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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kaulbars (Nikolaj, Baron von) – Kaunitz

und beteiligte sich 1873 bei der Amu-darja-Expedition, welche den Zweck hatte, die Schiffbarkeit des alten Flußlaufs wiederherzustellen. Den Reisebericht veröffentlichte er in den «Zapiski» der Russischen Geographischen Gesellschaft, Bd. 9 (Petersb. 1881). Nach dem Russisch-Türkischen Kriege von 1877 bis 1878 war er Mitglied der Kommission für die neue Demarkationslinie Serbiens, und vom Juli 1882 bis Sept. 1883 Kriegsminister in Bulgarien, wo er rücksichtslos das russ. Übergewicht geltend zu machen suchte. Hierauf wurde er Generalmajor und Kommandierender einer Kavalleriedivision in Plozk.

Kaulbars, Nikolaj, Baron von, russ. General, Bruder des vorigen, geb. 3. Juni 1842 in Petersburg , trat in ein Jägerregiment ein und kam 1868 zum Generalstab. 1875–76 studierte er in Berlin die deutschen Heereseinrichtungen. Im Russisch-Türkischen Kriege nahm er an den Kämpfen von Dubnjak und am Übergang über den Etropol-Balkan teil, war dann Mitglied der montenegrinischen Grenzregulierungskommission und kam 1881 als Militärbevollmächtigter zu der russ. Gesandtschaft nach Wien. 1886, nach der Abdankung des Fürsten Alexander, erhielt K. den Befehl, den russ. Einfluß in Bulgarien wiederherzustellen; er begab sich im Oktober nach Sofia, trat dort mit großer Schroffheit auf, aber erreichte seinen Zweck nicht. Ende November nach Petersburg zurückgekehrt, wurde er dem Stabe des dortigen Militärbezirks zugeteilt und 1889 zum Generalstabschef des 6. Armeekorps in Warschau ernannt. K. schrieb: «Bemerkungen über die deutsche Armee» (russisch, Petersb. 1878), «Bemerkungen über Montenegro» (russisch, ebd. 1881), «Aperçu de travaux géographiques en Russie» (ebd. 1889), «Die deutsche Armee und die Principien ihres Seins und ihrer Ausbildung» (russisch, ebd. 1890), «Les armées de la Triple-Alliance. L’armée austro-hongroise» (aus dem Russischen, Par. 1893).

Kaulbarsch (Acerina cernua L.), im Volksmunde auch Pfaffenlaus genannt, ein höchstens 25 cm lang werdender Fisch aus der Familie der Barsche, dessen beide Rückenflossen zu einer verschmolzen sind, mit Stacheln am Vorderdeckel der Kiemen und breitem Kopfe, der viele Vertiefungen zwischen leistenartigen Erhöhungen zeigt. Er bleibt kleiner als der Flußbarsch und wird gleichfalls gern gegessen.

Kaulbrand, die durch das Weizen- oder Getreideälchen hervorgerufene Krankheit der Weizenkörner, s. Haarwürmer (Bd. 8, S. 615 a).

Kaulen, Franz Philipp, kath. Theolog, geb. 20. März 1827 zu Düsseldorf, studierte in Bonn, empfing 1850 die Priesterweihe, wurde im gleichen Jahre Kaplan in Duisdorf, 1852 in Dottendorf, 1853 Rektor und Gefängniskaplan in Pützchen bei Bonn, 1859 Repetent am theol. Konvikt zu Bonn, habilitierte sich hier 1863 für alttestamentliche Exegese und wurde 1880 außerord., 1882 ord. Professor der Exegese und Pastoraltheologie daselbst und 1892 päpstl. Hausprälat. Seit 1880 leitet K. die Neubearbeitung (2. Aufl.) von Wetzer und Weltes «Kirchenlexikon» (Freib. i. Br. 1882 fg.). Er schrieb u. a.: «Fl. Josephus’ Jüd. Altertümer übersetzt» (Köln 1852; 3. Aufl., ebd. 1892), «Linguae Mandschuricae institutiones» (Regensb. 1856), «Die Sprachverwirrung zu Babel» (Mainz 1861), «Legende von dem seligen Hermann Joseph» (ebd. 1862; 2. Aufl. 1880), «Geschichte der Vulgata» (ebd. 1869), «Handbuch zur Vulgata» (ebd. 1870), «Einleitung in die Heilige Schrift Alten und Neuen Testaments» (Freib. i. Br. 1876; 3. Aufl. 1890 fg.), «Assyrien und Babylonien nach den neuesten Entdeckungen» (Köln 1877; 4. Aufl., Freib. i. Br. 1891).

Kaulf. oder Klfs., bei naturwissenschaftlichen Namen Abkürzung für Georg Friedr. Kaulfuß, Professor der Naturgeschichte in Halle, gest. 1830, verdient um die Farnkunde.

Kaulhuhn, Klutthuhn, Klüter, Kugelhuhn, Klumphuhn, ein schwanzloses Haushuhn verschiedener Größe von Landhuhnform, jedenfalls aus einer Mißbildung entstanden.

Kaulkopf (Cottus gobio L.) oder Groppe, Kaulquappe, ein bis 15 cm langer, sehr schleimiger (daher in manchen Gegenden auch Rotzgopper oder Rotzkolbe genannt), dunkelfarbiger Fisch aus der Familie der Panzerwangen (s. d.), der einen breiten, mit einem Stachel am Kiemendeckel versehenen Kopf und einen nackten Leib hat. Der K. liebt klare fließende Gewässer der nördl. Alten Welt und wird durch seine Gefräßigkeit, mit der er dem Laich der Forellen, deren beständiger Begleiter er ist, und anderer Edelfische nachstellt, sehr schädlich. Sein Fleisch ist schmackhaft

Kaulquappe, s. Kaulkopf und Froschlurche.

Kau-lung (Kiu-lung; engl. Kowloong), der Stadt Victoria auf Hong-kong (s. d.) gegenüber gelegener Hafenort, östlich von der Halbinsel gleichen Namens, wurde 1860 durch den Vertrag von Tientsin an England abgetreten und ist seit 1887 dem fremden Handel geöffnet.

Kaumagen (Proventriculus), s. Insekten (Bd. 9, S. 624 a).

Kaumittel (Masticatoria), Heilmittel, welche ihrer örtlichen Einwirkung wegen gekaut werden müssen, z. B. als Schutzmittel gegen Miasmen, zur Beförderung der Speichelabsonderung u. s. w.

Kaunitz, Wenzel Anton Dominik, Fürst von, Graf von Rietberg, österr. Staatsmann, geb. 2. Febr. 1711 zu Wien, wurde als jüngerer Sohn zuerst für den geistlichen Stand bestimmt, widmete sich aber später dem Staatsdienst. Er studierte zu Wien, Leipzig und Leiden, durchreiste hierauf, seit 1732, England, Frankreich und Italien und wurde 1735 vom Kaiser Karl VI. zum Reichshofrat ernannt. Durch seine Vermählung mit der Gräfin von Ostfriesland und Rietberg erwarb er die Grafschaft Rietberg. 1741 wurde er in diplomat. Sendung nach Rom und Florenz geschickt, ging 1742 als Gesandter nach Turin, um das Verteidigungsbündnis Österreichs mit Sardinien und England gegen Frankreich und Spanien enger zu schließen, wurde 1744 österr. Minister am Hofe des Generalgouverneurs der österr. Niederlande, des Herzogs Karl von Lothringen, und während dessen Abwesenheit 1745 von Maria Theresia zum wirklichen bevollmächtigten Minister daselbst erhoben. Doch konnte er diesen Posten nicht lange verwalten, weil die Franzosen im Österreichischen Erbfolgekriege Brüssel Febr. 1746 einnahmen. K. kapitulierte, erhielt für die österr. Truppen freien Abzug, ging hierauf nach Antwerpen, und da auch dieses übergeben werden mußte, nach Aachen. Seiner geschwächten Gesundheit wegen trat er eine Zeit lang aus dem Staatsdienst, erschien aber 1748 wieder bei dem Friedenskongreß zu Aachen, wo er den Grund zu seinem großen Rufe als Diplomat legte. Nach dem Aachener Frieden zum wirklichen Konferenz- und Staatsminister ernannt, sprach er sich in einer weitläufigen Denkschrift für

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