Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

358
Kirchendiebstahl - Kirchengesang
in strenger Weise auch bei den Herrnhutern, Men-
noniten und Socinianern, etwas milder bei den
Quäkern. In Deutschland war im 19. Jahrh, die
K. in der evang. Kirche so gut wie ganz verschwun-
den. Durch die neueste Entwicklung, insbesondere
durch die von Reichs wegen erfolgte Aufhebung des
Taufzwanges und der kirchlichen Eheschließung hat
sich auch in der evang. Kirche die Überzeugung mehr
und mehr festgestellt, daß eine Wiederherstellung
der Kirchendisciplin zur Aufrechthaltung der kirch-
lichen Ordnung, besonders in Bezug auf Taufe und
kirchliche Trauung ff. d.), notwendig sei. Demgemäß
sind mehrfach neuere Vorschriften hierüber erlassen
worden. (S. Kirchenstrafen und Kirchenzucht.)
Kirchendiebstahl, s. Diebstahl (Bd. 5, S.271).
Kirchendiener, an vielen Kirchen der neben
dem Küster vorhandene Beamte, dem untergeordnete
Dienstleistungen obliegen. Als Gesamtbegriff um-
saßt der Ausdruck niedere K. in der neuern kirch-
lichen Amtssprache gewöhnlich diese K. und die
Küster, Meßner, Glöckner, Balgentreter, Toten-
gräber u. s. w.
Kirchendotalen, f. Dotalen.
Kirchenfabrik (lat. tadricg. scolsgikk), Dom-
fabrik, früher das Bauamt bei größeren Kirchen-
bauten, dann die Einkünfte und das Vermögen
einer Kirche (Kirchenärar), später der Teil des
Kirchenvermögens, der zur Bestreitung der gottes-
dienstlichen Bedürfnisse und besonders der Unter-
haltung der Kirchengebäude bestimmt war. Die Ver-
waltung wird gemeinrechtlich von dem Pfarrer unter
Zuziehung weltlicher Kirchenväter (vitrici, pi-ovi-
80r68, m^isti-i lg.dliea6) geführt. Doch haben
neuere Gesetze für die katholische wie die evang.
Kirche der Kirchengemeinde und den von dieser zu
wählenden Kirchenräten, Stiftungsräten
lFabrikräten) ein Recht der Kontrolle, der Mit-
wirkung bei der Verwaltung oder diese selbst über-
tragen. (S.Vaulast, kirchliche.) - Vgl.Beissel, Die
Bauführung des Mittelalters (2. Aufl., Freib. i. Br.
1889); Neuwirth, Die Wochenrechnungen des Pra-
ger Dombaues (Prag 1890).
Kirchenfahne, s. Fahne (Bd. 6, S. 521 d).
Kirchenfeste, s. Festtage.
Kirchengebote (lat. pi^espta. 6ed68ia6), bei
den Katholiken gewisse, neben den Sittengeboten zu
beobachtende kirchliche Pflichten: Messehören an
allen Sonn- und Festtagen, Halten der Fasttage,
österliche Beichte und Kommunion, Beobachtung
der Geschlossenen Zeit ff. d.).
Kirchengemeinde, die Vereinigung der durch
ein bestimmtes Glaubensbekenntnis verbundenen
Personen für einen bestimmten Ortsbezirk. Die
Abgrenzung der K. bedarf in Deutschland allent-
halben der Genehmigung des Staates. Jede K. hat
einen oder mehrere Pfarrer. Auf der K. baut sich die
Synodalverfassung (s. d.) auf. In der kath. Kirche
ist die Gemeinde grundsätzlich nur ^rßx anäi6N8 6t
odosäieuL, doch hat z. B. die neuere preuß. Gesetz-
gebung auch der katholischen K. aktive Funktionen
der Verwaltung übertragen (s. Kirchenvorstand).
Kreissynode, Provinzialsynode, Generalsynode sind
grundsätzlich als Gemeindevertretung zu betrachten.
Kirchengemeinfchaft, entweder Bezeichnung
der Religionsgesellschaft selbst, der jemand angehört,
oder der persönlichen Zugehörigkeit zu einer solchen.
Kirchengeräte, alle zum Dienste in der Kirche
oder zu religiösen Handlungen gebrauchten Gegen-
stände. Man teilt sie nach dem Material in drei
Artikel, die man unter K verm
Hauptklassen ein: in Holzgeräte (Altar, Chor- und
Sitzgestühl u. s. w.), Metallgeräte (Glocken, Leuchw,
Taufbecken, Reliquiarien, Nauchgefäße, die Geräte
des Altars oder der Sakramente, nämlich Kelch und
Patene, Hostienbehälter, Monstranzen, Crucifix
u. s. w.) und Gewebe und Stickereien (Paramente
u. s. w.). - Vgl. Otte, Handbuch der kirchlichen Kunst-
archäologie des deutschen Mittelalters (5. Aufl.,
2 Bde., Lpz. 1883-84).
Kirchengefang, der Gesang beim Gottesdienst
als Mittel und Zeichen der Erhebung zu Gott.
Der K. ist so alt wie das Bedürfnis gemeinsamer
Erbauung überhaupt. Schon im Heidentum ge-
hörten Gesänge, meist von musikalischen Instrumen-
ten begleitet, zum religiösen Kultus; dasselbe war
im alten Judentum der Fall, wo der Gesang unter
Musikbegleitung den Leviten übertragen war. Auch
im christl. Kultus wendete man frühzeitig Musik und
Gesang an. (S. Kirchenmusik.) Im Morgenlande
bildete sich der K. zuerst als Wechselgesang der Ge-
meinde aus (s. Antiphonie, Responsorien), der durch
Ambrosius (s. d.) von Mailand auch im Abendlande
eingeführt wurde. An die Stelle des überaus leb-
haften Ambrosianischen Gesangs setzte Papst Gregor
d. Gr. den ChoralH d.). Der kirchliche Gemeinde-
gesang ging im Mittelalter allmählich fast ganz
verloren. In den Leisen (s. d.) entstand zwar ein
geistliches Volkslied in deutscher Sprache, aber ge-
sungen wurde es viel weniger in den Kirchen als
im Freien bei Wallfahrten und ähnlichen Gelegen-
heiten. Erst durch Luther, den Schöpfer des deut-
schen Kirchenliedes (s. d.), wurde der K. wieder
wesentlich zum Gemeindegesang und seitdem ist er,
unterstützt von der Orgelmusik, nirgends mehr als
in der deutschen evang. Kirche gepflegt und vervoll-
kommnet worden. Die ältere, sog. rhythmische oder
melodische Sangesweise wurde im 18. Jahrh, durch
die einförmig getragene verdrängt, die jetzt meist
üblich ist; in neuerer Zeit ist die Wiedereinführung
der rhythmischen Weise von manchen Seiten warm
befürwortet, von andern ebenso entschieden zurück-
gewiesen worden. Der Pflege des evangelischen K.
dienen die neuerlich an vielen Orten geoildeten
Kirchengesangvereine (s. d.).
Die religiösen Liedersammlungen für den K. sind
in den Gesangbüchern enthalten. Luther gab zu-
erst eine Sammlung von acht Liedern (vier von ihm,
drei von Paul Speratus, eins von einem unbe-
kannten Dichter) heraus ("Etlich Cristlich lider Lob-
gesang und Psalm", Wittenb. 1524) und lieh der-
selben rasch neue vermehrte Auflagen folgen. Die
letzte von Luther besorgte und von ihm mit einer
neuen Vorrede versehene Auflage von 1545 ("Geyst-
liche Lieder, gedruckt zu Leipzig durch Valentin
Babst") hatte über 100 Lieder, darunter 37 von
Luther selbst. Das Luthersche Gesangbuch von 1545
blieb in vielen luth. Gemeinden lange im Gebrauch;
doch mehrte sich die Zahl der Gesangbücher bald so
sehr, daß es deren zu Ende des 16. Jahrh, in Deutsch-
land schon etwa 200 gab. Die reform. Kirche benutzte
zum kirchlichen Gesang fast lediglich die alttestament-
lichen Psalmen, die von Element Marot und Theodor
Beza französisch umgedichtet und in dieser Form von
Calvin 1555 als Gesangbuch in die Genfer Kirche
eingeführt wurden, mit Melodien nach geistlichen
und weltlichen Volksliedern. Der Professor der
Rechte Ambrosius Lobwasser in Königsberg über-
trug diesen Marot-Bezaschen Psalter ins Deutsche
(Hsidelb. 1573). Die spätere Entwicklung des Ge-
ißt, sind unter C aufzusuchen.