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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kaukerfe – Kaulbach

Tschetschen oder Tschetschenzen. Sie bewohnen den Nordabhang der andischen Wasserscheide und die vorliegende Ebene, welche von der Sunscha und deren Zuflüssen bewässert wird. Sie nennen sich selbst Nachtschuoi oder Nachtschi, vom Worte Nach = Volk. Man teilt die Tschetschenzen in der Regel in Hochländer und Bewohner der Ebene und unterscheidet fünf Hauptstämme: a. die eigentlichen Tschetschenzen (im Kreis Grosnyj); b. die Auchower (Kreis Chasaw-Jurt); c. die Itschkerier; d. die Inguschen (Kreis Wladikawkas); ferner die Bergtschetschenzen (Kisten, Tscheberloi, Dsumsoi und Gulgai). Hierher rechnet man auch einen Teil der Tuschen. Die Gesamtzahl der Tschetschenzen beträgt 224 131 Köpfe. Sie sind alle ohne Ausnahme Mohammedaner (Sunniten). 2) Die Lesghier, welche nach ihren noch wenig erforschten Sprachen und nach ihren Wohnsitzen in den abgeschlossenen Schluchten Dagestans in verschiedene Stämme geteilt werden. Hier sind die Awaren mit über 150 000 Köpfen, mit welchen die Didoier und Chwartiner (etwa 6000) nahe verwandt scheinen. Dann die Darginer (etwa 90 000), die Kuriner (mit Rutulern und Zachuren, etwa 160 000), die Laken oder Kasi-Kumuchen etwa 35 000, die Tabasaraner etwa 17 000 und die Udinen am Südabhang des östl. Kaukasus 7273 Seelen. – III. Ferner ist noch zu verzeichnen eine dritte Gruppe von Völkern mongol. Stammes: 1) Reine Mongolen: die Kalmücken (11 837). Sie sind Buddhisten und teilen sich in zwei Klassen: «Weiße Knochen», d. i. der Adel, und «Schwarze Knochen», d. i. das gemeine Volk. 2) Türkische Völker: Nogaier (über 70 000), mit ihnen verwandt sind die Kumyken (etwa 80 000), dann die Karatschaier (20 000) und ihre Verwandten im Oberlauf des Backsan, Tschegem und Tscherek: die Urusbier, Tschegemer, Bolkaren, Bisingier und Chulamer (etwa 14 000). – Zu den Bergvölkern rechnet man endlich noch von Völkern iranischen Stammes die Osseten (oder Ironen) etwa 150 000 Köpfe, die Taten (111 000), Talyschiner (etwa 50 000) und Kurden (etwa 82 200), die beiden letzten im Kleinen Kaukasus. – Vgl. außer ältern Werken von Klaproth und Güldenstedt: Bodenstedt, Die Völker des Kaukasus (2. Aufl., 2 Bde., Berl. 1855); Berger, Die Bergvölker des Kaukasus (in Petermanns «Mitteilungen», 1860); von Seidlitz, Ethnographie des Kaukasus in Karte und Tabelle (in Petermanns «Mitteilungen», 1880, Bd. 26), und Die Völker des Kaukasus nach ihrer Sprache und topogr. Verbreitung (in der «Russischen Revue», 1881). – S. auch die Litteratur bei Kaukasus und Kaukasische Sprachen.

Kaukerfe, eine ältere systematische Bezeichnung für die Insekten mit kauenden Mundteilen (Orthopteren, Neuropteren, Käfer und Hymenopteren), denen man die Saugkerfe (Hemipteren, Fliegen und Schmetterlinge) mit saugenden Mundteilen gegenüberstellte. Aber einmal entspricht diese Anordnung durchaus nicht der natürlichen Verwandtschaft, dann aber giebt es auch K. mit saugenden Mundteilen namentlich unter den Käfern. Auch die Geradflügler (s. d.) allein werden gegenwärtig gelegentlich noch als K. bezeichnet.

Kaulbach, Friedr., Maler, geb. 8. Juli 1822 in Arolsen, studierte 1839–45 die Malerei bei seinem Vetter Wilhelm von K. in München. Eine seiner ersten Kompositionen war: Adam und Eva bei dem erschlagenen Abel; sodann malte er: Othello vor der schlafenden Desdemona, und später die Krönung Karls d. Gr. (Maximilianeum in München). Doch neigte K. von vornherein dem Porträtfache zu, worin er Bedeutendes leistete. Er malte die Gräfin Tascher, die Kaiserin von Osterreich und den Kronprinzen von Preußen, die Großfürstin Alexandrine von Rußland, die Bildhauerin Ney, vorzugsweise aber an den Höfen von Oldenburg (1854), Schwerin (Großherzogin Alexandrine) und Hannover (1856), wo er sich, zum Hofmaler ernannt, dauernd niederließ. K. ist Professor an der Technischen Hochschule in Hannover; außerdem Mitglied der Berliner Akademie der Künste.

Kaulbach, Friedr. August von, Maler, Sohn des vorigen, geb. 2. Juni 1850 zu München, an der Kunstschule zu Nürnberg bei Kreling und Raupp vorgebildet, erlangte in München unter Diez seine volle Ausbildung im Studium der ältern Niederländer. Die glänzenden koloristischen Eigenschaften seiner dem Porträtfache und dem intimen Genre im Stil der deutschen Renaissance angehörigen Bilder verschafften ihm bald einen angesehenen Namen, den auch Werke wie Kavalier und Zofe (1873), Die Träumerei (1877), Das Burgfräulein mit dem Pokal und andere altdeutsche Edelfräulein und Patriciertöchter ebenso verdienen wie der Spaziergang, Familienfest im Mai (1879; Dresdener Galerie), Das Quartett u. s. w. Von religiösen Bildern schuf er eine heil. Cäcilia und eine Grablegung Christi (München, Neue Pinakothek). All das räumt jedoch mehr und mehr der Porträtarbeit das Feld, worin er schon 1876 mit dem Bildnis der Joh. Lahmeyer einen großen Erfolg erzielt hatte, den er mit der Dame im rosa Kleid (1880), Gemahlin des Künstlers und die Geschwister (1883), Schwester des Künstlers (1884), Prinzessin Gisela (1886), Baronin Cramer-Klett (1887), den Bildnissen des großherzoglich hess. Hauses (1892), wie auch im männlichen Bildnis: Vater des Künstlers (1889) und Prinz-Regent von Bayern (1889), im Ölbild wie in Pastell stetig steigerte. K. ist in improvisierten Werken von packender Frische (Schützenlisl), in graziösen Fächermalereien und in der Karikaturzeichnung (Kneipzeitung der Allotria) hervorragend. 1886–91 wirkte K. an Stelle des verstorbenen Karl von Piloty als Direktor der Münchener Kunstakademie.

Kaulbach, Herm., Maler, Sohn Wilhelms von K., geb. 26. Juli 1846 zu München, war daselbst Schüler Karl von Pilotys. Einige kleinere Werke, wie Ludwig IX. im Gefängnis zu Peronne (1869), Die Kinderbeichte (1871), lenkten die Aufmerksamkeit auf ihn, noch mehr die Komposition Der sterbende Mozart (1872). Ihr folgten: Hansl und Gretl bei der Hexe (1873), Aus dem Gelobten Lande (1874), Seb. Bach bei Friedrich dem Großen (1875), Voltaire als Paris (1876). Inzwischen entstanden die Kompositionen zu beliebten Opern und die Gustav Freytag-Galerie, die Narrenfreuden und Leiden der Vorzeit. Andere Gemälde aus den siebziger Jahren sind außer Porträts Heimweh, Die Turmfalken, Stille Andacht, und größere Werke der neuesten Zeit: Lucrezia Borgia tanzt vor Papst Alexander VI. (1882), Krönung der heil. Elisabeth (1885; Galerie zu Wiesbaden), An der Grabstätte des Freundes (1888; Neue Pinakothek in München), Die Mondfee (1889), Das Ende vom Lied (1892; angekauft vom Großherzog von Oldenburg). K., seit 1888 königl. Professor, lebt in München.

Kaulbach, Wilh. von, Maler, geb. 15. Okt. 1805 zu Arolsen, besuchte seit 1821 die Akademie zu

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