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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kaschmir
während die gegenüberliegende Kette mächtige
Schneegipfel trägt. Der Induszufluß Dschihlam
oder Bihat durchströmt, zahlreiche Seitenflüsse auf-
nehmend, das Kochthal in nordwestl. Richtung, bil-
det in 1580 in Höhe den größten unter den schonen
Seen des Landes, den 16 Kni langen und 2,4 km
breiten Wularsee (engl. Vullar) am Fuße des
5152 m hohenHaramuk, wendet sich dann gegen W.
und tritt bei Musaffarabad in 634 m Höhe durch
den Paß von Baramula (s. d.) aus dem Thale her-
aus. Den Lauf des Stroms begleitet die einzige
Straße nach K. Außerdem giebt es etwa ein Dutzend
Alpenpässe, von denen der höchste 3828, der im
Sommer besuchteste über die Pir-Pandschalkctte
3259 in hoch ist. Das Kesselthal erinnert an einen
ungeheuern Krater. 1828 fanden zwei Monate lang
ausgeführt. Die Industrie ist namentlich berühmt
durch die Verfertigung der vorzüglichen Kaschmir-
shawls (s. Shawl), teils aus den Haaren der fein-
haarigen Kafchmirziegen, teils aus dem Unter-
haar der wilden Ziegen Tibets. Der Hauptmarkt
ist Amritsar (s. d.), wo auch unechte (gestickte) in
Menge angefertigt werden. Außerdem fertigt man
ausgezeichnete Waffen, Leder zu Sattlerarbeiten,
Papier und Nofenöl. Die wichtigste Stadt ist
Srinagar (s. d.), auch K. genannt.
Geschichte. K. ist das einzige Land Indiens, das
einen einheimischen Geschichtschreiber hat, Kathana,
um 1120 n. Chr., den Verfasser der Nääsclia-
tii!-Hü"jni (s. Indische Litteratur, Vd. 9, S. 570 d).
Die Abgeschlossenheit des Landes begünstigte seine
polit. Selbständigkeit, die erst 1341 verloren ging,
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Kaschmir (Situationsplan).
täglich Erdbeben statt. Schwefelquellen sind zahl-
reich. Nach den neuern geolog. Untersuchungen war
es ursprünglich ein Seebecken. Wegen seines milden
Klimas, seiner üppigen Vegetation, seiner köstlichen
Früchte, seines fruchtbaren Bodens und guten An-
baues ist K. jedenfalls einer der fchönsten Erdstriche,
und mit Recht nennen die Orientalen denselben das
Paradies von Indien und den Garten des ewigen
Frühlings. Früher wurde auch hin und wieder das
Paradies der Bibel nach K. versetzt. Die Bewohner
von K. ls. Tafel: Asiatische^Völkertyp en,
Fig. 12) sind die schönsten Hindu, scharfsinnig, heiter
und witzig, aber auch voll Lug und Trug, selbstsüch-
tig, ausschweifend. Sie sprechen einen neuindischen,
arischen mit Persisch untermischten Dialekt. Ihre
Frauen werden sür die Harems in Hindustan sehr
gesucht. Man treibt Ackerbau, Schaf-, Ziegen- und
Rinderzucht mit Alpenwirtschaft auf den überaus
fetten Weiden. Butter wird in großen Mengen
als infolge innerer Unruhen, welcbe auch durch den
seit 1315 von Echams-ud-din eingeführten Islam
genäbrt wurden, die letzte eingeborene Herrscherin
ihr Königreich verlor. Ihr folgte eine Reihe nw-
hammed. Hindufürsten, bis das Land 1586 durck
Akbar dem Reiche von Dehli einverleibt wurde.
1752 geriet K. in die Hände der Afghanen. Diesen
wurde es 1819 von Randfchit-^ingh, dem Maha-
radfcha von Lahaur, entrisfen und mit dem Reiche
der Sikh vereinigt. Nach dem Tode Randschit-
Singhs (1839) strebte K. beständig danach, sich von
Lahaur loszureißen. Nachdem die Engländer mit
dem elsjährigen Dalip Singh 1849 ein "überein-
kommen" getroffen hatten, wodurch er Thron und
Hcrrfchaft verlor, überliehen sie dem zum Maha-
radscha erhobenen Fürsten von Dschamu, Gulad
^ingh, alles zwischen dem Rawi und Indus ge-
legene Vergland mit Einschluß von K. als erbliches
Besitztum, wofür er sich zum indobrit. Vasallen er-
Nrtikt'l, dn' man imtcr K vorinißt, sind unter C aufzusuchen.