso)
im Banater Gebirge. In Schmölnitz (Zips) wird
Antimon und Schwefelkies, in Iglö und Dobschau
auch Kobalt und Nickelerzs gewonnen. Arm sind
die K. an Kohlen, sowohl Braun- als Steinkohlen;
die erstern werden in bedeutendern Mengen nur
in Sakgo Tarjan (Neograd) und im Schilthal in
Siebenbürgen, letztere in Neschitza und Steierdorf-
Anima im Banater Gebirge abgebaut. Sehr reich
hingegen sind sie an Salzvorkommen, sowohl in
Ungarn-Siebenbürgen als in Galizien und der
Bukowina. In ersterm sind die Hauptproduktions-
stätten von Steinsalz Slatina und Nönaszek in der
Marmaros, Deis, Akna, Torda, Maros-Ujvär,
Vizakna und Paraft in Siebenbürgen, in letztern
die berühmten Salmen von Wieliczka und Vochnia,
sowie Kaczyka in der Bukowina. So arm die
galiz. Seite der K. an Mineralien und Erzen ist,
so reich sind ihre Petroleum- und Erdwachslager,
deren Zone sich von Kleczany bei Neu-Sandec im W.
bis nach Kimpolung in der Bukowina ausdehnt.
Klima. Die 5k. bilden wie die Alpen eine Wetter-
scheidewand. Während im Alföld und in der großen
ungar. Tiefebene die mittlere Jahrestemperatur
zwischen 10,?° (Nyiregyhäza) und 11,8° 0. (Mezö-
hegyes) schwankt und auch das Vorland Jahres-
mittel von 7,5° (Kremnitz) bis 9,5° (Leva) aufweist,
bat der Nordabfall der K. und das Sarmatische
Tiefland Jahrestemperaturen von 6,3° (Tarnopol)
bis 8,i° 0. (Rzefzow und Bielitz). Noch niedere
Ziffern zeigen die Stationen in der hohen Tatra
und im Waldgebirge: Arvavaralja (500 m) hat 6,5°
mit einem abfoluten Minimum von -34,4°, Kes-
mark 6,3°, Poronin (740 m) 5,7°, Kirlibaba (904 m)
6,i°, Alfö-Verecske 7,0° 0. In Siebenbürgen ichwan-
ken die Jahresmittel zwischen 7,6° (Kronstadt) und
9,2° (Mediasch). - Auch hinsichtlich der Ncgenver-
teilung bilden die K. die Grenze zwischen dem nieder-
schlagsarmen ungar. Tiefland (4-500 mm) und
der Sarmatischen Ebene (6-800 min). Die K. selbst
erhalten durchschnittlich 900-1100 mm.
Bevölkerung. Die K. sind namentlich im N. von
Slawen, im W. und S. von Magyaren und Ro-
manen bewohnt; und zwar die Westkarpaten von
Czechen und Slowaken, während die Beskiden und
die Tatra die Scheidegrenze zwischen den Polen im
N. und den ungar. Slowaken im S. bilden. Die
mähr. Slowaken, welche das Thal der Bccva be-
wodncn, heißen dort Walachen, während die das
Gebirge in Ungarn bewohnenden Slowaken Hor-
nyaken genannt werden. Die poln. Bewohner in
Schlesien heißen Wasserpolaken, jene in Galizien
Goralen. Von dem Durchbruche des Poprad an be-
ginnen zu beiden Seiten der K. die Wohnsitze der
Ruthenen, welche nicht nur das ganze östl. Galizien,
sondern auch die nördl. Bukowina und das nord-
östl. Ungarn umfassen. Sie reichen auf der ungar.
Seite der K. bis zum Pietrosuberge in der Mar-
maros und bis Kirlibaba in der Bukowina. Ihre
Nachbarn in Ungarn und der Bukowina sind die
Rumänen, welche den östl. und südl. Rand in der
Moldau und Walachei, sowie die südl. und westl.
Gebirgsdistrikte Siebenbürgens bewohnen, während
den östl. Teil dieses Landes die Szekler (Magyaren)
bewohnen. Die in den galizischen K. wohnenden
ruthen. Gebirgsbewohner von den Quellen des San
bis zur Lomnica werden Bojken, von da bis in die
Bukowina Huzulen, die ruthen. Karpatenbewohner
in Ungarn Vcrhovinaer genannt. Innerhalb dieser
Gebirgsgegenden finden sich deutsche Sprachinseln,
so in dem Ungarischen Erzgebirge die Sprachinsel
von Kremnitz, Hochwiesen, Deutsch-Proben und
Schemnitz, ferner die alten deutschen Bergwerksorte
Göllnitz, Schmölnitz, Leutschau, Neudorf (Iglö) und
Dobschau, dann die deutschen Ansiedelungen um
Mankacs, welche im Thale der Latorcza bis nach
Galizien hinüber sich fortsetzen, die deutschen Ko-
lonien nahe dem Theißursprunge bei Kiralymezö
und Deutsch-Mokra, endlich jene ausgedehnten En-
klaven der Sachsen in Siebenbürgen, und zwar das
Gebiet zwischen Bistritz und Sächsisch-Regen, jenes
von Kronstadt und Törzburg, sowie zwischen Schäh-
burg, Mediasch und Zermannstadt. Außerdem
wohnen in einzelnen Gebirgsdistrikten der Buko-
wina und Siebenbürgens Armenier und in dem
südl. Teile des Banater Gebirgszuges auch Bul-
garen. Die Dichtigkeit ist am größten in den mähr.,
schles. und westgaliz. Teilen (60 und 80 E. auf
1 hkm). Bedeutend geringer ist sie auf der ungar.
Seite der West- und Centralkarpaten (40-60 E.),
sowie in Oftgalizien und Siebenbürgen (30-50 E.),
am geringsten aber (10-30 E.) in den Komitaten
Arva, Liptau, Turocz, Sohl, Marmaros, Bistritz
Artilel, die man unter K vermißt, sind unter C aufzusuchen.