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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kölner Dom
ser Ziel zahlreicher Pilgerfahrten. Eine Feuersbrunst, die den alten Dom zerstörte, ward 1248 Veranlassung zu einem Neubau. Noch in demselben Jahre wurde vom Erzbischof Konrad von Hostaden der Grundstein gelegt, und zwar nach jenem Entwürfe, der erst in neuerer Zeit zur Durchführung gelangte. Dieser ist von dem Dom zu Amiens entlehnt; wer ihn entwarf, hat nicht festgestellt werden können. Seit 1255 wird Gerhard von Rile (aus dem Dorfe Rile bei Köln) als Leiter des Baues genannt. Später traten jedoch durch Zwistigkeiten der Stadt mit den Erzbischöfen Hindernisse ein, sodaß erst 1322, also im 74. Jahre nach der Grundsteinlegung, die Einweihung des Chors, des einzigen im Mittelalter vollendeten Teils, erfolgen konnte. Seit 1279 hatte Meister Arnold, 1308-30 dessen Sohn Johannes die Bauleitung. Die uns bekannte Reihe der Meister in den Schreinsbüchern bricht mit Rütger, dem Nachfolger Johanns, 1332 ab. Mißbrauche beim Einsammeln der Beiträge und Verbote des Sammelns überhaupt, die Kriege des Erzbischofs Theodorich von Mors ließen den Bau nur langsam wachsen. Doch wurde bis 1437 die Vorhalle im südl. Turme vollendet, der Turm selbst aber bis 55 m hoch aufgeführt. Auch wurde damals der schon zum Wahrzeichen gewordene Kran mit einem Dache versehen. Am Ende des 15. Jahrh. wurden die Glasgemälde in der nördl. Nebenhalle eingesetzt; das letzte Fenster trägt die Jahreszahl 1509. Von da an stockte der Bau. Vollendet waren nur der Chor und die diesen umstehenden Kapellen. Mit Eintritt der Reformation blieb der Bau völlig liegen. Das 16. und 17. Jahrh. sorgten nur noch für die innere Ausschmückung durch Denkmäler.
Erst durch Friedrich Schlegel, die Brüder Boisserée und später durch die unermüdliche Thätigkeit von August Reichensperger wurde die Aufmerksamkeit aller Gebildeten wieder auf den Dom gelenkt. Thatkräftig wurde jetzt die Ausbesserung betrieben, und als durch den Frieden von Paris 1814 Köln an Preußen fiel, das Kölner Erzbistum 1824 hergestellt, die früher gebräuchliche Kathedralsteuer wieder eingeführt wurde, begann eine geordnete Fürsorge für Erhaltung und Vollendung des Baues. Es bildete sich 1841 ein Central-Dombauverein in Köln, welcher der Mutterverein von über hundert andern Dombauvereinen wurde. König Ludwig I. von Bayern schenkte 1848 dem Dom vier Glasfenster, welche er durch H. von Heß, Ainmiller, Hellweger und A. Fischer hatte anfertigen lassen; Dombaumeister waren Frank, Ahlert (gest. 1833), Zwirner (gest. 1861) und Voigtel (seit 1862). Beim Regierungsantritt Friedrich Wilhelms IV. waren die Herstellungsbauten im wesentlichen vollendet; es begann der Ausbau des Kreuzschiffs und der nördl. und südl. Portale; 1842 wurde der Grundstein zum Weiterbau gelegt, 15. Okt. 1863 konnte die Vollendung der Domkirche selbst (außer den Türmen) gefeiert werden. Nachdem 1868 der nördl. Hauptturm die Höhe des alten südl. Turms erreicht hatte, wurden beide Türme, nach Beseitigung des alten Domtrans, gleichmäßig aufgeführt und bis Ende 1876 so weit gefördert, daß im Sommer 1877 mit dem Helm des südl. Turms begonnen werden konnte. Am 15. Okt. 1880 konnte in Gegenwart Kaiser Wilhelms I., der Kaiserin Augusta, im Beisein fast aller deutschen Fürsten der Schlußstein auf die Kreuzblume des südl. Turms durch Voigtel gesetzt werden. Der Bau der beiden Westtürme erforderte eine Summe von 11 Mill. M.; die Gesamtausgabe für die Herstellung des Domchors, den Fortbau des Kirchenschiffs und den Bau der Westtürme 1828-84 betrug 20 1/2 Mill. M. Seit 1885 ist man mit dem Ausbau und der Ausschmückung des Innern der Domkirche beschäftigt.
Dem Grundriß nach (s. nachstehende Figur) ist der Dom eine kreuzförmige Basilika, deren fünfschiffiges Langhaus von einem dreischiffigen Querhaus durchschnitten wird. Die ganze Länge des Gebäudes beträgt 135,6 m, die Breite 61 m, die im Querschiffe 86 m; die Höhe bis zum untern Rande des Dachs 46 m, bis Zum Dachfirst 61,5 m; die Höhe des über der Vierung aufsteigenden Mittelturms (Dachreiters) 109,8 m. Die Westfaçade, mit ihren beiden Türmen, dem dazwischen sich öffnenden Hauptportal und dem großen Mittelfenster, wurde nach den noch erhaltenen Originalplänen aus dem 14. Jahrh. ausgeführt. Die Türme haben eine Höhe von 157 m über dem Fußboden der Domkirche und 160 m über dem Pflaster des Domplatzes; sie erheben sich in vier Stockwerken, die drei untern sind viereckig, das vierte ist achteckig und von durchbrochenen schlanken Helmen gekrönt. Das Hauptportal ist 29,3 m hoch, 9,5 m breit; die beiden Nebenportale je 11,6 m hoch, 6,6 m breit; das Mittelfenster 14,75 m hoch, 6,25 m breit. Die Arme des Querschiffs finden ihren Abschluß in dem Nord- und Südportal, welche nach Zwirners Entwürfen erbaut sind, da-die alten Pläne hierzu nicht mehr vorhanden waren. Das Nordportal ist einfach gehalten; überaus glänzend dagegen das Südportal, dessen reicher, nach Schwan-^[folgende Seite]
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