Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

502
Kölner Gelb - Köln-Mindener Eisenbahn
lhalers Entwürfen ausgeführter Bilderschmuck ein
Geschenk des Kaisers Wilhelm I. ist. Der 1322 voll-
endete Chor, künstlerisch der wertvollste Bauteil,
um welchen sich ein Kranz von sieben Kapellen legt,
zeigt in seinem untern Teile noch die strengen For-
men des frühgot. Stils, in seinem obern Teile die
Pracht und den elastisch bewegten Schwung der
spätern Kunst. Aus den Pfeilern des Unterbaues
steigt ein reiches System von Strebepfeilern und
Strebebogen auf, welche den Gewölben als Wider-
lager dienen und eine Vermittelung zwischen den
niedrigen Seitenschiffen und Kapellen und dem
hohen Mittelschiff herstellen. Das Innere wird
von 56 Pfeilern getragen und ist 119 m lang; das
Mittelschiff 15 m breit, 45 m hoch; jedes der vier
Seitenschiffe 8,i8 m breit, 19 m hoch. Der ganze
Dom bedeckt einen Flächenraum von 6166 yiu. Im
Innern des Doms sind die gemalten Fenster (Proben
s. auf Tafel: Glasmalerei I, Fig. 1, 4, 8) sowie
der Statuenschmuck der Säulen durch freiwillige
Gaben beschafft worden. Die große Orgel ist an die
Nordseite verlegt worden, wo sich in einem Anbau
Sakristei, Archiv und Bibliothek des Doms befinden.
Infolge des Friedensschlusses mit dem Grohherzog-
lum Hessen (1866) wurden die unter der ersten franz.
Republik nach Darmstadt gekommenen Handschrif-
ten u. s. w. dem Dom zurückgegeben. Die große, 1874
von Hamm in Frankenthal aus 22 eroberten franz.
Kanonen gegossene Kaiserglocke (3,7 m hoch, mit einem
Durchmesser von 3,42 m am Schlagring, 543 Centner
schwer, die größte und schwerste aller Glocken, welche
geläutet werden) wurde 1880 mit den übrigen vier
mittelalterlichen Domglocken in den neuen eisernen
Glockenstuhl im dritten Stockwerke des südl. Turms
aufgehängt. In neuerer Zeit hat dem K. D. gegen-
über die Kritik mancherlei Einwendungen zu machen
gehabt: die starre Konsequenz seines Systems, die
Verstandesmäßigkeit des Aufbaues, das übermäßig
starke äußere Gerüst von Streben und Pfeilern, die
Eintönigkeit der rein struktiven Gedanken haben die
Begeisterung für den Bau beeinträchtigt, der mehr
für die äußerste Fortbildung einer bestimmten got.
Schule als für das vollendetste Werk der Gotik über-
haupt gilt. (S. die Tafel: Kölner Dom.)
Vgl. Boisserse, Geschichte und Beschreibung des
Doms zu Köln (2. Aufl., Münch. 1842); Fahne,
Diplomat. Beiträge zur Geschichte der Baumeister
des K. D. (Düsseid. 1849); Bock, Der Kunst- und
Reliquienschatz des K. D. (Köln und Neuß 1870);
Vollständige Geschichte und Beschreibung des K. D.
(Köln 1874); Schmitz, Der Dom zu Köln, seine
Konstruktion und Ausstattung (histor. Text von
Ennen, ebd. 1868 - 76); Wiethase, Der Dom zu
Köln (40 Lichtdrucktafeln mit Text, Franks, a. M.
1884-89), und die Monographien von Pfeilfchmidt,
de Noel, Kiefer, Vinzer u. a.
Kölner Gelb, eine gelbe Deckfarbe, besteht aus
Chromgelb, das mit Gips oder schwefelsaurem Blei-
oxyd vermischt ist. ^(Geschichte).
Kölner Kirchenstreit (1836-40), s. Preußen
Kölner Schwarz, soviel wie Veinschwarz (s. d.)
oder gereinigte Knochenkohle.
Kölnische Erde, weißer Thon aus der Ge-
qend von Köln; auch soviel wie Umbra (s. d.).
^ Kölnische Mark, s. Mark (Gewicht).
Kölnisches Wasser, s. Nan äs OoloFus.
Kölnische Volkszeitung und Handels-
dlatt, 1860 unter dem Namen "Kölnische Blätter"
(so bis 1869) gegründete, täglich zweimal (Sonn-
tags mit einer unterhaltenden Beilage) in Köln
erscheinende polit. Zeitung, eins der bedeutend-
sten Organe der deutschen Centrumspartei. Vor-
leger: I. P. Bachem in Köln; Hauptredacteur:
Herm. Cardauns.
Kölnische Zeitung, täglich dreimal (Sonntags
nur einmal) in Köln erscheinende polit. Zeitung von
nationalliberaler Richtung. Verleger: M. DuMont-
Schauberg in Köln; Chefredacteur: Aug. Schmits;
Vertreter in Berlin: Franz Fischer; Vorsteher des
parlamentarischen Bureaus daselbst: Moritz Gum-
binner. Die unpassende selbständige Berichterstattung,
aus den großen Hauptstädten giebt der K. Z. eine
weit über den nächsten Umkreis ihres Erscheinungs-
ortes hinausreichende Bedeutung. - Die K. Z. führt
ihre Entstehung auf die alten Postzeitungen zurüs,
deren Verlagsrecht 1762 das Kölnische Postamt über-
nahm, um die "Kaiserl. Reichs-Ober-Post-Amts-
Zeitung zu Cölln" herauszugeben. Nach dem Er-
löschen des kaiserl. Privilegiums 1794 bei der Be-
setzung Kölns durch die Franzosen führte der Post-
beamte Otten (später Königen) das Blatt als "Post-
amts-Zeitung", dann als "Kölner Zeitung" weiter.
1802 erwarben es die Erben der Buchdruckerei von
Schauberg, die von jeher den Druck des Blattes be-
sorgt hatte, und gaben es seitdem u. d. T. "Kölnische
Zeitung" heraus. 1808 übernahm Markus DuMont
(s. DuMont, sowie DuMont - Schauberg, M.), der
eine der Erbinnen Schauberg zur Frau hatte, das
Geschäft und die Zeitung. Sie wurde, nachdem sie
schon 1805 und 1807 vorübergehend von den sranz.
Machthabern unterdrückt worden war, 20. Juli 18W
durch kaiserl. Befehl ganz beseitigt und lebte erst mit
dem Ende der Franzosenherrschaft 16. Jan. 1814
wieder auf. Nach dem Tode von Markus DuMont
(1831) übernahm sein Sohn Joseph die Leitung. Er
ist der Begründer ihrer jetzigen Bedeutung. Nach
seinem Tode (1861) wurde das Unternehmen von
den Erben unter Leitung von Ferd. Wilh. Schultze
fortgeführt. Seit 1880 steht August Neven-DuMont,
ein Schwiegersohn Joseph DuMonts, an der Spitze.
Namhafte frühere Redacteure sind Karl Heinr.
Vrüggemann, Heinr. Kruse, Herm. Grieben. Das
Feuilleton der K. Z., die als erste deutsche Tages-
zeitung mit der Veröffentlichung von Romanen vor-
ging, wurde längere Zeit von Levin Schücking ge-
leitet und zählte hervorragende Schriftsteller zu Mit-
arbeitern. Im Auftrag und auf Kosten der K. Z. be-
reiste Friedr. Ratzel Amerika und unternahm Hugo
Zöller seit 1879 eine ganze Reihe von Weltreisen.
- Vgl. Geschichte der K. Z. und ichrer Druckerei
(hg. von Dumont-Schauberg, Köln 1880).
Köln-Mindener Eisenbahn, auf Grund des
Gesetzes vom 20. Dez. 1879 verstaatlichtes Privat-
unternehmen, dessen Stammbahn (266,55 km) von
Deutz über Düsseldorf, Duisburg, Oberhausen, Dort-
mund, Hamm und Bielefeld nach Minden (Landes-
grenze) 15. Okt. 1847 gleichzeitig mit der Bahn von
Minden nach Hannover eröffnet worden ist. Beim
Übergang auf den preuß. Staat umfaßte das Unter-
nehmen 1145,60 km, Betriebs- und 30,?i km Vau-
strecken. Die K. E. wurde bald ein wichtiges Glied
in den Verkehrswegen von Paris und London
nach Berlin und Petersburg. Ihr Verkehrsgebiet
wurde durch den spätern Ausbau der nieoerländ.
Linie Oberhausen-Arnheim, der Linie Deutz-Gießen
und der Bahn von Venlo über Münster und Bremen
und Hamburg erweitert. Nach der Verstaatlichung
wurde das Unternehmen der königl. Eisenbahndirek-
Artikel, die man unter K vermißt, sind unter C aufzusuchen.