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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Keratomykose - Keren

Keratomykose (grch., Ceratomycosis aspergillina), die Ansammlung von Schimmelpilzen (Aspergillus, s. d.) in der Hornhaut des Auges im Anschluß an Verletzungen.

Keratonosen oder Keratosen (grch.), Hautkrankheiten, welche auf einer Anomalie des Verhornungsprozesses der Oberhaut beruhen, wie die Fischschuppenkrankheit, das Hauthorn und Hühnerauge, die Psoriasis (s. die betreffenden Artikel) u. a.

Keratonyxis (grch.), Staroperation, bestehend in Durchstechung der Hornhaut mit nachfolgender Zerstückelung der Linse.

Keratoplastik (grch.), künstlicher Ersatz der narbig degenerierten Hornhaut des Auges durch eingeheilte Stücke von menschlicher oder tierischer Hornhaut.

Keratosen, s. Keratonosen.

Keratoskop (grch.), eine mit abwechselnd weißen und schwarzen konzentrischen Ringen bemalte kreisrunde Scheibe, die zur Prüfung der Hornhautkrümmung dient, indem der Beobachter dieselbe in der Hornhaut spiegeln läßt und das Spiegelbild durch eine Öffnung in der Mitte der Scheibe betrachtet.

Keratoskopie (grch.), Retinoskopie, Skiaskopie, eine Methode der Refraktionsbestimmung des Auges, bei der das von einem Hohl- oder Planspiegel auf den Augengrund entworfene Bild einer Flamme und der daneben liegende Schatten beobachtet wird.

Kératry, Emile, Graf de, franz. Publizist und Politiker, geb. 20. März 1832 zu Paris, trat 1854 als Freiwilliger in das 1. Regiment der Chasseurs d'Afrique, schiffte sich 1861 nach Mexiko ein, wirkte dort längere Zeit als Eskadronschef unter den Konterguerrillas und als Bazaines Ordonnanzoffizier, nahm jedoch 1865 seinen Abschied aus der Armee. Bei den allgemeinen Wahlen 1869 wurde er im Depart. Finistère als liberaler Oppositionskandidat gewählt. Am 4. Sept. 1870 übertrug ihm die Regierung der Nationalverteidigung den Posten des Polizeipräfekten von Paris. Als solcher verordnete er sofort die Vertreibung der daselbst wohnhaften Deutschen und die Auflösung der bewaffneten Polizeidiener (Sergents de ville), die er durch unbewaffnete Friedenswächter (Gardiens de la paix) ersetzte. Schon 12. Okt. legte er indes sein Amt wieder nieder, verließ mittels eines Luftballons die belagerte Hauptstadt und wandte sich nach Tours, wo er mit Gambetta in Streit geriet und sich ins Privatleben zurückzog, bis ihn Thiers 1871 zum Präfekten in Toulouse und bald darauf in Marseille ernannte. Doch fehlte es ihm für diese Ämter an Takt und Mäßigung; er nahm 8. Aug. 1872 seine Entlassung und kehrte nach Paris zurück, wo er sich wieder mit Journalistik beschäftigte. Außer verschiedenen Komödien schrieb K. mehrere interessante polit. Flugschriften: "La Contre-Guerilla française au Mexique" (Par. 1867), "L'élévation et la chute de l'empereur Maximilien" (ebd. 1867; deutsch Lpz. 1867), "La créance Jecker" (1868), "Le 4 septembre et le gouvernement de la défense nationale" (Par. 1872), "L'armée de Bretagne 1870-71" (1874), "Bas-fonds et sommets" (anonym 1878), "A travers le passé, souvenirs militaires" 1887) u. a.

Kerbel, s. Anthriscus.

Kerbela oder Meschhed-Hussén, Stadt im asiat.-türk. Wilajet Bagdad, an einem Kanal, rechts vom Euphrat, 96 km im SSW. von Bagdad, von Dattel- und Maulbeerpflanzungen umgeben, enthält das Grabmal Husejns (s. d.).

Kerbelöl, s. Anthriscus.

Kerberos (lat. Cerberus), in der griech. Mythologie der grausige Hund der Unterwelt, den Typhon mit der Echidna erzeugt hatte. Hesiod giebt ihm 50 Köpfe. Auf ältern Vasenbildern wird er bald mit einem, bald mit zwei, bald mit drei Köpfen abgebildet, oft auch mit einem Schlangenschweif und mit Schlangen, die ihm aus dem Leibe oder aus dem Haupte wachsen und sich um seinen Leib ringeln. Später wird er als dreiköpfig oder hundertköpfig geschildert. Er bewachte den Eingang des Hades und schmeichelte den Hereintretenden; wer aber zurück wollte, den ergriff und verschlang er. Herakles holte ihn aus der Unterwelt herauf.

Kerbholz, im altdeutschen Handel und Wandel ein Stück Holz, auf dem vom Gläubiger die Schuldsummen durch Einschnitte (Kerben) bezeichnet wurden. Das K. diente zur Berechnung zwischen Schuldner und Gläubiger. Hieraus erklärt sich der Ausdruck "etwas auf dem K. (d. i. auf Rechnung) haben". Unter den Bergleuten ist das K. ein fingergroßes Stück Holz, worauf der Bergmeister seinen Namen zeichnet und das er zur Citation gebraucht. Bei den Leinwebern sind K. mit Kerben versehene Hölzer, die über den Schäften des Leinweberstuhls angebracht sind, um die Schäfte höher oder niedriger zu hängen.

Kerblippfische, s. Lippfische.

Kerbmuschel (Crenatula), Gattung der Vogelmuscheln (s. d.) mit acht, die wärmern Meere bewohnenden Arten.

Kerbsäge, s. Säge.

Kerbschnitt, eine für Holzflächen gebrauchte Verzierungsart, die darin besteht, daß einer Fläche das Einförmige durch rhythmisch wiederkehrende nicht zu tiefe Einschnitte genommen wird. Besonders eignet sich diese Dekorationsart für kleinere Gebrauchsgegenstände, wie z. B. Brotteller, Dosen, Kassetten, Briefbehälter, Tintenlöscher, Nadelbüchsen u. s. w. Die geometr. Figuren werden auf das Holz selbst gezeichnet und mit einfachen Werkzeugen (Balleisen, Hohleisen, Geißfuß) ausgearbeitet. Als Material eignet sich besonders Linden-, Ahorn-, Birnbaum-, Nuß- und Eichenholz. - Vgl. P. Neumann, Lehrgang für den K. (2. Aufl., Lpz. 1890); J. Koch, Der K., 35 Vorlegeblätter mit Text (Karlsr. 1891); Roth, Anleitung zur Kerbschnitzerei (3. Aufl., Lpz. 1892).

Kerbtiere, s. Insekten.

Kercha, der Choaspes der Alten, linker Nebenfluß des Schatt el-Arab, kommt aus den Bergen der pers. Provinz Ardikan, durchfließt Luristan und Chusistan und mündet als Seimerre 65 km oberhalb Basra.

Kerckringsche Falten (Valvulae conniventes Kerckringii), die drüsenreichen Schleimhautfalten des Dünndarms, benannt nach dem Hamburger Anatomen Theodor Kerckring (1640-93).

Keren (grch.), Personifikationen des Todesverhängnisses, ursprünglich die zu blutlechzenden Dämonen gewordenen Seelen Verstorbener. Eins der Hesiod beigelegten Gedichte schildert die K. als gräßliche Ungeheuer, dunkelfarbig, mit ihren weißen Zähnen knirschend, bluttriefend, untereinander selbst streitend um die in der Schlacht Gefallenen, denen sie das Blut aussaugen. Zuletzt werden sie als strafende Rachegöttinnen mit den Erinnyen zusammengestellt. - Vgl. Rohde, Psyche (Bd. 1, Freiburg 1890).

Keren, Hauptort der Bogos (s. d.), seit 1889 von den Italienern besetzt (s. Erythräa).

^[Artikel, die man unter K vermißt, sind unter C aufzusuchen.]