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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Karsten; Karstenīt; Karstpflug; Karstphänomene; Karsun; Kartalinĭen; Kartāni; Kartätsche; Kartätschgeschütze

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Karsten (Karl Bernhard) - Kartätschgeschütze

schaften, sondern vielmehr die organisierende Thätigkeit der Zellhaut die eigentümlichen Pflanzenstoffe erzeuge. Seine Hauptwerke sind: «Die Vegetationsorgane der Palmen» (Berl. 1847), «Flora Columbiae» (Bd. 1 u. 2, jeder mit 100 Tafeln, ebd. 1857‒69), «Die geognost. Verhältnisse des westl. Columbien» (Wien 1856), «Gesammelte Beiträge zur Anatomie und Physiologie der Pflanzen» (Bd. 1 u. 2, Berl. 1865‒90), «Chemismus der Pflanzenzelle» (Wien 1870), «Fäulnis und Ansteckung. Im Anhange die Darstellung meiner Erlebnisse an der Wiener Universität in den J. 1869‒71» (Schaffh. 1873), «Zur Geschichte der Botanik» (Berl. 1870), «Studie der Urgeschichte des Menschen in einer Höhle des Schaffhauser Jura» (Zür. 1874), «Deutsche Flora, pharmaceutisch-mediz. Botanik» (Berl. 1880‒83), «Géologie de l’ancienne Colombie bolivarienne» (ebd. 1886).

Karsten, Karl Bernhard, Metallurg, geb. 26. Nov. 1782 zu Bützow, studierte zu Rostock erst die Rechte, dann Medizin, wandte sich aber bald der Metallurgie und Bergbaukunde zu. Nachdem er verschiedene Stellungen in Schlesien bekleidet hatte, wurde er 1819 als Geh. Oberbergrat bei dem Ministerium des Innern nach Berlin berufen. Er trat 1851 in den Ruhestand und starb 22. Aug. 1853 zu Schöneberg bei Berlin. K. hat viel zur Entwicklung des Hüttenwesens in Deutschland beigetragen; namentlich ist die Entstehung der großartigen Zinkindustrie Schlesiens auf ihn zurückzuführen. Er schrieb: «Grundriß der deutschen Bergrechtslehre» (Berl. 1828), «System der Metallurgie» (5 Bde., ebd. 1831‒32), «Handbuch der Eisenhüttenkunde» (3. Aufl., 5 Bde., ebd. 1841), «Philosophie der Chemie» (ebd. 1843), «Lehrbuch der Salinenkunde» (2 Bde., ebd. 1846). Klassisch sind seine «Metallurgische Reise durch einen Teil von Bayern und Österreich» (Halle 1821), seine «Untersuchungen über die kohligen Substanzen des Mineralreichs» (Berl. 1826) und die Monographie «Das erzführende Kalksteingebirge von Tarnowitz» (Berl. 1826). Auch gab er das «Archiv für Bergbau und Hüttenwesen» (20 Bde., Berl. 1818‒31) und das «Archiv für Mineralogie, Geognosie, Bergbau und Hüttenkunde» (26 Bde., ebd. 1829‒54, vom 11. Bande ab gemeinschaftlich mit H. von Dechen) heraus.

Karstenīt, Mineral, s. Anhydrit.

Karstpflug, s. Zoche.

Karstphänomene, geolog. Erscheinungen, die in typischer Form zunächst im eigentlichen Karst (s. d.), dann weiter in den östl. Küstenländern der Adria bis nach Griechenland hinein und in meist geringerm Maße auch in andern aus vorwaltenden reinen Kalksteinen gebildeten Gebirgen vorkommen. Es gehören dahin die Dolmen (s. d.) oder Karsttrichter, die mit Kalksinter überkleideten Höhlen (s. d.) und Grotten, die durch Querriegel plötzlich völlig geschlossenen Thäler (Polje), die den Fluß zwingen, seinen Lauf unter der Erde fortzusetzen, die starke Zerklüftung der Felsen und ihre Zerstreuung auf der Oberfläche, das Vorkommen einer eisenhaltigen roten Erde, der Terra rossa, u. a. Da die K. sich durchaus nicht in allen Kalkgebirgen einstellen, so müssen in dem erwähnten Gebiete besondere Ursachen für sie vorhanden sein, und man glaubt diese gefunden zu haben in der Faltung und Zerstückelung der Kalksteinschichten bei der Entstehung jener Küstengebirge. – Vgl. von Mojsisovics, Zur Geologie der Karsterscheinungen (in der «Zeitschrift des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins», 1880); Cvijić, Das Karstphänomen (Wien 1893).

Karsun. 1) Kreis im südwestl. Teil des russ. Gouvernements Simbirsk, hat 7600,3 qkm, 226566 E., darunter 15000 Mordwinen, 3000 Tschuwaschen, 5500 Tataren; Ackerbau, Waldindustrie, Lederfabrikation. – 2) K., auch Korsun, Kreisstadt im Kreis K., am Barysch und an der Korsunka, hat (1888) 5621 E., 5 Kirchen, Handel und Industrie.

Kartalinĭen, s. Georgien.

Kartāni, Bewohner von Maskat (s. d.).

Kartätsche (vom ital. cartoccio, Düte, abgeleitet von carta, Papier, gleicher Abstammung mit Kartusche), Schrotbüchse, jetzige Bezeichnung des Hagelgeschosses (s. Hagel [artill.]). Man vereinigte die einzelnen Kugeln anfänglich in einem Netz oder Sack (Beutelkartätsche, s. Geschoß, Bd. 7, S. 903 b) oder kittete sie mit einem Holzspiegel zusammen (Traubenkartätsche); in neuerer Zeit wendet man Blechbüchsen als Behälter für die einzelnen Geschosse an (Büchsenkartätsche, s. Geschoß, Fig. 6 u. 28, sowie Tafel: Moderne Geschosse, Fig. 7). Die K. kann nur gegen lebende Ziele, und zwar auf kurze Entfernungen (bis 500 m), angewandt werden; auf größere Entfernungen ersetzt man sie durch das Shrapnel (s. Geschoß, Bd. 7, S. 904 a u. 907). Die K. dient hauptsächlich zur Abwehr des nächsten Kavallerie- oder Infanterieangriffs, im Festungskriege besonders auch zur Bestreichung von Hindernissen, z. B. der Gräben.

Kartätschgeschütze, im engern Sinne Geschütze, die nur Kartätschen verschießen sollen, z. B. glatte leichte Geschütze zum Bestreichen der Festungsgräben; im weitern Sinne gleichbedeutend mit Mitrailleusen, Repetiergeschützen, Infanteriekanonen (frz. canons à balles), Revolverkanonen, Kugelspritzen. Letztere beruhen auf der Verbindung mehrerer Feuerrohre geringern Kalibers zu einem einheitlichen System mit gemeinsamer Ladevorrichtung. Sie sind zu unterscheiden von den schnellfeuernden Einläufern kleinern Kalibers. Die Mehrläufer vermögen im übrigen ein sehr schnelles Feuer abzugeben und bilden ein Mittelding zwischen Geschützen und Handfeuerwaffen. Den erstern entsprechen sie durch ihr Untergestell, das je nach dem Gebrauchsort eine fahrbare Lafette sein kann, durch das Gesamtgewicht wie durch die Art ihrer Bedienung und Handhabung, während sie in ihrer Wirkung sich mehr den Handfeuerwaffen anschließen, insofern sie Geschosse geringern Gewichts schießen. K. schleudern in kurzer Zeit eine sehr große Anzahl von Geschossen und wetteifern in dieser Beziehung bei lebenden Zielen mit den Streugeschossen der Geschütze, den Kartätschen und Shrapnels, daher auch der Name K.; sie werden auch in denselben Fällen verwendet wie die Kartätschen (s. Kartätsche). Als Feldgeschütze sind sie wenig geeignet. Als Bewaffnung der Kriegsschiffe gewähren die größern Kaliber der K. vermöge der Durchschlagskraft und Sprengwirkung ihrer Geschosse, verbunden mit dem raschen Feuer, ein gutes Verteidigungsmittel gegen Torpedoboote, während sie bei ihrer Leichtigkeit für letztere eine geeignete Ausrüstung bilden. Die geringern Kaliber benutzt man gegen das Deck des gegnerischen Schiffs, zum Abweisen von Enterversuchen sowie zum Schießen in die feindlichen Stückpforten und in die Schießscharten der Küstenwerke.

Die ältesten Arten von K. sind die noch wenig leistungsfähigen Orgelgeschütze (s. d.) und die