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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kloster
(l6iiFi08i) betrachtet wurden, zahlreiche Laienbrüder
(s. Laien) zur Verrichtung niederer Dienste, nament-
lich aber zur Ausübung der verschiedenen .Hand-
werke, in ihren Mauern auf. Zur Förderung dieser
ihrer gemeinnützigen Thätigkeit wurden die K. mit
Vorrechten aller Art ausgestattet. Je mehr aber
ihr Reichtum und Ansehen wuchs, desto rascher ge-
rieten sie in Verfall. Durch die unter den frank.
Königen eingerissene Gewohnheit, K. ihrer Einkünfte
wegen an Grafen und Herren zu verschenken, kamen
sie unter die Zerrschaft von Laienäbten (s. d.), die,
nur auf den Genuß der Einkünfte bedacht, nichts
zur Aufrechterhaltung der Zucht thaten. So fchlichen
sich allmählich Müßiggang, Schwelgerei und andere
Laster in die K. ein. Das von Chrodegang im
8. Jahrh, eingeführte kanonische Leben (m0na8t6i-iH
(Hnonicoi'um) suchte diesem Verfalle vorzubeugen,
und von den durch Karl d. Gr. zur bessern Bildung
der Geistlichkeit gestifteten Klosterschulen wußten
einige den Nuhm ihrer Gemeinnützigkeit auch im
9. und 10. Jahrh, zu behaupten. Dem allgemein
empfundenen Bedürfnisse einer Reform suchte zu-
erst das Kloster zu Cluny (s. d.) in Vurguud abzu-
helfen. Viele K. in Frankreich, Spanien, Italien
und Deutschland ließen sich nach diesem Muster
reformieren; andere, wie die Kongregation von Ci-
teaur (f. Cistercienfer), gaben der Regel Benedikts
cine neue Gestalt und stifteten im 11. und 12. Jahrh,
mehrere Orden mit Filialklöstern.
Durch die Reformation verminderte sich die Zahl
der K. beträchtlich; die prot. Fürsten zogen die Gü-
ter der verlassenen K. zum Fiskus oder verwendeten
sie zur Gründung öffentlicher Bildungsanstalten,
zu Pfründen angesehener Geistlicher, auch wohl zur
Versorgung adeliger Fräulein. Auch in den kath.
Ländern sanken die K. unter dem Einfluß eines
neuen Zeitgeistes immer mehr in der Meinung des
Volks. Kaiser Joseph II. hob 1781 die K. einiger
Orden ganz auf und schränkte die übrigen auf eine
bestimmte Zahl von Religiösen ein. In Frankreich
wurde 2. Nov. 1789 die Abschaffung aller K. und
Orden beschlossen. Diesem Beispiele folgten die dem
franz. Reiche einverleibten oder unter feiner Schutz-
herrschast stehenden Länder. Kaum war jedoch
Pius VII. in Rom wieder eingezogen, als er die
in Italien während der franz. Herrschaft aufge-
hobenen K. wiederherstellte. Durch Konkordate mit
Frankreich, Neapel und Bayern sicherte er das Fort-
bestehen der in diesen Ländern noch erhaltenen und
die teilweise Wiederherstellung der aufgehobenen K.
Bald nahm die Zahl der K. und ihrer Insassen in
Österreich, Frankreich, Portugal, Spanien und Ita-
lien von neuem zu. In Portugal wurden die K.
zwar durch Dekret vom 28. Mai 1834, in Spanien
durch Dekret vom 9. Mai 1837 aufgehoben; aber
diefe Aufhebungsdekrete wurden bald wieder rück-
gängig gemacht. Namentlich feit 1850 vermehrten
sich die klösterlichen Niederlassungen überall sehr;
so in Österreich seit dem Konkordat von 1855, vor
allem aber in Frankreich unter Napoleon III. und
dann wieder unter der Präsidentschaft Mac-Mahons.
In Frankreich, das zu Anfang des 19. Jahrh, gar keine
Nonnen zählte, gab es schon vor der Iulirevolution
wieder 22000 und 1878 128000. In Preußen hatte
sich die Zahl der Mönche und Nonnen seit 1850 ver-
zehnfacht; 1873 zählte man hier 1037 Mönche und
8011 Nonnen, in Bayern 1094 Mönche und 5054
Nonnen, im ganzen Deutschen Reiche gegen 20000
Ordensmitglicder. Auch in England und Irland
Artikel, die man unter K verm
wurden neue K. gegründet. Energische Mahregeln
gegen das Klosterwesen wnrden zuerst in Italien
infolge der polit. Umwälzungen seit 1859 ergriffen.
Nachdem man zuerst die K. auf die um Wissenschaft
und Krankenpflege verdienten beschränkt und nament-
lich die Bettelorden aufgelöst hatte, hob 1866 ein
Gefetz alle K. ohne Unterschied auf. Danach wur-
den auch in Preußen infolge des Gefetzes vom
31. Mai 1875 sämtliche geistliche Orden und ordens-
ähnliche Kongregationen mit Ausnahme derer, die
sich mit Krankenpflege beschäftigten, aufgehoben.
Jedoch läßt das Gesetz vom 29. April 1887 auch
solche Orden zu, die sich der Seelsorge oder einem be-
schaulichen Leben widmen, nur bedarf es im einzelnen
Fall einer Genehmigung der Minister des Innern
und des Kultus. Seitdem hat die Zahl der K. be-
deutend zugenommen. In Frankreich knüpft das
Dekret vom 30. März 1880 die staatliche Autorisa-
tion der K. an erschwerende Bedingungen und ver-
fügt die Räumung der nicht autorisierten. In Ruß-
land ist die Zahl der K. beschränkt. In Griechenland
wurden 1835 auf Antrag der permanenten Synode
alle Nonnenklöster bis auf drei, deren Bewohner
über 40 Jahr alt sein müssen, aufgehoben.
Litteratur. Musson, Pragmatische Geschichte
der vornehmsten Mönchsorden (deutscher Auszug von
Crome, 10 Bde., Lpz. 1774-84); C.I.Weber,
Die Möncherei oder geschichtliche Darstellung der
Klosterwclt (2. Aufl., 4 Bde., Stuttg. 1835); F.
von Biedenfeld, Ursprung, Aufleben, Größe, Herr-
schaft, Verfall und jetzige Zustände sämtlicher
Mönchs- und Klosterfrauenorden (2 Bde., mit
Suppl.,Weim.1837u.1839);HenrionsGeschichteder
Mönchsorden, frei bearbeitet von sehr (Tüb. 1845);
Montalembert, 1^68 ui0in68 ä'Occiäent (5. Aufl.,
7 Bde., Par. 1874-77); Hinschius, Die Orden und
Kongregationen der kath. Kirche in Preußen (Berl.
1874); Weingarten, Der Ursprung des Mönchtums
(Gotha1877); E.Keller, 1^68 c0nZr6Fation8 reli-
F16U868 6N I^I-HUCL (1880); Harnack, Das Mönchtum,
seine Ideale und Geschichte (Gieß. 1881; 3. Aufl.,
ebd. 1886); Bertouch, Kurzgefaßte Gefchichte der
geistlichen Genossenschaften (Wiesb. 1888).
Die bauliche Anlage der K. in früher Zeit
lernt man am besten aus dem zu Anfang des
9. Jahrh, geschaffenen Plan für jenes von St. Gallen
kennen. (Vgl. F. Keller, Bauriß des K. St. Gallen,
Zur. 1844.) Den Mittelpunkt bildete die Kloster-
kirche, welche der Regel nach mit dem Chor nach
Osten liegt. An die Südseite legt sich der Kreuz-
gang an. An diesen lehnt sich östlich der Winter-
speiscsaal (lü^elactorium) und darüber der Schlaf-
saal (Oormiwi'iniu), südlich der Speisesaal (I^kkec-
toi-ium), westlich der Weinkellerund Vorratsspeicher.
Um diesen Gebäudeteil und seine Nebenbauten legt
sich ein zweiter Ring: das Pilgerhaus, Pferde-und
Ochsenställe, die Werkstätten und Scheuern, alles
das, was zur Verwaltung des K. gehört. Im Osten
stößt an die Kirche die Schule und der Kapitelsaal
mit eigener Kapelle und zwei kleinen Kreuzgängen,
der Kirchhof und der Garten, gegen Norden das
Abthaus, das Schülerhaus, das Gasthaus. Diefes
System blieb in der Hauptsache während des ganzen
Mittclalters beibehalten. Namentlich die Cister-
cienser bildeten es aus, das beweist z. B. die Abtei
Clairvaur in Frankreich. Als Beispiel mag das
trefflich erhaltene K. Maulbronn gelten. Der Kapitel-
saal mit der Kapelle ist an die Ostseite des Kreuz-
ganges gerückt, die Wirtschaftsgebäude liegen ent-
ißt, sind unter C aufzusuchen.