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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kerulen – Kerze

Mithridates, ist Sitz der Grenzwache und mehrerer Vicekonsulate (darunter Deutschlands), bildet mit Jenikale und einigen andern Ortschaften die Stadthauptmannschaft K. (163,8 qkm) und hat mit diesen zusammen (1832) 27 512 E., breite Straßen mit schönen Anlagen, 2 russ., eine griech., eine kath. Kirche, Synagoge, Gymnasium, Museum für Altertümer, 2 Zeitungen; Naphtha-, Cement- und andere Fabriken, Gewinnung von Salz (aus den benachbarten Salzseen) und Bausteinen, Fischfang, Handel, 2 Banken und Dampfschiffahrtsverbindung mit Feodosia, Berdjansk und Anapa. 5 km südwestlich der Stadt liegt das Fort K. und 10,6 km östlich die Stadt und Festung erster Klasse Jenikale (türk., «Neue Festung»), an Stelle des alten Parthenion, in der Nähe des Berges Chronowaja. Durch die Befestigung von Norden und Süden bildet K. ein großes verschanztes Lager, das feindlichen Schiffen den Eingang ins Asowsche Meer völlig versperrt. Für die Umgegend charakteristisch sind die Schlammvulkane. In der Nähe finden sich zahlreiche Kurgane und Trümmer alter Bauten (der Palast und das Grabmal des Königs Mithridates u. a.), die für Ausgrabungen ergiebig sind. – An der Stelle von K. stand das alte Panticapaeum, eine Kolonie von Milet. Sie wurde später Hauptstadt des Bosporanischen Reichs und erhielt den Namen Bosporus. 1318 kam sie unter dem Namen Cerchio an die Genuesen, Ende des 15. Jahrh. an die Türken, deren Kriegshafen K. wurde, 1773 an Rußland. 1821 wurde die Stadthauptmannschaft K. errichtet. 1855 wurde K. von den Engländern und Franzosen verwüstet. Die neuen Festungswerke sind nach den Entwürfen Todlebens hergestellt.

Kerulen, Name des Oberlaufs des Flusses Argun (s. d.).

Kerykeion (grch.), s. Caduceus.

Kerýktik, s. Homiletik.

Kerynītische Hirschkuh, ein der Artemis heiliges Tier mit goldenen Hörnern und ehernen Läufen, das auf dem Gebirge Keryneia zwischen Arkadien und Achaia hauste. Nachdem Herakles die K. H. ein Jahr lang bis zu den Hyperboreern verfolgt hatte, fing er sie am Flusse Ladon in Arkadien, wohin sie endlich zurückgekehrt war.

Kēryx (grch.), Herold.

Kerze, ein Beleuchtungskörper (s. Beleuchtung), der aus festen brennbaren Stoffen, wie Talg, Stearin, Walrat, Wachs, Paraffin, in Form eines cylindrischen oder schwach kegelförmigen Stabes hergestellt und mit einem Docht (s. d.) versehen ist.

Die Fabrikation der K. erfolgte früher durch wiederholtes Eintauchen der Dochte in geschmolzenen Talg, das Ziehen; diese Methode wird jetzt fast nur noch bei Talgkerzen angewendet. Jetzt ist fast ausschließlich das Gießen in Anwendung. Die geschmolzenen Fette werden in Lichtformen, in deren Achse der Docht gelegt wird, gegossen. Zur Herstellung der Formen dient eine Legierung aus 2 Teilen Zinn und 1 Teil Blei; sie werden über Stahlkerne gegossen oder gezogen. Das erstere Verfahren erfordert außer dem Stahlkern einen Mantel, also eine vollständige Form. Einfacher ist das Ziehen der Kerzenformen, wobei der Stahlkern nur in die flüssige Legierung eingetaucht und herausgezogen wird. Nach dem Erkalten des Metalls wird der Kern aus der Form entfernt. Die so hergestellten Gießformen werden unten durchbohrt, oben mit dem Kopf oder Dopf (einer kleinen Schale mit abwärts gebogenem, in eine Erweiterung der Form passendem Rand und mit durchgehendem Steg) versehen, der die genaue Achsenlage des Dochtes gestattet, aber auch gleichzeitig als Trichter beim Eingießen des Stearins, Wachses u. s. w. dient. Um die erkalteten K. aus den Formen herauszunehmen, drückt man mit dem Daumen auf die erstern, wodurch sie locker werden und hebt sie mit den Fingern oder mittels einer Zange aus den Formen heraus. Größere Fabriken haben Gießmaschinen, bei denen eine große Anzahl K. auf einmal gegossen und dann durch eine besondere Vorrichtung aus den Formen herausgedrückt werden. Eine große Verbreitung hat die Gießmaschine von R. Wünschmann in Leipzig gefunden. Dieselbe ist durch vorstehende Fig. 1 abgebildet. Die in dem Kasten F befindlichen Kerzenformen haben den in Fig. 2 dargestellten Querschnitt. Der obere Flansch A liegt abgedichtet in dem Deckel des Kastens F der Maschine, und die obere Öffnung der Form mündet daher zugleich in den Boden des Gießtroges G, der die flüssige Kerzenmasse aufnimmt. Damit diese nicht unten aus der Form herausfließt, ist der Stempel (Piston) P (Fig. 2), der zum spätern Herausdrücken der K. aus der Form dient, durch einen in die Nute a eingedrückten Kautschukring abgedichtet. Die Pistons haben zur Einführung des Dochtes eine Bohrung, die ebenfalls abgedichtet ist und zwar durch einen Kautschukfaden, der in der seitlichen Öffnung o liegt. Die Dochte sind im untersten Teil der Maschine, dem Dochtkasten D, auf Spulen aufgewickelt. Vor dem ersten Guß werden die Dochte über den später zur Aufnahme der fertigen K. bestimmten Öffnungen der Klemmvorrichtung K an Hölzchen centrisch befestigt. Dann wird die flüssige Kerzenmasse in den Gießtrog G eingegossen und so lange gewartet, bis die Masse erstarrt ist. Hierauf führt man, nachdem die Dochte über der Gußdecke mit einer Schere abgeschnitten sind, mit einem Messer auf dem Grunde des Gießtroges hin, wodurch die Dochte am Ende der K. abgeschnitten werden. Dann windet man durch

^[Abb.: Fig. 1.]

^[Abb.: Fig. 2.]

^[Artikel, die man unter K vermißt, sind unter C aufzusuchen.]