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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Keil (Karl) – Keilschrift

philol. Studien in Göttingen und Bonn und wurde 1843 Lehrer an der königl. Realschule in Berlin. 1844–46 besuchte er die Bibliotheken Italiens, wurde 1847 Lehrer am Pädagogium, später an der lat. Hauptschule in Halle und habilitierte sich daselbst. 1855 als Oberlehrer an das Werdersche Gymnasium nach Berlin berufen, ging K. 1859 als ord. Professor der Philologie nach Erlangen, 1869 in gleicher Eigenschaft nach Halle. Außer seinen Ausgaben des Propertius (Lpz. 1850; 2. Aufl. 1867) und der Episteln des Plinius (2. Aufl. mit Index von Th. Mommsen, ebd. 1870) hat er sich um die röm. Philologie besonders durch die Herausgabe der «Grammatici latini» (7 Bde., ebd. 1855–80), durch die Bearbeitung von «M. Porci Catonis de agri cultura liber. M. Terenti Varronis rerurm rusticarum libri tres» (2 Tle., ebd. 1882–84) und durch den Kommentar dazu Verdienste erworben.

Keil, Karl, Bildhauer, geb. 31. Mai 1838 zu Wiesbaden, erhielt seine erste künstlerische Ausbildung von dem Hofbildhauer Hopfgarten in Biebrich, wurde 1857 in Berlin Schüler Drakes und ging dann nach Antwerpen, Paris und Kopenhagen. 1865 beauftragte ihn der Erzherzog Stephan von Österreich mit der Ausführung von zwei kolossalen Heroldstatuen als Fackelträgern am Hauptportal des Schlosses Schaumburg a. d. Lahn. In den folgenden Jahren schuf er: das 12 m lange Relief an der Westseite der Siegessäule in Berlin (1871) mit der Darstellung des Feldzugs gegen Frankreich, das Kriegerdenkmal in Bremen (1875), die kolossale Bronzestatue Kaiser Wilhelms I. an der Façade des Berliner Rathauses und die Bronzestatue des Feldmarschalls Wrangel auf dem Leipziger Platz in Berlin (1880). Er starb 31. Juli 1889 m Bad Kiedrich im Rheingau.

Keilbein (Os sphenoideum), Grundbein, derjenige Knochen des Schädels, der mit dem Hinterhauptsbein den Boden der Hirnschale bildet und mit sämtlichen Schädelknochen fest verbunden ist (s. Schädel); auch die Knochen der Fußwurzel, die am Fußrücken zwischen dem Kahnbein und den drei ersten Mittelfußknochen liegen und als erstes, zweites und drittes K. unterschieden werden. (S. Fuß.)

Keilberg oder Sonnenwirbel, der höchste Gipfel des Erzgebirges, südsüdöstlich von Oberwiesenthal und unweit Gottesgab, auf böhm. Gebiet, ist 1238 m hoch und trägt einen Aussichtsturm.

Keiler, Keuler, das männliche Schwarzwild nach dem zweiten Lebensjahre (s. Sau); auch das männliche Zuchtschwein.

Keilhau, Dorf im Amtsgerichtsbezirk Rudolstadt des Fürstentums Schwarzburg-Rudolstadt (Oberherrschaft), 8 km im W. von Blankenburg, hat (1890) 169 evang. E. und ist bekannt durch die 1817 von Friedr. Fröbel in Verbindung mit Middendorf und Langenthal gegründete Knabenerziehungsanstalt; die Schüler derselben erbauten 1877 zu Ehren ihres Direktors Dr. J. Barop einen Aussichtsturm.

Keilhaue und Keilhauenarbeit, s. Bergbau (Bd. 2, S. 756 b, nebst Fig. 1–4).

Keilinschriften, gebräuchlichste Bezeichnung der in Keilschrift (s. d.) abgefaßten Inschriften in den verschiedenen Idiomen der babylon. und assyr. Sprachen.

Keilnase, Keilnut, s. Keil.

Keilpresse, s. Pressen.

Keilrad, s. Friktionsrad, nebst Textfig. 4 u. 5.

Keilschrift, die Schriftarten der Denkmäler der Euphrat- und Tigrisländer, Persiens und Armeniens. Die Charaktere sind aus lauter geraden und an dem einen Ende spitz zulaufenden Strichen zusammengesetzt, die nach ihrer Gestalt mit dem Namen «Keil» (oder «Pfeil») bezeichnet werden. Sie erscheinen in horizontaler Richtung mit der Breitseite nach links (^[img], Ecke, coin) oder in vertikaler Richtung mit der Breitseite nach oben (^[img], Nagel, clou), seltener schräg nach oben oder unten laufend (^[img], ^[img]). Die Verbindung eines schräg nach oben mit einem schräg nach unten gehenden Keil giebt die Figur ^[img] (Winkel, crochet), die eines vertikalen mit einem schräg nach unten gehenden das Zeichen ^[img]. Diese Elemente wurden durch Wiederholung, Neben- und Übereinanderstellung und durch Kreuzung zu zahlreichen, zum Teil äußerst komplizierten Gruppen vereinigt. Man unterscheidet die folgenden Arten von K.: 1) Die Strichfiguren, auch die hieratische K. genannt, auf den ältesten babylon. Monumenten, den Statuen Gudeas u. s. w. Die Schrift läuft von oben nach unten in Kolumnen von rechts nach links (wie das Chinesische); die Sprache ist die älteste Babyloniens, das sog. Sumero-Akkadische. – 2) Die altbabylonische K. auf den Backsteinen der Könige von Ur u. s. w. – 3) Die neubabylonische K., auch babylonische Kursivschrift genannt, auf Denkmälern aus Sardanapals Zeit bis hinab zur Arsacidenzeit. – 4) Die altassyrische K. auf den Denkmälern der Könige Rammânnirâri (etwa 1400 v. Chr.), Schamschirammân IV. u. s. w. – 5) Die neuassyrische oder ninivitische K. auf Denkmälern assyr. Könige von Teglattphalasar I. an bis zum Ende des Assyrischen Reichs. Alle diese fünf Schriften sind kombinierte Ideogramm- und Silbenschriften, die letzten vier haben je etwa 400 Zeichen zum Ausdruck der babylon.-assyr. Sprache oder auch, in interlinearen Zeilenpaaren, abwechselnd dieser und der sumeroakkadischen Sprache. Mehrere der spätern assyr. Herrscher, z. B. Sardanapal, und der neubabylon. Könige, z. B. Nebukadnezar II., haben noch die ältern Schriftarten, also Nr. 4 statt 5, Nr. 2 statt 3 auf gewissen Denkmälern angebracht: diese Inschriften bezeichnet man als archaisierende (assyr. bez. babylonische) K. (S. auch Babylonien, Bd. 2, S. 233 b.) – 6) Die sog. medische, scythische, besser aber susisch zu nennende K., Silbenschrift mit wenigen Monogrammen, entlehnt von Nr. 3, etwa 90 Zeichen, womit die noch unenträtselte Sprache der zweiten Kolumne auf den persepolitanischen Achämenideninschriften geschrieben ist. In Susa sind einige in der gleichen Schriftart abgefaßte Stücke gefunden, desgleichen einige auch in Sardanapals Bibliothek zu Kujundschik. – 7) Die altpersische K., vermutlich von Nr. 3 entlehnt, von einer Silben- zur Buchstabenschrift vereinfacht, womit die älteste bekannte Stufe der pers. Sprache in den Achämenideninschriften geschrieben ist. – 8) Die armenische K., vermutlich ebenfalls aus Nr. 3 entstanden, Silbenschrift, auf einigen armenischen Inschriften aus der Gegend des Wansees u. s. w.

Ganz neuerdings sind auch in Ägypten, bei Tell el-Amarna (s. El-Amarna), Keilinschriften aufgefunden worden. Sie sind in (neu-)babylon. oder assyr. Schrift abgefaßt und größtenteils in babylon. Sprache geschrieben. Nur ein (in Berlin befind-^[folgende Seite]

^[Artikel, die man unter K vermißt, sind unter C aufzusuchen.]