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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kleie - Klein (Herm. Jos.)
in einzelnen Teilen zu sehr oder nicht genügend er-
wärmt oder die Ventilation der Körperoberfläche be-
einträchtigt wird. Auch durch einen unzweckmäßigen
Schnitt der K. kann leicht geschadet werden, indem
enge und zu fest anliegende Kleider einen nachteiligen
Druck auf Blutgefäße, Nerven oder leicht verletzliche
Organe ausüben oder die erforderliche Ventilation
und Wärmeregulierung erschweren oder endlich die
normale Bewegung der Körperteile beeinträchtigen
(f. Schnüren). Gefärbte Kleidungsstücke können
weiterhin durch die Benutzung giftiger Farben
schwere Gesundheitsstörungen zur Folge haben. Es
kommen in dieser Hinsicht besonders Schweinfurter
Grün, Chromgelb und gewisse Anilinfarben (arsen-
haltiges Corallin, Fuchsin und Anilingrün) in Be-
tracht. Besonders gefährlich sind solche Kleidungs-
stoffe, bei denen die giftige Farbe nur lofe mit Stärke
aufgelegt ist und so bei der geringsten Reibung ab-
stäubt (grüne Tarlatane, Schleier, Seidenzeuge).
Nach dem Deutschen Reichsgesetz vom 1. Mai 1888
dürfen arsenikhaltige Farben zum Färben von Be-
kleidungsgegenständen nicht mehr verwendet wer-
den; arsenikhaltige Beizen oder Fixierungsmittel
sind nur dann gestattet, wenn dieselben so wenig
Arsenik enthalten, daß auf 100 (1cm des fertigen
Stoffs nur 0,002 Z Arsenik kommen. Endlich können
Kleidungsstoffe noch dadurch zur Krankheitsursache
werden, daß sie organische Krankheitskeime
in sich aufnehmen und so infektiöse Krankheiten auf
Gesunde übertragen. Von den Zeugstoffen nimmt
der Flanell infolge feiner rauhen Aberfläche und
feiner Dicke am leichtesten Mikroorganismen in sich
auf, dann folgen die Tricotstoffe und der dünne
Wollstoff; am wenigsten Keime nimmt der leinene
und baumwollene Hemdenstoff auf. (S. Kranken-
wäsche.) - über die militärische K. s. Bekleidung.
Kleie, ein Nebenprodukt der Mehlbereitung, das
ausgesondert wird, um die harte, feste, unverdauliche
Samenschale zu entfernen. Bei der Einrichtung
unserer Mühlen geht jedoch nicht allein die Samen-
schale, die ihrer Menge nach nur etwa 3 Proz. vom
Gewicht des Korns ausmacht, in die K. über, son-
dern zugleich eine große Menge der wertvollen Be-
standteile, und namentlich der Eiweihstofse, die sich
in den der Samenschale unmittelbar anliegenden
und fest mit derselben verbundenen Zellschichten
finden, und außerdem eine große Menge von Stärke-
mehl verloren. Die Menge der abgesonderten K.
beträgt 20-25 Proz. vom Gewicht des Korns.
Man hat daher versucht, die K. nutzbar zu machen
und den Konsum von Kleienbrot, der in vielen Ge-
genden in umfänglichstem Maße stattfindet, allge-
mein zu machen. Wegen der unvollkommenen Ver-
daulichkeit des Kleienbrotes ist jedoch der erhoffte
Nutzen sehr zweifelhaft. Es ist demnach zweckmäßiger,
die K. den Tieren zu überlassen, um durch sie ihre
Bestandteile in Fleisch, Milch u. dgl. zu verwandeln.
Als Viehfutter hat die K. bedeutenden Wert. Sie ent-
hält von Weizen in 1000 Teilen 135 Wasser, ^^Stick-
stoff, 53,5 Asche, davin 14,3 Kali, 0,2 Natron, 1,7 Kalk,
8,8 Magnesia, 27,3 Phosphorsäure, 0,i Schwefel-
säure, 0,5 Kieselsäure.
Kleienbäder, s. Bad (Bd. 2, S. 254 a).
Kleienflechte (Kleiengrind), eine Hautkrank-
heit der Menschen und der Haustiere, s. Pityariasis,
Seborrhöe und Hautkrankheiten (der Haustiere).
Klein, in der Kochkunst, s. ^.datis.
H^ein, hinter lat. Tiernamen Bezeichnung für
Jakob Theodor Klein (s. d.).
Brockhaus' Konversations-Lexikon. 14. Aufl. X.
Klein, Adolf, Charakterdarsteller, geb. 15. Aug.
1847 in Wien, trat zuerst in Baden bei Wien auf,
wo er alle Fächer, auch Operettenpartien fpielte,
dann am Berliner Nationaltheater, in Leipzig,
Berlin (Hoftheater), Wien (Hofburgtheater), Ham-
burg, Dresden und wiederum Berlin (am Lessing-
theater, bis 1891). 1892 wurde er wieder Mitglied
des Berliner Schauspielhauses. K. hat alle großen
Rollen des Charakterfachs gefpielt, am Lessing-
theater mit Erfolg auch Vonvivants. Er ist ein
Künstler von feinem Verständnis, der scharf zu
charakterisieren versteht.
Klein, Bernhard, Komponist und Musiklehrer,
geb. 6. März 1793 zu Köln, studierte 1812 unter
Cherubini in Paris und übernahm dann die Lei-
tung der musikalischen Aufführungen im Kölner
Dom fowie des damit verbundenen Musikinstituts.
1819 ging er nach Berlin und wurde Lehrer für
Harmonie und Kontrapunkt an dem neubegründe-
ten königl. Institut für Kirchenmusik, bald darauf
Musikdirektor und Gefanglehrer an der Universi-
tät. Er starb 9. Sept. 1832. K. wär einer der be-
deutendsten Musiker, die Berlin gehabt hat, ins-
besondere die bedeutendste Kraft, die zwischen Haydn
und Mendelssohn auf dem Gebiete des Oratoriums
hervorgetreten ist. Nur mit feinen Motetten für
Männerchor, die sehr fchlicht gehalten find, ist er
in der Gegenwart noch vertreten. Von feinen
übrigen Werken sind zu nennen: die Oper "Dido"
(Text von Rellstab, 1843 in Berlin aufgeführt),
die Oratorien "Hiob", "Iephtha", "David" und
"Ioas" (Athalia), eine Messe in D, ein fechsstimmiges
Magnifikat, ein achtstimmiges Paternoster und acht
Hefte Psalmen für Männerchor.
Klein, Felix, Mathematiker, geb. 25. April 1849
zu Düsseldorf, studierte in Bonn, Göttingen und
Berlin und habilitierte sich 1871 in Göttingen. Er
wurde 1872 ord. Professor an der Universität Er-
langen, 1875 an der Technischen Hochschule in Mün-
chen , 1880 an der Universität Leipzig, 1886 in
Göttingen. Er schrieb über Liniengeometrie, nicht-
euklidische Geometrie, Realitätsverhältnisse bei
algebraischen Kurven und Flächen, analytische Be-
deutung der regulären Körper, Auflösung der alge-
braischen Gleichungen vom fünften, fechsten, sieben-
ten Grade, algebraisch integrierbare lineare Diffe-
rentialgleichungen , elliptische Modulfunktionen,
eindeutige Funktionen mit linearen Substitutionen
in sich und über hyperelliptische und Abelsche Funk-
tionen. Seine Publikationen erschienen zumeist in
den "Mathem. Annalen", deren Redaktion K. mit
A. Mayer zusammen seit 1875 übernommen hat.
Seit 1888 ist W. Dyck der Redaktion beigetreten.
Größere Schriften K.s sind: "Vergleichende Be-
trachtungen über neuere geometr. Forschungen"
(Erlangen 1872), "über Riemanns Theorie der al-
gebraischen Funktionen und ihrer Integrale" (Lpz.
1882), "Vorlesungen über das Ikosaeder und die
Auslösung der Gleichungen vom fünften Grade"
(ebd. 1884), "Vorlesungen über die Theorie der ellip-
tischen Modulfunktionen" (zufammen mit N. Fricke,
2 Bde., ebd. 1890-92).
Klein, Herm. Ios., Astronom und Meteorolog,
geb. 11. Sept. 1844 zu Köln, erlernte den Buch-
handel, studierte aber später Mathematik und Astro-
nomie und errichtete zu Köln eine Privatsternwarte.
K. hat sich besonders durch sorgfältige Beobachtun-
gen der Mondoberfläche bekannt gemacht. Er ist
Direktor der Wetterwarte der "Kölnifchen Zeitung"
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