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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kloster Berge - Klostermann
fernter. In Italien erhielten die K. meist erst durch
die Renaissance die Vollendung, welche sie im Norden
früher erlangt haben. Früh strebte man dort eine
geschlossene Bausorm an, die sich um eine offene
Säulenhalle gruppierte, eine Bauart, welche, als
die K. sich erweiterten, um alle Höfe herumgeführt
wurde. Im 17. Jahrh, begannen die großen palast-
artigen Anlagen, zu welchen die Jesuiten das
Vorbild gaben. Doch befleißigten sich diese stets
der strengsten Einfachheit. Die Augustiner, Bene-
diktiner, Theatiner und Cistercienser führten das
System weiter und errichteten namentlich in Süd-
deutschland großartige Bauwerke mit mächtigen
Höfen, Sälen, Kirchen und steigerten zwischen 1080
und 1720 den Klosterbau zur höchsten Pracht. Als
Beispiele dieser Art mögen St. Florian bei Linz,
Melk, Einsiedeln und Ottobeuren gelten. - Vgl.
Viollet le Duc, victionnkirs äs I'arckitscwi-s
(Par. 1854-68); Paulus, Die Cistercienserabtei
Maulbronn (Stuttg. 1873-79); Otte, Geschichte
der deutschen Baukunst (Lpz. 1874): Brunner, Ein
Benediktinerbuch (Würzb. 1880): ders., Ein Cister-
cienserbuch (ebd. 1881); ders., Ein Chorhcrrenbuch
(ebd. 1883); Dohme, Geschichte der deutschen Bau-
kunst (Berl. 1885); Burckhardt, Geschichte der Re-
naissance in Italien (3. Aufl., Stuttg. 1890).
Kloster Berge, ehemaliges berühmtes Benc-
diktinerkloster bei Magdeburg, zwischen Magdeburg
und Buckau, auf einer Anhöhe des linken Elbufers,
wurde vor 965 von Kaiser Otto d. Gr. gegründet.
Als 1546 der Schmalkaldifche Krieg Magdeburg be-
drohte, ließ die Stadt ihrer Sicherheit wegen die vor
den Festungswerken gelegenen Klostergebäude zer-
stören. Der Abt Peter 'Ulner begann 1563 das
Kloster wieder aufzubauen und trat 1565 samt dem
Konvent zur evang. Lehre über. Hier wurde 1577
die Konkordienformel (s. d.) entworfen, die des-
halb auch das Berg ische Buch hieß. Das Kloster
wurde anfangs des )8. Jahrh, in eine Erziehungs-
anstalt umgewandelt, die besonders unter der Lei-
tung des 1774 berufenen Abtes Resewitz aufblühte,
1809 aufgehoben und ein Teil seiner Einkünfte den
Schulen in Magdeburg, Halle, Hildesheim, Cassel
u. s. w. zugewendet. Die Klostcrgebäude wurden
1813 von den Franzosen zerstört. Nach dem Pariser
Frieden wurde hier der Friedrich-Wilhelmsgarten,
ein öffentlicher Vergnügungsort mit Parkanlagen
nach dem Plane des Gartendirektors Leims, an-
gelegt, das Vermögen des Klosters aber zu Unter-
richtszwecken für den Reg.-Bez. Magdeburg und
die Universität Halle bestimmt. - Vgl. Urkundenbuch
des K. B. bei Magdeburg (bearbeitet von Holstein,
Halle 1879); Holstein, Geschichte der Schule zu
K. B. (Lpz. 1886).
Kloster Camp (Kamp), Bürgermeisterei und
Kirchdorf im Kreis Mors des preuß. Reg.-Bez.
Düsseldorf, 19 1cm südwestlich von Wesel, an der
Bleuthe, hat (1890) 1115 E., Postagentur, Fern-
sprechverbindung: Garnspinnerei und Ziegelei. Der
Abt der ehemals berühmten Abtei (1122) führte den
Titel Primas des Cistercienserordens in Deutschland.
- K. C. ist bekannt durch zwei Gefechte während
des Siebenjährigen Krieges: 12. Juni 1758 schlug
Herzog Ferdinand von Braunschweig das überlegene
Heer der Franzosen unter Graf Clermont, 16. Okt.
1760 wurde der Erbprinz von Vraunschwcig von den
Franzosen unter Marquis de Castries geschlagen.
Klosterebrach, bayr. Marktflecken, s. Ebrach.
Klosterfrau, soviel wie Nonne.
Artikel, die man unter K vermißt, sind unter E aufzusuchen.
Klosterfräulein, ein im Kloster oder in einem
Damenstift lebendes Fräulein, das keinen Profeß
abgelegt hat, also wieder austreten kann.
Klostergeistliche, s. Kloster (S. 426 d).
Klostergelübde, das feierliche Versprechen, sich
den für das Klosterleben vorgeschriebenen Regeln
zu unterwerfen; im engern Sinne die Gelübde des
Gehorsams (gegen die Ordensregel und die Befehle
der Vorgefetzten), der Keuschheit (Ehelosigkeit und
unbedingte Enthaltung von jedem Geschlechtsver-
kehr) und der Armut (Verzicht auf alles Privat-
eigentum). Die Klöster selbst können Eigentum
haben, jedoch unterscheidet man eine hohe, höhere
und höchste Armut. Die hohe Armut besteht darin,
daß ein Kloster nur so viel liegende Gründe besitzen
darf, als zu seiner Erhaltung nötig sind; die höhere,
daß es keine liegenden Gründe, wohl aber beweg-
liche Gegenstände, wie Bücher, Kleider, Vorräte an
Speisen und Getränken, Renten u. s. w., besitzen
darf; die höchste gestattet weder bewegliches nock
unbewegliches Eigentum. Die hohe Armut geloben
z. B. die Karmeliter und Augustiner, die höhere die
Dominikaner, die höchste die Franziskaner, vor-
nehmlich die Kapuziner. Außer diesen drei allge-
meinen haben einzelne Mönchsorden noch andere
K., z. V. das des Schweigens bei den Kartäusern,
des unbedingten Gehorsams gegen den Statthalter
Christi bei den Jesuiten, der Krankenpflege u. s. w.
Der Bruch der K. wurde mit den härtesten Strafen,
selbst mit dem Tode bestraft, ist aber dann nach der
Bestimmung des Tridentinischen Konzils (Sitzung
Kirchenbuhen bedroht. Die K. werden, soweit nicht
Staatsgesetze etwas anderes bestimmen, auf Lebens-
zeit abgelegt.
Klostergewölbe, s. Gewölbe (Bd. 7, S. 994d).
Klostergrab, czech. llrod^, Stadt im Gerichts-
bezirk Dur der österr.VezirkshauptmannschaftTeplitz
in Böhmen, in 356 m Höhe, an der Linie Brüx-
Moldau der Prag-Duxer Eisenbahn, hat (1890)
2256 meist deutsche E., Post, Telegraph; Woll-
warenfabrik und in der Umgebung bedeutende Wirk-
waren-, Vleirohr-, Staniol- und Glaswarenfabri-
kation. Die Reformation fand hier viele Anhänger,
durch deren Zuthun der Bau einer evang. Kirche zu
stände kam. Der Erzbischof von Prag ließ sie sperren
und 1616 mit Gewalt zerstören. Ein Gleiches ge-
schah zu Braunau. Das war der nächste Anstoß
zum Dreißigjährigen Kriege. ^Heilsbronn.
Kloster-Heilsbronn, bayr. Marktflecken, s.
Kloster Hradisch, s. Olmütz.
Klosterleinwand, früher Bezeichnung für west-
fäl. Leinwand.
Klostermann, Rud., Jurist, geb. 17. Nov. 1826
zu Wengern in Westfalen, studierte in Halle, Bonn
und Berlin, wurde 1857 Hilfsarbeiter im Handels-
ministerium, 1866 Oberbergrat in Bonn, 1869
Privatdocent, 1871 außerord. Professor daselbst. Er
starb 10. März 1886. K. hat sich verdient gemacht
um das Zustandekommen des Reichspatentgesetzes
und um die Redaktion des preuß. Berggesetzes. Er
schrieb: "Übersicht der bergrechtlichen Entscheidun-
gen des königl. Obertribunals" (Berl. 1861-64),
"Das allgemeine Berggesetz für die preuß. Staaten"
(ebd. 1866; 5. Aufl. 1893), "Das geistige Eigen-
tum" (Bd. 1: "Verlagsrecht", ebd. 1867'. Bd. 2:
"Patentgesetzgebung aller Länder", 1869; 2. Aufl.
1876), "Lehrbuch des preuß. Bergrechts" (ebd. 1871),
"Das Urheberrecht an Schrift- und Kunstwerken"