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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kohlhernie - Kohlung
und K. nur unter Vorbehalt seiner Entschädigungs-
ansprüche hierauf einging, aber dann keinen wei-
tern Vergleichstermin durchsetzen konnte, erließ er,
in seinem Rechtsgefühl verletzt und empfindlich an
seinem Vermögen geschädigt, 1534 einen Fehde-
brief gegen den Junker und ganz Kursachsen. Ob-
wohl er sich von der Beschuldigung, Brände in Wit-
tenbcrg angestiftet zu haben, auf einem Reichstag
reinigte, stieh doch Kurfürst Johann Friedrich den
für K. günstigen Vergleich dieses Tages um, und
sein Landvogt setzte auf eine trotzige Antwort K.s
einen Preis auf dessen Kopf, ehe noch K. irgendwie
Gewalt geübt hatte. Trotz der Abmahnung Luthers
begann nun K. 1535 die angekündigte Febde, die
er jahrelang aufrecht hielt, bis er die Ünklugheit
beging, sich auch gegen die eigenen Landsleute zu
wenden und dadurch seinen Landesherrn herauszu-
fordern. Er wurde nach Berlin gelockt und dort
nach kurzem Prozeß im März 1540 gerädert. Diefe
Vorgänge hat Heinrich von Kleist in einer Novelle
"Michael Kohlhaas" dargestellt, doch hat er feine
Erzählung, obfchon er die histor. Hauptquelle, die
märkische Chronik, benutzte, ganz frei behandelt. Eine
eingehende histor. Erforschung lieferte erst Burkhardt
in der Schrift "Der histor. Hans K." (Lpz. 1864).
Kohlhernie (Kohlkropf), s. riaäinoäiopkoi'a.
Kohlmeisen, f. Meife.
Kohlpalme, s. ^utei-pe.
Kohlrabi, Oberr übe (Li^Läica olei-ucea. 2).
vai'. Fon^ioiäeä), Kohlart, deren knollig verdickter
Stengel als Gemüse verspeist wird. Nach der Farbe
unterscheidet man weiße und blaue K. Empfehlens-
werte Sorten sind a. zur Frühkultur: Wiener Glas-
kohlrabi (f. Tasel: Gemüse I, Fig. 14), Erfurter
Dreienbrunnen, frühe englische; d. für die späte
Kultur: weiße und blaue Riesenkohlrabi, Goliath.
Da die K. leicht faserig oder holzig werden, so
macht man von Ende März bis Juni alle 2-
3 Wochen wiederholte Aussaaten und bringt die
jungen Pflanzen alsdann auf geschützte sonnige
Rabatten in Reihen von 25 tW 30 cm Weite, in
den Reihen in 15 - 20 cm Entfernung. In kräf-
tigem, düngerreichem Boden, bei genügender Feuch-
tigkeit und zeitweiligem Düngerguß entwickeln sich
die Knollen in kurzer Zeit. Für den Winterbedarf
werden die von den großen Blättern befreiten Knol-
len im Keller oder in Gruben eingeschlagen und vor
harten Frösten geschützt. Zum Treiben im Früh-
jahr eignen sich nur die Wiener Glaskohlrabi.
Kohlrausch, Friedr., Physiker, Sohn von Rud.
Herm. Arndt K. (geb. 6. Nov. 1809 zu Gottingen,
gest. 9. März 1858 als Professor der Physik in
Erlangen), geb. 14. Okt. 1840 zu Rinteln, studierte
in Erlangen und Göttingen, wurde 1864 Docent des
Physikalischen Vereins" in Frankfurt a. M. und
1867 auherord. Profess-or der Physik in Göttingen.
Hierauf kam er als ord. Pro-fessor 1870 an das
Polytechnikum zu Zürich, 1871 an das zu Darm-
stadt, 1875 nach Würzburg, 1888 nach Strahburg.
Seine Forschungen betreffen hauptsächlich elektrische
und magnetische Messungen, außerdem Elasticität
und Licht. Der "Leitfaden der praktischen Physik"
(Lpz. 1870; 7. Aufl. 1892) ist das erste Buch, nach
welchem Physik. Übungen geleitet worden sind. Außer
zahlreichen Abhandlungen in Zeitschriften schrieb er
"Über den absoluten elektrischen Leitungswiderstand
des Quecksilbers" (Münck. 1888).
Kohlraufch, Heinr. Friedr. Theod., Historiker,
geb. 15. Nov. 1780 zu Landolfshausen bei Göttin-
Artikel, die man unter K verm
gen, studierte Theologie und wurde 1810 Vorsteher
einer Erziehungsanstalt zu Barmen, 1814 Lehrer
am Gymnasium zu Düsseldorf, 1818 Rat am Kon-
sistorium und Provinzialschulkollegium zu Münster,
1830 Chef des Oberschulkollegiums in Hannover. Er
starb in der Nacht zum 30. Jan. 1867 zu Hannover.
K.s Hauptwerk: "Deutsche Geschichte" (Elberf. 1816;
16. Aufl., bearbeitet von Kentzler, 2 Bde., Hannov.
1875), zeichnet sich durch übersichtliche Darstellung
aus; ferner fchrieb er "Die Geschichten und Lehren
der Heiligen Schrift" (zuerst 1811; 30. Aufl., Halle
1885) nebst dem dazugehörigen "Handbuch fürLehrer
höherer Schulen" (2. Aufl., ebd. 1818) und "Anlei-
tung für Volksschullehrer" (4. Aufl., ebd. 1837),
"Chronolog. Abriß der Weltgeschichte" (15. Aufl.,
Lpz. 1861), "Kurze Darstellung der deutschen Ge-
schichte" (14. Aufl., Gütersloh 1891). Auch ver-
öffentlichte er "Erinnerungen aus meinem Leben"
(Hannov. 1863).
Kohlrübe, Erdrübe, Steckrübe, Unter-
kohlrabi, Erdkohlrabi, Wrucke, Dorsch,
Kulloche (Li-HZäicil. I^apu8 _^. var. nkpodraZsica),
Pflanze aus der Gattung Li-H88icg. (s. d.), deren
dicke fleischige Wurzeln von weißer oder gelber
Farbe als Gemüse benutzt werden. Die empfehlens-
wertesten Sorten sind: weiße K. (s. Tafel: Futter-
pflanzen I, Fig. 12), große weiße runde, große
gelbe runde, gelbe rotgrauhäutige Riefenkohlrübe,
gelbe Schmalzkohlrübe, große weiße grünköpfige,
schwed. gelbe K. (s. Tafel'/Gemüse II, Fig. 14) und
pommersche Kennen-Wrucke. Die gelben Sorten
werden den weißen meist vorgezogen sowohl wegen
des bessern Aussehens in gekochtem Zustande als
auch weil sie feiner und haltbarer sind. Die K. ge-
deiht fast in jedem Boden, auch in freier exponierter
Lage, wo andere Kohlarten weniger gut fortkommen.
Die Pflanzen zieht man wie die Kohlpflanzen aus
Samen an, den man im April bis Anfang Mai auf
ein geschütztes Saatbeet aussät. Die jungen Säm-
linge schütze man besonders gegen Erdflöhe, die sie
sehr gern befallen. Sind sie hinlänglich groß ge-
worden, so werden sie auf gutes nahrhaftes Land
in gegenfeitiger Entfernung von 45 bis 50 cm aus-
gepflanzt. Durch Verkürzen der Wurzelspitzen beim
Verpflanzen wird die Rübenbildung befördert. Im
Herbst vor den starken Frösten werden die Rüben
aus der Erde genommen, von den Blättern gereinigt
und im Keller in Sand, auch in Erdgruben auf-
bewahrt bis zum Verbrauch.
Kohlsaat, s. Raps.
Kohlfchein, Joseph, Kupferstecher, geb.21. Sept.
1841 zu Warburg in Westfalen, war 1856 - 70
Schüler der Akademie zu Düsseldorf unter Keller,
machte dann Studienreisen durch Osterreich, Frank-
reich und Italien. Unter seinen Blättern ist das
bedeutendste die heil. Cäcilia nach Raffael (1879),
wofür er 1888 in Düsseldorf die goldene Medaille
erhielt; ferner die Hochzeit zu Cana nach P. Vero-
nese, Madonna mit dem Schleier nach Raffael, Die
unbefleckte Empfängnis nach Murillo sim Louvre),
Die heilige Nacht nach Correggio (1893), die ^ixti-
nische Madonna (1894).
Kohlschnake flipula olerNcea. ^.), eine 22 min
lange aschgrau und braun gezeichnete Schnake,
deren Larve oft massenhaft in humusreicher Erde
lebt und unter Umständen durch Aufwühlen die
feinsten Pflanzenwurzeln beschädigen soll.
Kohltaube, soviel wie Holztaube, s. Tauben.
Kohlung, s. Eisenerzeugung (Bd. 5, S. 924 d).
ißt. sind unter C aufzusuchen.