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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Katatin; Katatonie; Kate; Katechese; Katechetik; Katechin; Katechisation; Katechismus

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Katatin – Katechismus

unglückliche Wendung, selbst jedes unglückliche Naturereignis K. zu nennen.

Katatin, Bergzug, s. Appalachen.

Katatonie (grch.), Spannungsirresein, Bezeichnung für eine sehr häufige Form von Geisteskrankheit, die sich durch einen gesetzmäßig gegliederten Verlauf auszeichnet, innerhalb dessen es zeitweise zu völliger Regungslosigkeit, jeweilig mit krampfartigen Zuständen der willkürlichen Muskeln, kommt. Die letztern führen zur Annahme gewisser Haltungen und Stellungen einzelner Glieder oder des ganzen Körpers, die tage-, wochen-, ja monatelang unverändert (statuenartig) beibehalten werden (dann auch Katalepsie oder Starrsucht [s. d.] genannt). In einer andern Phase der Krankheit zeigen die Kranken ein eigentümlich läppisches Gebahren mit Neigung zu allerhand sinnlosem Geschwätz, sonderbaren stereotypen Bewegungen. Daneben finden sich (besonders im Anfang) nymphomanische Erregung, Hallucinationen, Verfolgungsideen dämonomanischen Inhalts, zuletzt ideenflüchtige Verworrenheit u. s. w. Die Krankheit ist heilbar, zeigt aber häufige Rückfälle und geht nicht gar selten in dauernden, lange Zeit währenden Blödsinn über.

Kate (Kathe, Kothe, Kotte), Bezeichnung eines einzelnen Bauern- oder ländlichen Arbeiterhauses im Gegensatz zu einem geschlossenen Bauerngut. Die Besitzer einer K. heißen Kätner, Eigenkätner, Kötter, Kossaten (s. Hintersassen und Bauer, Bauerngut, Bauernstand).

Kate, Jan Jacob Lodewijk ten, niederländ. Dichter, geb. 23. Dez. 1819 im Haag, studierte 1838–44 in Utrecht Theologie, erhielt 1815 eine Predigerstelle auf der Insel Marken, ging 1817 nach Almkerk, 1850 nach Middelburg und lebte seit 1860 in Amsterdam, wo er 25. Dez. 1889 starb. In seinen zahlreichen Werken und Übersetzungen zeigt K. eine große Sprachgewandtheit und dieselbe Leichtigkeit des Versbaues, wodurch er auch als Improvisator hervorragte. Hervorzuheben sind: «De Schepping» (Utr. 1866; deutsch von Zimmermann, Hamb. 1890), das populärste seiner Werke: «De Planeeten» (Arnh. 1869), «De Jaargetijden» (Groningen 1871), «Palmbladen en dichtbloemen» (Amsterd. 1884), sowie die Balladen, Romanzen, Legenden und andere kleinere Gedichte in den «Kompleete Dichtwerken» (8 Bde., Leid. 1867–73). Die Prosawerke K.s bestehen größtenteils aus Kanzelreden und andern Beiträgen zur erbaulichen Litteratur; außerdem schrieb er «Italië. Reisherinneringen» (Arnh. 1857) und «Nieuwe bladen uit het dagboek der reisherinneringen» (ebd. 1860–62) u. s. w. Eine Gesamtausgabe seiner Werke erschien in 12 Bänden (ebd. 1889–93).

Katechese, Katechet, s. Katechetik.

Katechetik (grch.), die Lehre von der Kunst des Unterrichtens durch Frage und Antwort. Ursprünglich bezieht sich der Ausdruck nur auf die religiöse Unterweisung. Katechese bezeichnete die Zubereitung derer für das christl. Gemeindeleben, die in die Gemeinschaft der Christen aufgenommen werden sollten (der Katechumenen, s. d.); die von der Kirche mit ihrer Zubereitung Betrauten hießen Katecheten. In Alexandria bestand seit Mitte des 2. Jahrh. eine eigene Katechetenschule (s. Alexandrinische Schule). In der alten Kirche waren die Katechumenen Erwachsene; für ihre Unterweisung waren verschiedene Schriften der Kirchenlehrer, wie des Cyrillus von Jerusalem, des Augustinus u. a. bestimmt. Eine einzelne ausgeführte religiöse Unterredung ist eine Katechese, und das dabei angewendete Unterrichtsverfahren wird Katechisation oder Katechisieren genannt, die Methode heißt katechetische, katechisierende, auch dialogische oder erotematische Lehrform im Gegensatz zum Akroamatischen Unterricht (s. d.). – Die Ausbildung der Katechese für die Schule wurde zuerst durch die Reformation veranlaßt und dann namentlich durch die pietistische Schule, Spener an der Spitze, gepflegt. Diese Schule legte zugleich großes Gewicht auf die Lehrform und erkannte insbesondere die Frage (s. d.) als nicht zu entbehrendes Kunstmittel. In der folgenden Zeit wurde nicht selten der Geschicklichkeit in Handhabung der Fragform, nicht nur bei den religiösen Unterredungen, sondern bei allem Unterrichte eine übermäßige Bedeutung beigelegt. Man setzte die Kunst des Unterrichtens fast allein darin, alles durch Frage und Antwort zu entwickeln. Die Unterredungen des Sokrates mit seinen Schülern galten dabei als klassisches Vorbild, und die bezeichnete Methode erhielt den Namen sokratische Methode oder Sokratik. Als berühmte Meister darin galten ihrer Zeit Dinter und Gräfe. Ihrer Überschätzung gegenüber wies schon Pestalozzi darauf hin, daß man den Kindern auch vieles geben, ihnen wirkliche Anschauungen darbieten müsse. – Vgl. Dinter, Die vorzüglichsten Regeln der K. (13. Aufl., Plauen 1862); von Zezschwitz, System der christl.-kirchlichen K. (2 Bde., Lpz. 1863–74); Palmer, Evangelische K. (6. Aufl., Stuttg. 1875); Encyklopädie des gesamten Erziehungs- und Unterrichtswesens, hg. von K. A. Schmid, Bd. 3 (2. Aufl., Gotha 1880).

Katechin, Katechusäure, Tanningensäure, ein wesentlicher Bestandteil des Katechus, dessen Zusammensetzung noch nicht mit Sicherheit festgestellt ist (C₂₁H₂₀O₉ + 5H₂O oder C₁₈H₁₈O₈). K. wird aus Bombaykatechu oder Gambir nach dem Auswaschen dieser Stoffe mit kaltem Wasser durch kochendes Wasser ausgezogen. Aus den erkaltenden Lösungen scheidet es sich in braunen Krystallmassen aus, die durch Umkristallisieren aus heißem Wasser unter Zuhilfenahme von Tierkohle gereinigt werden. Das K. bildet feine weiße, seidenglänzende Nädelchen, schmilzt bei 127°, löst sich sehr schwer in kaltem Wasser, leicht in Alkohol und heißem Äther. Die wässerige Lösung schmeckt etwas bitter und zusammenziehend. Beim Erhitzen liefert das K. Brenzkatechin, Wasser, Kohlensäure und Kohlenoxyd. Im feuchten Zustande färbt es sich, namentlich beim Erwärmen an der Luft, braun, durch oxydierend wirkende Stoffe wird es rasch tiefbraun gefärbt; mit Eisenoxydsalzen giebt es eine intensiv grüne Färbung, mit Basen geht es keine Verbindung ein.

Katechisation, Katechisieren, s. Katechetik.

Katechismus (grch.), ein in Fragen und Antworten abgefaßtes Lehrbuch; in der Kirchensprache besonders die so gefaßte Erklärung der Hauptstücke der Glaubenslehre zum Zwecke des Volksunterrichts. Das Bedürfnis der religiösen Jugendbildung führte schon im 8. und 9. Jahrh. zur Abfassung solcher Katechismen, unter denen der von Kero, Mönch in St. Gallen, und der wahrscheinlich von dem Mönche Otfried von Weißenburg geschriebene die berühmtesten sind. Späterhin finden sich solche Bücher vorzüglich bei den Böhmischen Brüdern, die auch den Namen K. zuerst gebraucht zu haben scheinen. Diese Katechismen enthielten als Hauptstücke des Kirchen-^[folgende Seite]

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