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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kavalleriebatterie – Kaviar

von Mühlwerth-Gärtner, Die österreichische K. in den Feldzügen des 18. Jahrh. und der neuesten Zeit (Wien 1881); von Haber, Geschichte der K. des Deutschen Reichs (Berl. 1881); Prinz Hohenlohe-Ingelfingen, Militär. Briefe. I. Über Kavallerie (2. Aufl., ebd. 1886), Die Thätigkeit der Kavalleriedivisionen im Kriege (ebd. 1884), Betrachtungen über die Treffentaktik der K. (ebd. 1884); von Schmidt, Instruktionen der Reiterei (2. Aufl., ebd. 1886).

Kavalleriebatterie, s. Artillerie (Bd. 1, S. 949 b).

Kavalleriedivision, ein aus Kavallerie meist mit Zuteilung von reitender Artillerie gebildeter Heereskörper, der jetzt meist als selbständige strategische Einheit auftritt, der aber auch mit mehrern Infanteriedivisionen in einem Armeekorpsverbande stehen oder mit andern K. zu einem Kavalleriekorps vereinigt sein kann. Über Kavallerietruppendivision in Österreich-Ungarn s. Infanteriedivision.

Kavalleriegelder hießen während des 18. Jahrh. in Preußen die Steuern, welche die Landbevölkerung als Ablösung für die Naturalverpflegung zahlen mußte, seitdem 1717 die gesamte preuß. Kavallerie vom platten Lande in die Städte verlegt worden war.

Kavallerie-Inspecteure, zwei zur Leitung der Kavallerieübungen sowie der taktischen Übungsreisen von Generalen und Stabsoffizieren der Kavallerie berufene Offiziere der deutschen Armee. Die Einrichtung ist geschaffen durch Kabinettsorder vom 20. Febr. 1890. Die K. sind Mitglieder der Kavalleriekommission (s. d.), haben Rang und Gebührnisse der Divisionscommandeure und sind dem Kaiser direkt unterstellt. Sie können außerdem neben dem Remonte-Inspektor zur Besichtigung des Pferdematerials einzelner Truppenteile verwendet werden.

Kavalleriekommission, bei der deutschen Armee die durch Kabinettsorder vom 20. Febr. 1890 geschaffene ständige Kommission zur Bearbeitung kavalleristischer Angelegenheiten. Sie ressortiert vom Kriegsministerium und hat ihren Sitz in Berlin. Vorsitzender ist der dienstälteste General, Mitglieder derselben sind: die beiden Kavallerie-Inspecteure (s. d.), der Commandeur der Gardekavalleriedivision, zwei Offiziere des Kriegsministeriums, ein Offizier des Generalstabes und ein Offizier der Feldartillerie. Sie kann zeitweilig verstärkt werden durch den Remonte-Inspecteur, einen Offizier des Militärreitinstituts, durch Truppenoffiziere, den Inspecteur des Militärveterinärwesens, durch Vertreter der Landgestütsverwaltung u. s. w.

Kavallerietelegraph, Gesamtbezeichnung derjenigen telegr. Gerätschaften, welche jedes deutsche Kavallerieregiment im Felde mit sich führt: ein kleiner Morsescher Schreibapparat, zwei Batterien zu 8 und zu 2 Elementen, ein Klopf- und ein Vibrierapparat, Draht, Werkzeug, Steigeisen, Leinen u. dgl. Alles zusammen wiegt 35 kg und wird in zwei Packtaschen verpackt auf einem Packpferde mitgeführt.

Kavallerietruppendivision, s. Infanteriedivision.

Kavanagh (spr. käwwĕna), Julia, engl. Schriftstellerin, die Tochter Morgan K.s, eines irischen Gelehrten, geb. 7. Jan. 1824 zu Thurles in der irischen Grafschaft Tipperary, wurde in der Normandie und in Paris erzogen, kehrte 1844 mit ihren Eltern nach London zurück und ließ 1847 eine Kinderschrift «The three paths», 1848 die Erzählung «Madeleine» erscheinen. Das histor.-biogr. Werk «Woman in France during the 18th century» (2 Bde., Lond. 1850) befestigte ihren litterar. Ruf, der durch den Roman «Nathalie» (3 Bde., ebd. 1850) noch erhöht wurde. Hierauf folgten «Women of christianity» (ebd. 1852), «French women of letters» (2 Bde., ebd. 1862), «English women of letters» (ebd. 1862) und die Romane «Daisy Burns» (3 Bde., ebd. 1853), «Seven years» (3 Bde., ebd. 1860), «Queen Mab» (3 Bde., ebd. 1863), «Dora» (3 Bde., ebd. 1868), «John Dorrien» (3 Bde., 1875), «Two lilies» (3 Bde., 1877) u. s. w. Außerdem veröffentlichte sie «A summer and a winter in the two Sicilies» (2 Bde., Lond. 1858). Durch ihren fließenden Stil und die Wahrheit und Anmut ihrer Charakterzeichnung gehört sie zu den besten der neuern Schriftstellerinnen Englands. Sie starb 28. Okt. 1877 in Nizza. Nach ihrem Tode erschien noch eine Sammlung kleinerer Erzählungen «Forget-me-nots» (3 Bde., 1878).

Kavas (türk.), s. Kawwas.

Kavationsparaden, s. Parade (beim Fechten).

Kavelinge (Holland.), s. Auktion.

Kavént (lat.) oder Garant, der, welcher für einen andern die Garantie (s. d.) leistet; Bürge.

Kavérne (lat.), Höhlung, Hohlraum, namentlich eine durch Vereiterung der Substanz eines Organs entstandene Höhlung, wie die Lungenkavernen bei Lungenschwindsucht (s. d.); kavernös heißt jeder mit Höhlungen durchsetzte organische oder unorganische Körper; über die kavernösen Körper s. Schwellkörper.

Kavete, s. Kafete.

Kaviār (vom ital. caviale, gesalzener Fischrogen; russ. ikra, der mit Salz eingemachte schwärzliche Laich oder Rogen der großen Störarten, vorzugsweise des Störs selbst und des Hausen (ein Fisch liefert 12–20 kg), wird besonders im südl. Rußland am Kaspischen Meer und der untern Wolga gewonnen und bildet eine geschätzte und sehr nahrungskräftige Delikatesse. Man unterscheidet flüssigen oder körnigen und festen oder gepreßten K. Ersterer, der beste und der teuerste, wird, frisch aus dem Fisch genommen, mit dünnen Ruten geschlagen, dann sanft durch ein Sieb gerieben, wodurch die Häute und Bindegewebsmassen entfernt werden; dann mischt man die Eier mit etwa 10 Proz. Kochsalz und läßt die Lauge auf einem Siebe abtropfen. Er ist um so wertvoller, je größer und glasiger die Körner sind. Von diesem K. kommen jährlich ungefähr 5–600 000 kg zur Versendung. Der andere (russ. pájusnaja, wegen der anhaftenden Häute [pájus], genannt) bildet in Rußland ein gewöhnliches Volksnahrungsmittel. Er kommt gewöhnlich gepreßt in den Handel (Preßkaviar). Fälschungen mit in Heringslake gequellten Sagokörnern kommen öfters vor. An Qualität geringer und kleinkörnig ist der deutsche K., auch Hamburger K. oder Elbkaviar genannt, der von den Stören in der Ostsee (namentlich zu Pillau), besonders aber an der Nordsee und dem untern Laufe der Elbe (namentlich zu Glückstadt) gewonnen wird. In Schweden und Rußland gewinnt man noch aus dem Rogen des Sanders, des Karpfens, Hechtes einen hellen, oft roten K. Das Centrum des russ. Kaviarhandels ist Astrachan. 1890 betrug der Wert der Gesamtausfuhr Rußlands an schwarzem und rotem K. 2,53 Mill. Rubel. Neuerdings beteiligt sich auch Amerika an der Kaviargewinnung. Deutschland führte 1892 von dort schon 155 000 kg, von Rußland 168 800 kg ein. Die Preise schwanken nach der Qualität der Ware und den Ergebnissen des Fischfangs. Am geringwertigsten ist der im August

^[Artikel, die man unter K vermißt, sind unter C aufzusuchen.]